Franz Stock (1904-1948)

Ein Leben für die Völkerverständigung

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 264 klicks

Franz Stock wurde am 21. September 1904 in Arnsberg geboren. Er wuchs in einer kinderreichen Familie auf und schloß sich in seiner Jugend katholischen Jugendgrupen an. Nach dem Abitur im Jahr 1926 studierte er bis 1932 Theologie in Paderborn und in Paris. 1932 folgte seine Priesterweihe. Im Anschluß war Stock zunächst als Seelsorger und dann als Vikar in Dortmund tätig. Da der Gemeinde viele polnische Mitglieder angehörten, erlernte er die polnische Sprache. Seine Französischkenntnisse kamen Stock 1934 zugute, als er zum Rektor der deutschen Gemeinde in Paris ernannt wurde. Zu den seelsorgerischen und sozial-karitativen Aufgaben umfasste die Gemeindearbeit auch die Betreuung politischer Flüchtlinge aus Deutschland. Im September 1939 verließ Stock Paris, kehrte aber bereits im Juni 1940 nach der Besetzung von Paris durch die Deutsche Wehrmacht wieder zurück. Zu seinen Tätigkeiten zählte nun auch die Seelsorge in den Gefängnissen der Wehrmacht, wo er die zum Tode verurteilten Gefangenen betreute und unzähligen Erschießungen beiwohnen musste.

Im August 1941 äußerte er: „Oft meine ich, ich kann nicht mehr. Ich mache hier so schreckliche Erfahrungen, dass ich nicht schlafen kann.“ Jean Marie Kardinal Lustiger führte dazu bei seiner Ansprache am 1. März 1998 in Chartres aus: „Abbé Stock hat immer sein Heimatland genau so sehr geliebt wie er Frankreich liebte. Als deutscher Seelsorger für die französischen Gefängnisse in Fresnes und Cherche-Midi wollte er der Bruder der französischen Geiseln und Widerstandskämpfer werden, die dort gefangen und hingerichtet wurden. Viele sahen ihn als ihren Bruder an, egal ob sie katholisch oder gläubig oder gar nichts waren.“

Nach der Befreiung von Paris 1944 blieb Stock dort und kümmerte sich um die Versorgung verwundeter deutscher Soldaten. 1945 geriet er in amerikanische Gefangenschaft und wurde nach Cherbourg gebracht.

Trotz seines schwer angeschlagenen Gesundheitszustandes war Franz Stock Mitgründer eines Priesterseminars, das mit Hilfe der französischen Regierung und des apostolischen Nuntius Giuseppe Roncalli, des späteren Papstes Johannes XXIII., ins Leben gerufen wurde. Johannes XXIII. äußerte über Stock: „Abbé Franz Stock, das ist nicht nur ein Name, das ist ein Programm.“ Von Orléans wurde das Seminar noch im selben Jahr nach Chartres verlegt, und alle in französischer Gefangenschaft befindlichen Geistlichen wurden dorthin verbracht. 1947 wurde das „Stacheldrahtseminar“ aufgelöst. Franz Stock kehrte nach Paris zurück. Er starb überraschend am 24. Februar 1948. Seine sterblichen Überreste ruhen seit 1963 in Chartres.

Erzbischof Hans-Josef Becker erklärte bei der Eröffnung des Seligsprechungsverfahrens von Franz Stock im Jahr 2009: „Unermüdlich und unerschrocken folgte Franz Stock seiner Berufung in die Nachfolge Jesu Christi. Abbé Franz Stock hat sich als Arzt der Seelen, als ‚Seel-Sorger' im wahrsten Sinne des Wortes, ohne Rücksicht auf seine eigenen Bedürfnisse und Kräfte buchstäblich aufgeopfert."