Fortschrittsgläubigkeit und Emanzipationsgeschichte im Trickfilm

Filmrezension: Die Croods

Berlin, (ZENIT.orgtextezumfilm) Dr. José García | 589 klicks

Mit einem Zeichentrick beginnt der Animationsfilm „Die Croods“. Die Off-Stimme von Eep (Original: Emma Stone, deutsch Janine Reinhardt) begleitet nicht nur diesen Vorspann, sondern zieht sich auch durch den ganzen, nach dem Prolog in Animation übergehenden Film. Die Croods sind die vermeintlich letzten Überlebenden in der Steinzeit, was die Familie den strengen Regeln von Vater Grug (Nicolas Cage/Uwe Ochsenknecht) verdankt: Die Höhle darf nur zur Nahrungsbeschaffung verlassen werden. Nach dem Motto „Neugierde ist schlecht“ unterbindet das Familienoberhaupt jeglichen Versuch, sich auf eigene Faust aus der dunklen Höhle zu schleichen. Fügen sich Grugs Frau Ugga (Catherine Keener) und ihr gemeinsamer Sohn Thunk (Clark Duke) widerspruchslos diesen einfachen Regeln, so hört die lebhafte Schwiegermutter Gran (Cloris Leachman) nie auf, Grug zu piesacken. Auch das temperamentvolle Baby Sandy muss immer wieder in die Schranken gewiesen werden. Zur Croods-Familie gehört auch die bereits erwähnte, rebellische Eep, die das Höhlenleben einfach langweilig findet und Abenteuer erleben möchte. Dies geschieht auch bald, als die Guy (Ryan Reynolds/ Kostja Ullmann) kennenlernt. Der junge Mann mit den selbstgemachten, von einem Klammeraffen gehaltenen Hosen statt Tierfell, der solch unbekannte Dinge wie Feuer und Schuhe machen kann, erschüttert das Weltbild der prähistorischen Familie gewaltig. Guy ist davon überzeugt, dass die bekannte Welt dem Untergang geweiht ist, und nur der von ihm „Morgen“ genannte Ort Rettung verheißt. Nicht nur Eep, die sich bald in Guy verliebt hat, möchte dem Jungen folgen. Auch fast die ganze Familie Crood zeigt sich offen für Guys Ideen. Nur Grug ist davon wenig begeistert.

Der neue Animationsfilm aus dem Hause „Dreamworks“ besticht insbesondere durch die dynamische Animation, die sich als eine Fortführung von „Drachenzähmen leicht gemacht“ (siehe Filmarchiv) ausnimmt: Die Kamera von Yong Duk Jhun, der bereits die „Dreamworks“-Filme „Kung Fu Panda“ (2008) und „Für immer Shrek“ (2010) fotografiert hatte, arbeitet insbesondere bei den Verfolgungsjagden wie eine Handkamera bei Realverfilmungen, die ganz schnelle Bewegungen einfängt. Darüber hinaus stimmt die Animation bis in die kleinsten Details. Sie wird durch eine regelrechte Sintflut an prähistorischen Tier- und Pflanzenarten sowie durch immer wiederkehrende, auf das Konto des Klammeraffen und der streitbaren Schwiegermutter gehende Lachnummern ergänzt.

Abgesehen von einer schlichten Fortschrittsgläubigkeit – Grugs Konservatismus führt in den Untergang, nur die Offenheit Guys für neue Ideen kann die Menschheit retten – behandelt „Die Croods“ in der Emanzipationsgeschichte einer jungen Frau genau das gleiche Thema wie der letzte Pixar-Film „Merida – Legende der Highlands“ (siehe Filmarchiv). Obwohl sich die Figur eines Vaters, der nicht akzeptiert, dass sich die Tochter in einen Jungen verliebt, nicht gerade originell ausnimmt, überzeugt die Bedeutung, die „Die Croods“ der Familie zuschreibt.