Franz Jägerstätter (1907-1943)

Kriegsdienstverweigerer, Märtyrer und Seliger

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 317 klicks

Franz Jägerstätter wurde am 20. Mai 1907 in St. Radegund bei Linz geboren. Er erhielt eine religiös geprägte Erziehung.

Als junger Mann arbeitete er von 1927 bis 1930 im Erzbergwerk in Eisenerz, wo es ihm aber nicht gelang, seine Bestimmung zu finden. Einen wichtigen Wendepunkt in seinem Leben stellte die Ehe mit Franziska Schwaninger dar. Aus einer unehelichen Beziehung hatte er bereits eine kleine Tochter. Das junge Ehepaar war tief religiös. Seine Frau erklärte später: „Wir haben einer dem anderen weiter geholfen im Glauben.“ „Ich habe mir nie vorstellen können, dass Verheiratetsein so schön sein kann“, kommentierte Franz Jägerstätter ihre Ehe, aus der drei Töchter hervorgingen.

Als 1938 die Nationalsozialisten in Österreich die Macht übernahmen, widersetze sich Jägerstätter von Anfang an jeder Zusammenarbeit. Für ihn war die Politik der Nationalsozialisten mit den Werten des christlichen Glaubens nicht vereinbar.

1940 wurde er zum Militärdienst einberufen. Zweimal wurde er mit Hilfe der Gemeinde als unabkömmlich eingestuft. Als ihn der dritte Einberufungsbefehl erreichte, wollte er diesem auf keinen Fall Folge leisten. Er konnte es mit seinem Gewissen nicht vereinbaren, Menschen zu töten und das NS-Regime zu unterstützen. Um Hilfe zu erbitten, suchte er sogar das Gespräch mit dem Linzer Diözesanbischof Joseph Calasanz Fließer.

Am 1. März 1943 meldete sich Jägerstätter zwar auf die Einberufung bei seiner Stammkompanie in Enns, aber verweigerte aus religiösen Gründen strikt den Dienst an der Waffe. Er wurde verhaftet und in das Wehrmachts-Untersuchungsgefängnis im Linzer Ursulinenhof verbracht. Anfang Mai wurde er in das Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis Berlin-Tegel verlegt und sein Gesuch, zum Sanitätsdienst zugelassen zu werden, abgelehnt.

Aus der Haftzeit sind Briefe und Aufzeichnungen Jägerstätters überliefert, darunter auch die sehr kritisch hinterfragenden 10 (11) Fragen: „1. Wer gibt uns die Garantie, dass es nicht im geringsten mehr sündhaft ist, einer Partei beizutreten, deren Bestreben es ist, das Christentum auszurotten? 2. Wann hat das kirchliche Lehramt die Entscheidung und Gutheißung gegeben, dass man jetzt alles tun und befolgen darf, was die Nationale Partei oder Regierung uns befiehlt oder von uns wünscht? 3. Wenn das alles jetzt für recht und gut befunden wird, wenn man der d. Volksgemeinschaft als Mitglied abgehört, für sie sammelt oder opfert, muss nicht dann jedes, das da nicht mittut, für schlecht oder ungerecht erklärt werden, denn beides kann doch nicht gut sein? 4. Welcher Katholik getraut sich, diese Raubzüge, die Deutschland schon in mehreren Ländern unternommen hat und noch immer weiterführt, für einen gerechten und heiligen Krieg zu erklären? 5. Wer traut sich zu behaupten, dass vom deutschen Volk in diesem Kriege nur einer die Verantwortung trägt, weshalb mussten dann noch so viele Millionen Deutscher ihr 'Ja' oder 'Nein' hergeben? 6. Seit wann können auch die Verführten, welche ohne Reue und Besserung ihrer begangenen Sünden und Fehler, die sie durch Verführung begangen haben, dahinsterben, denn auch in den Himmel kommen? 7. Warum feiert man die Kämpfer für den Nationalsozialismus heute auch in den Kirchen Österreichs als Helden? Hat man denn nicht solche bei uns vor fünf Jahren noch völlig verd...? 8. Wenn also die deutschen Soldaten, die im Kampfe für den nationalsozialistischen Sieg ihr Leben lassen müssen, für Helden und Heilige erklärt werden können, um wieviel besser muss es dann noch für die Soldaten in den anderen Ländern bestellt sein, die von den Deutschen überfallen wurden und hinausziehen um ihr Vaterland zu verteidigen, kann man da den Krieg noch als Strafe Gottes ansehen, ist es dann nicht besser, zu beten, dass der Krieg fortdauere bis ans Ende der Welt, als zu beten, dass er bald aufhöre, wenn doch so viele Helden und Heilige daraus hervorgehen? 9. Wie kann man denn heute seine Kinder noch zu Katholiken erziehen, wenn man ihnen auch das, was früher schwer sündhaft war, für gut oder wenigstens nichts Sündhaftes erklären soll? 10. Warum soll denn jetzt das für gerecht und gut befunden werden, was die Masse schreit und tut? Kann man jetzt auch glücklich ans andere Ufer gelangen, wenn man sich stets wehrlos vom Strom mitreißen lässt? 11. Wer bringt es fertig, zu gleicher Zeit Soldat Christi und Soldat für den Nationalsozialismus zu sein, für den Sieg Christi und seiner Kirche und zugleich auch für den Nationalsozialistischen Sieg zu kämpfen?“ (Quelle: Franz Jägerstätter: Gefängnisbriefe und Aufzeichnungen, Erna Putz (Hg.), Passau – Linz, Veritas Verlag, 1987, 177f).

Am 6. Juli 1943 wurde Franz Jägerstätter zum Tod verurteilt. In der Begründung des Reichskriegsgerichtsurteils heißt es, „dass er auf Grund seiner religiösen Einstellung den Wehrdienst mit der Waffe ablehne, dass er gegen sein religiöses Gewissen handeln würde, wenn er für den nationalsozialistischen Staat kämpfen würde; ... er könne nicht gleichzeitig Nationalsozialist und Katholik sein; ... es gebe Dinge, wo man Gott mehr gehorchen müsse als den Menschen; auf Grund des Gebotes ‚Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst‘ dürfe er nicht mit der Waffe kämpfen. Er sei jedoch bereit, als Sanitätssoldat Dienst zu leisten.“ Franz Jägerstätter wurde am 9. August 1943 enthauptet.

Das Todesurteil wurde am 7. Mai 1997 aufgehoben. Im selben Jahr wurde der Seligsprechungsprozess eingeleitet. Am 1. Juni 2007 wurde das Martyrium Jägerstätters vom Vatikan bestätigt. Seine Seligsprechung erfolgte am 26. Oktober 2007 im Linzer Mariendom.

Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz und Bischof Dr. Manfred Scheuer erklärten zur Seligsprechung: „Die Kirche erkennt damit ausdrücklich die Haltung dieses gläubigen Mannes an, der sehr wohl auch uns Heutigen etwas zu sagen hat. Das Gedenken an Franz Jägerstätter steht in einem mehrfachen Beziehungsrahmen: zu seiner Frau, zu seinen Kindern und zu seiner Familie, kirchlich zu seiner Seligsprechung, zu Fragen der Heiligkeit und des Martyriums, gesellschaftlich und politisch in Auseinandersetzung mit der Kriegsvergangenheit, mit der Kriegsgeneration, mit der Unmenschlichkeit und dem Terror der Nationalsozialisten, ethisch und pädagogisch mit den Themen von Krieg und Kriegsdienstverweigerung, Gewaltfreiheit, Friedenserziehung und Abrüstung, von Obrigkeit, Gewissen und Gehorsam.

Franz Jägerstätter ist ein Prophet mit einem Weitblick und Durchblick, wie ihn damals die wenigsten seiner Zeitgenossen hatten; er ist Vorbild in der Treue zum Gewissensanspruch, Anwalt der Gewaltlosigkeit und des Friedens, Warner vor Ideologien; er ist ein gläubiger Mensch, dem Gott wirklich Mitte und Zentrum des Lebens war. Sein prophetisches Zeugnis für die christliche Wahrheit beruht auf einer klaren, radikalen und weitsichtigen Analyse der Barbarei des menschen- und gottverachtenden Systems des Nationalsozialismus, dessen Rassenwahn, dessen Ideologie des Krieges und der Staatsvergottung wie dessen erklärten Vernichtungswillen gegenüber Christentum und Kirche. Aus einem gebildeten und reifen Gewissen heraus hat er ein entschiedenes Nein zum Nationalsozialismus gesagt und ist wegen seiner konsequenten Weigerung, in Hitlers Krieg als Soldat zu kämpfen, hingerichtet worden.“

Viele weiterführende Informationen können der Homepage zu Franz Jägerstätter der Katholischen Kirche in Oberösterreich entnommen werden.