Frankreich: Hélène Zemmour zur Gerechten der Völker erhoben

Mehr als 3000 Franzosen werden in Yad-Yashem geehrt

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ROM,  24. November 2009 (ZENIT.org) – Die Französin Hélène Zemmour wurde am vergangenen Sonntag posthum, mit der Medaille einer „Gerechten der Völker“ ausgezeichnet. Die Feier, die in Gegenwart ihrer Kinder und der Familie Georges und Jeannine Mendelsweig, beide Überlebende des Zweiten Weltkriegs, stattfand wurde im Rathaus von Saint-Florent-sur-Cher, im Kreis Bourges, ausgerichtet, wie Patrick Martinat im ""Le Berry" schreibt. 

Seit 1963 vergibt das Yad Vashem Institut in Jerusalem den Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ an Helden und Heldinnen, die während des Holocaust ihr Leben einsetzten, um Juden selbstlose Hilfe zu leisten.

Die feierliche Vergabe der Medaille und Ehrenurkunde an Hélène Zemmour, die am 11. November 2004 verstorben ist, bedeutet auch, dass ihr Name  auf einer Tafel in dem Garten der Gerechten in Jerusalem verewigt wird, zu dem schon 3000 Franzosen gehören. Gleichzeitig wird er auf das Shoa-Denkmal in Paris eingraviert.

Joseph und Léa Mendelsweig kamen zu Beginn des letzten Jahrhunderts aus Polen nach Paris. Joseph ist Kürschner. Seine beiden Kinder, Léon und Jacques wurden in Polen geboren. Zwei weitere kamen in Paris zur Welt, Maurice, wurde in Paris am 29. Dezember 1906 geboren.

Roger Kissel, Jahrgang 1871, und Sarah Katz kamen gleichzeitig mit Adolphe aus Polen. Kissel ist Schumacher. In Paris werden zwei seiner Kinder geboren, Fanny und Esther.

Im Juli 1942, treten Maurice Mendelsweig und seine Frau Fanny, geborene Katz, deren beiden Söhne Georges, geboren 1931, und Jeanine, geboren 1937, die in Villiers-sur-Marne die Schule besucht haben, eine Reise ohne Rückkehr von Drancy nach Auschwitz an. Dort werden sie am 25. September 1942 grausam ermordeet.

Kissel Katz, der Vater von Fanny, wird mit 71 Jahren ebenfalls nach Auschwitz deportiert. Nach der brutalen Verhaftung seiner Eltern werden die Kinder Georges, der 1943 gerade dreizehn Jahre alt ist und seine Schwester Jeannine, die seiben Jahre alt ist zu einer katholischen Familie in Villiers-sur-Marne, geschickt, wo sie bis zum Sommer 1943 bleiben konnten. Ihr Onkel, Jacques Mendelsweig, der sich in Paris versteckt hielt, hatte das organisiert. Als die Lage sich verschlimmert, entscheidet ihr Onkel Jacques, dass seine Mutter, Léa und seine Kinder weg aus Paris in den Süden Frankreichs in Sicherheit gebracht werden sollen.

 Léa Mendelsweig wohnte in der Ferme-Saint-Lazare in Paris im 10. Bezirk. Mit Hilfe von Freunden, den Penvernes, kann der Kontakt zur jüngeren Cousine Helène Zemmour, aufgebaut werden, die ihr 5. Kind erwartet.

<>Hélène wohnt in Massœuvre, in der Nähe von Saint-Florent-sur-Cher im Landstrich von Berry. Hélène, geborene Cornu, ist mit Charles Zemmour, verheiratet, der Mitglied der französischen Widerstandsbewegung ist. Im Herbst 1943, kommen Léa und ihre beiden Kinder in Massœuvre an, Jacques Mendelzweig hatte alles so arrangiert.     

"Hélène Zemmour war warm und voller Leben, sie behandelte alle so großzügig, als wären sie Mitglieder ihrer Familie. Helen und Lea wuchsen in Freundschaft zusammen. Beide Kinder halten diese Zeit in sehr guter Erinnerung", heißt es auf der Webseite der Gedenkstätte.

"Meine Mutter hatte mich als Fünfte meiner Familie in die Welt gesetzt. Mein Vater arbeitete in der Nähe von Clermont-Ferrand im Widerstand", erklärte Yves Zemmour gegenüber "Berry". In Massoeuvre lebten sie in drei Unterkünften: "George, Jeannine Lea mussten ejden Abend durch den Garten zu Louis Martin, dem ehemaligen kommunistischen Bürgermeister von Saint-Florent, um dort zu schlafen", betreib der doch ein Café im Dorf.

Jedesmal, wenn Hélène Zemmour vor einer Kontrolle durch Polizei oder Gendarmerie gewarnt wird, steckte Louis Martin ihn in das Boot seines Vaters, so blieb er in den Wäldern verborgen, bis die Gefahr vorüber war.

In Massœuvre weiß das ganze Dorf, dass Großmutter und Enkel bei Zemmours sind, aber niemand spricht darüber.

George denkt zurück an Hélène Zemmour: "Trotz aller Erinnerungen an diese wunderbare Frau, die uns gerettet hat, verloren wir dann den Kontakt zu ihr. Dann schrieb ich ein Buch voller Erinnerungen für meine Kinder. So bin ich 1998 wieder zu Hélène Zemmour gegangen und seitdem rief sie regelmäßig an. Ich wollte sie einmal nach Paris zu bringen, eine Stadt, die sie nicht kannte. Aber sie war schon zu alt dazu".

Das Buch voller Erinnerungen wird einen entscheidenden Einfluss haben: Seine jüngste Tochter, Sandrine, hat die Idee Helen Zemmour jene Würdigung zukommen zu lassen, die ihr zusteht.

Von Anita S. Bourdin. Aus dem Französischen übersetzt von Angela Reddemann.