Fortschritte im Dialog zwischen Rom und Konstantinopel

Vatikanische Delegation zum Andreas-Fest im Zweiten Rom am Bosporus

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VATIKAN, 1. Dezember 2003 (ZENIT.org).- Eine Delegation aus dem Vatikan hat am Sonntag dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. von Konstantinopel eine Botschaft von Papst Johannes Paul II. überbracht, denn das Patriarchat feiert das Hochfest des heiligen Andreas, des Erstberufenen unter den Aposteln. Der heilige Andreas ist Begründer und Patron des Throns von Konstantinopel.



Seit der Aufhebung der im Jahre 1054 ausgesprochenen Anathemata im Jahre 1965 findet jedes Jahr zu den jeweiligen Patronatsfesten des Alten und Neuen Roms, also am 29. Juni (Sankt Peter und Paul) und am 30. November, ein solcher brüderlicher Austausch von Delegationen statt.

In seiner Botschaft an den Ökumenischen Patriarchen hielt der Heilige Vater fest: "Diese Patrozinien geben uns die Möglichkeit, unserer Freude darüber Ausdruck zu verschaffen, dass wir Brüder sind und gemeinsame Ziele verfolgen. Beides soll gefördert und fortgesetzt werden, damit die Welt es deutlicher wahrnimmt".

Die vatikanische Delegation stand unter der Leitung des Präsidenten des Päpstlichen Rats zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Walter Kasper und dessen Sekretär, Bischof Brian Farrell, L.C., aus Irland.

"Die gegenseitige Teilnahme an den Patronatsfeiern sind vollkommener Ausdruck unseres Wunsches, untereinander eine Atmosphäre der Liebe und gegenseitigen Gebetsteilnahme zu schaffen, um dadurch unser Verlangen nach voller Gemeinschaft zu pflegen und zu vertiefen", sagte Papst Johannes Paul II. in seiner von Radio Vatikan am Sonntag teilweise veröffentlichen Botschaft.

Bischof Farrell sagte Radio Vatikan gegenüber, dieser Delegationsaustausch zwischen den Heiligen Stuhl und dem Ökumenischen Patriarchat "ist ein Anzeichen der steigenden Intensität, mit der man das Verlangen verspürt, die vom Herrn selbst gewünschte Einheit der Kirche wiederzufinden".

Die römische Delegation durfte darauf hinweisen, wie sehr sich "die katholischen Kirche gegenüber ihrer Geschwisterkirche wegen der jüngsten Attentate in der Stadt am Bosporus solidarisiert. Sie überbrachte die Zusicherung, dass der Papst für die Opfer betet und alle, die täglich in Angst leben müssen, Gott anempfiehlt".

Das Ökumenische Patriarchat, so Bischof Farrell, sei für den Heiligen Stuhl "weiterhin der offizielle Bezugspunkt zur Fortsetzung des theologischen Dialoges im Hinblick auf eine Aufwertung aller bilateraler Beziehungen mit den orthodoxen Kirchen, die dieses Jahr rasch eine sehr positive Richtung eingeschlagen haben".

Bischof Farrell unterstrich, dass der Dialog im Hinblick auf eine Einheit nicht "schleppend vorangeht". "Wir glauben, dass die objektiv bestehenden Schwierigkeiten überwindbar sind. Wir setzen den Weg des Dialoges fort, der im Leben steht und von der Liebe genährt wird".

Die seit Juli 1054 zwischen beiden Geschwisterkirchen übereinander verhängten Anathemata wurden 1965 aufgehoben. Dennoch haben Orthodoxe und Katholiken miteinander immer noch keine volle kirchliche und sakramentale Gemeinschaft erlangt.

Wir veröffentlichen die Erklärung des Vatikans im italienischen Wortlaut und den Text der Botschaft Papst Johannes Pauls II. im französischen Original in dieser Ausgabe als Dokumente.