Fortschritte und Stagnation in den Beziehungen zwischen Katholiken und Orthodoxen

Aufhebung der Exkommunikation, zwei Fragen blockieren Weg zur Einheit

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VATIKAN, 14. Oktober 2002 (ZENIT.org).- Die vom Zweiten Vatikanum angeregten Beziehungen im Dialog für die volle Einheit zwischen Orthodoxen und Katholiken fanden ihren höchsten Ausdruck in der Einrichtung einer internationalen gemischten Kommission zwischen katholischer Kirche und orthodoxer Kirche im Jahre 1979.



Erstes Ziel der von Papst Johannes Paul II. und dem Ökumenischen Patriarchen Demetrios I. von Konstantinopel ("primus inter pares" innerhalb der Orthodoxie) ist der theologische Dialog.

Wichtigstes Ereignis war 1965 die Begegnung zwischen Papst Paul VI. und Patriarch Athenagoras I. von Konstantinopel, die gemeinsam die Anathemata von 1054 aufhoben, welche in die Amtszeit von Papst Leo IX. und Patriarch Michael Kerroularios fielen und endgültig zum Morgenländischen Schisma geführt hatten.

Diese gemischte Kommission nahm ihre Arbeit 1980 auf und hat bisher fünf Dokumente ausgearbeitet, von denen drei (1990, 1991, 1993) die Frage der katholischen Ostkirchen betreffen, die mitunter auch abschätzig von orthodoxer Seite "Uniaten" genannt werden.

Bei der letzten Begegnung 1993 im libanesischen Balamand waren zehn orthodoxe Kirchen vertreten, unter anderem fehlte die Griechisch-Orthodoxe Kirche. Die Russisch-Orthodoxe Kirche hatte zwar das Dokument unterschrieben, lehnte es ab dann später ab, wie Radio Vatikan am Sonntag berichtete.

Bei der achten Begegnung vom 9- bis 19. Juli 2000 in Baltimore, USA kam der Dialog gerade wegen der Uniertenfrage ins Stocken.

Die von Kardinal Cassidy, damaliger Präsident des Päpstlichen Einheitsrates, und Erzbischof Stylianos von Australien als Vertreter des Patriarchates von Konstantinopel wurde ohne gemeinsames Dokument beendet.

Seitens der dem Papst gehorchenden Christen werden die Unierten Kirchen als "authentische Brücke" zwischen Ost und West betrachtet, was einige orthodoxe Kirchen etwas anders sehen und zwar sind für sie die etwas abschätzig genannten "Uniaten" eher ein ekklesiologisch fast unüberwindbares Hindernis.

Die katholischen Ostkirchen fielen in den ehemaligen kommunistischen Ländern der Verfolgung zum Opfer oder wurden der Orthodoxie zwangseinverleibt.

Ein weiteres Problem in Baltimore war der Primat des Papstes so wie er auf dem Ersten Vatikanum 1870 definiert wurde (Unfehlbarkeit).

In seiner 96. Enzyklika "Ut unum sint" (25. Mai 1995) spricht sich der Papst für einen brüderlichen Dialog zwischen Kirchenoberhäuptern und deren Theologen aus und bietet eine gemeinsame Suche nach neuen zeitgemäßen Formen der Ausübung des päpstlichen Primates an, einen Dialog, "in dem wir jenseits aller wenig fruchtbaren Polemiken nur den Willen Christi für seine Kirche beachten".