Fragen von Gläubigen zur Liturgie: auch das Blut Christi zur Anbetung ausstellen?

Liturgiker antwortet

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ROM, Donnerstag, 12. Mai 2011 (Zenit.org).-  Fragen von Gläubigen beantwortet in der folgenden Reihe Pater Edward McNamara LC, Professor für Liturgie am päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“ in Rom.

Frage: Während der Abendmesse am Gründonnerstag konsekriert mein Gemeindepriester neben dem Wein für die Messefeier auch Wein, der sich in einem durchsichtigen Glasbehälter befindet und anschließend zum Anbetungsaltar getragen wird. Darauf stellt er eine Monstranz mit der geweihten Hostie zusammen mit diesem durchsichtigen Glasbehälter, der das konsekrierte kostbare Blut enthält. Er stellt diese hoch über dem Altar (ca. 3 Meter hoch), so dass jeder sie sehen und anbeten kann. Glauben Sie, dass es liturgisch korrekt ist, das kostbare Blut in einen Glasbehälter zu füllen? Der Priester geht in einer Prozession vom Hauptaltar, wo die Messe gefeiert wurde, zu dem Altar der Aufbewahrung, dabei schreitet er sehr langsam voran, damit kein Blut aus dem Glasbehälter auf den Boden vergossen wird. Ich persönlich empfinde diese ganze Sache eher als Show und weniger als eine Achtung vor der Eucharistie. Ich bitte um Ihre Meinung dazu.- JB, Malta

Antwort: Der heutige „Follow-up“ steht auch im Zusammenhang mit diesem Thema, zu dem wir ein Schreiben des Vatikans zitieren, das ausdrücklich die Exposition in einer Monstranz am Gründonnerstag verbietet. Dort heißt es: „Das Heiligste Sakrament sollte in einem geschlossenen Tabernakel oder einer Pyxis aufbewahrt werden. Unter keinen Umständen darf sie in einer Monstranz ausgestellt werden.“

Daraus folgt logischerweise, dass die „Exposition“ des kostbaren Blutes weder am Gründonnerstag noch an einem anderen Tag des Jahres in Betracht gezogen wird. In besonderen Fällen ist es erlaubt, kurzzeitig eine kleine Menge des Blutes unseres Herrn zurückzubehalten, um sie denjenigen zu bringen, die aufgrund ihrer Krankheit die Gestalt des Brotes nicht zu sich nehmen können. Ansonsten ist die Aufbewahrung des konsekrierten Weines nie erlaubt und er muss nach der Kommunion vollständig genossen werden.

Von daher stellen beide Ausstellungsformen am Gründonnerstag einen Missbrauch dar und der Bischof sollte darüber ordnungsgemäß informiert werden.

Daneben kommt es auch zu anderen Verstößen bei dieser Ausübung, die mit der Art, der Qualität und dem Material des heiligen Gefäßes in Beziehung bestehen, die zu diesem Zweck verwendet werden. Die Instruktion „Redemptionis Sacramentum“ expliziert die in dieser Hinsicht geltenden Vorschriften:

Nummer 106: „Es ist jedoch gänzlich zu vermeiden, dass das Blut Christi nach der Wandlung aus einem Gefäß in ein anderes gegossen wird, damit nichts passiert, was diesem so großen Mysterium unangemessen ist. Um das Blut des Herrn aufzunehmen, dürfen niemals Flaschen, Krüge oder andere Gefäße verwendet werden, die den festgesetzten Normen nicht voll entsprechen.“

Nummer 117: „Die sakralen Gefäße, die zur Aufnahme des Leibes und Blutes des Herrn bestimmt sind, müssen streng gemäß der Norm der Tradition und der liturgischen Bücher hergestellt werden. Den Bischofskonferenzen ist die Befugnis gegeben, darüber zu entscheiden, ob es angebracht ist, dass die sakralen Gefäße auch aus anderen festen Materialien angefertigt werden. Diese Entscheidung bedarf der Rekognoszierung durch den Apostolischen Stuhl. Es wird jedoch streng gefordert, dass diese Materialien gemäß dem allgemeinen Empfinden des jeweiligen Gebietes wirklich edel sind, sodass durch ihre Verwendung dem Herrn Ehre erwiesen und gegenüber den Gläubigen jede Gefahr vermieden wird, die Lehre über die wirkliche Gegenwart Christi in den eucharistischen Gestalten abzuschwächen. Daher ist jedweder Brauch zu verwerfen, zur Messfeier gewöhnliche Gefäße, Gefäße mit schlechter Qualität, Gefäße ohne jeden künstlerischen Wert, einfache Körbe oder andere Gefäße aus Glas, Ton, Lehm oder anderen leicht zerbrechlichen Materialien zu verwenden. Dies gilt auch für Metalle und andere Materialien, die leicht unbrauchbar werden.

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Follow-up: Verknüpfung der Stationen und Liturgie des Leidens

Ein Leser aus Kasachstan bat um Klarstellung zu einem Punkt in unserem Artikel vom 19. April über den Gründonnerstag: „Sie schreiben, dass die eucharistische Anbetung in einer Monstranz am Gründonnerstag gänzlich verboten ist. In welchem Dokument kann man dieses Verbot nachlesen? Niemand glaubt mir, wenn ich sage, dass es nicht erlaubt ist, und in ganz Europa habe ich die eucharistische Anbetung in der Monstranz bis Mitternacht gesehen, und wenn die Monstranz dann um Mitternacht verschleiert wird, dauert die Anbetung noch bis zum Morgen. Auch weiß ich nicht genau, was ich von dem Artikel eines Priesters halten soll, worin er schreibt, dass der Heilige Vater sagte, dass die eucharistische Anbetung ein Teil des Gründonnerstags sei. Wie gehört das zusammen?”

Neben den Rubriken ist diese Norm in mehreren Dokumenten enthalten. Zum Beispiel in dem RundschreibenÜber die Feier von Ostern und ihre Vorbereitung“ herausgegeben von der Kongregation für den Gottesdienst im Jahr 1988 heißt es in der Nummer 55: „Das heiligste Sakrament sollte in einem geschlossenen Tabernakel oder einer Pyxis aufbewahrt werden. Unter keinen Umständen darf sie in einer Monstranz ausgestellt werden.“

Zweitens zitiert der oben genannte Artikel eine vor Kurzem gehaltene Predigt des Papstes richtig, in dem der Heilige Vater davon sprach, dass der Gründonnerstag „mit der eucharistischen Anbetung endet, in Erinnerung an die Agonie des Herrn im Garten Getsemani.“

Es besteht absolut kein Widerspruch, weil die eucharistische Anbetung nicht gleichbedeutend mit der Exposition in der Monstranz ist. Christus wird im Tabernakel und in der Pyxis gleichermaßen verehrt wie in der Monstranz. Die Anbetung in der Monstranz verhilft den Anbetern, sich auf das eucharistische Geheimnis zu konzentrieren, aber dadurch ist die Anbetung nicht wesentlich verschieden von der Verehrung, die unserem Herrn im Tabernakel dargebracht wird.

Die Anbetung in der Monstranz mündet in der Regel in die freudige Erfahrung des eucharistischen Segens, während es im Fall des Gründonnerstags im Wesentlichen darum geht, den Herrn in seinem Leiden zu begleiten und aus diesem Grund wird kein Segen erteilt.

Diese Anordnung, die eine feierliche Verehrung nach Mitternacht verbietet, bedeutet, dass es keine weiteren gemeinsamen Gebete mehr am Aufbewahrungsaltar geben soll, sobald der Karfreitag beginnt. Dies schließt jedoch das persönliche Gebet und die persönliche Anbetung am Aufbewahrungsaltar nicht aus. Diese können bis zum Beginn der Feier des Leidens am Karfreitag fortgesetzt werden.

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Leser können ihre Fragen an liturgy@zenit.org senden. Bitte schreiben Sie das Wort „Liturgie“ in das Feld „Betreff“. Der Text sollte auch ihre Initialen, ihre Stadt und ihr Land enthalten. Pater McNamara kann nur eine geringe Anzahl der großen Zahl der eingehenden Fragen beantworten.

[Übersetzung aus dem Englischen von Iria Staat]