Franziskaner mit Maria zur Evangelisierung der Welt

Das Charisma der Franziskanerbrüder von der Immaculata

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Von Antonio Gaspari

ROM, 29. Februar 2012 (ZENIT.org). – Sie vereinen das Charisma des heiligen Franziskus von Assisi mit der Verehrung der Immaculata. Einer ihrer Bezugspunkte ist der heilige Maximilian Kolbe. Sie wurden durch einen geistlichen Sohn von Pater Pio gegründet. Sie bezeugen mit ihrem Leben das Evangelium und versuchen, die Liebe zu Christus zu entzünden, wie es der heilige Franziskus tat. Sie sind vor allem an marianischen Wallfahrtsorten tätig.

Wir sprechen von den Franziskanerbrüdern von der Immaculata, einer Ordensgemeinschaft, die im Jahr 1970 entstanden und stetig am Wachsen ist.

Um sie besser kennenzulernen, hat ZENIT ein Interview mit Pater Alfonso M. A. Bruno geführt, dem Leiter des Kommunikationsbüros der Franziskanerbrüder von der Immaculata.

ZENIT: Wer sind die Franziskanerbrüder von der Immaculata?

Pater Alfonso: Wir sind eine Ordensgemeinschaft päpstlichen Rechts. Unsere Ursprünge als Zweig der jahrhundertealten franziskanischen Pflanze haben tiefe Wurzeln, aber unsere Gründung ist relativ jung. 

ZENIT: Wann sind sie entstanden? Warum? Mit welchem Charisma? Was tun sie?

Pater Alfonso: Am zweiten August 1970 erbat der Franziskaner-Konventuale P. Stefano M. Manelli, ein geistlicher Sohn von P. Pio von Pietrelcina, die Erlaubnis, ein Leben zu beginnen, das wieder näher den Ursprüngen des heiligen Franziskus folgen sollte, mit derselben Armut und derselben Buße, die heute wieder gelebt werden sollen, und erhielt sie von seinen höheren Oberen. Einer der baufälligsten und isoliertesten Konvente in Frigento in den Bergen von Irpinia wurde dafür ausgewählt. Das Zweite Vatikanische Konzil hatte die Ordensleute zu einer Rückkehr zu den Quellen aufgefordert. P. Manelli sah in seiner Initiative eine entsprechende und wirksame Antwort der Kirche auf die damalige Eiszeit bezüglich der Berufungen und auf die achtundsechziger Revolution. Es bedurfte einer Erneuerung des Ordenslebens, die das Gründercharisma mit den Bedürfnissen einer sich verändernden Gesellschaft verbinden sollte.

Paul VI. sagte damals, dass die Welt mehr der Zeugen als der Lehrer bedürfe. Als Vorbild für ein erneuertes franziskanisches Leben diente das Leben des heiligen, polnischen Franziskaners Maximilian Kolbe, der dafür bekannt ist, dass er sein Leben angeboten hatte, um einen Familienvater zu retten, der in Auschwitz zum Tode verurteilt gewesen war. P. Kolbe war nämlich auch und vor allem der Gründer der „Städte der Immaculata“, das heißt der Konventualen-Klöster, in denen die Brüdergemeinschaften die Kenntnis über die Immaculata und ihre Verehrung in organisierter Form vorantrieben, vor allem durch die Medien, für deren Nutzung im kirchlichen Bereich der polnische Märtyrer ein prophetischer Vorläufer war. Im Jahr 1990 wurde die Lebensgemeinschaft des „Marianischen Hauses“ von Frigento auf Wunsch von Johannes Paul II., der uns und unserem marianischen und franziskanischen Ideal immer nahe stand, kirchenrechtlich anerkannt und zum Ordensinstitut erhoben.

Wir führen ein gemeinschaftliches Leben in Gebet,  Armut und Buße und missionarischem Einsatz im Geist der völligen Weihe an die Immaculata. Wir verpflichten uns kraft eines Gelübdes, das wir „marianisch“ nennen, zur Nachahmung der Gottesmutter im Sein und im Handeln. Es geht darum, in unserem Leben und in unseren Beziehungen zum Nächsten die Tugenden Mariens zu verwirklichen, die Ordensgelübde durch das Beispiel Mariens zu erleuchten und wie sie Christus der Welt anzubieten, durch ein Apostolat, das uns auch in die Sendung „ad gentes“ in den entlegensten und schwierigsten Ländern einbezieht. Im Hinblick auf die Tätigkeit vertiefen wir neben der Arbeit im Bereich der sozialen Kommunikationsmittel durch Studien, Tagungen und Veröffentlichungen die theologische Forschung und betreuen seelsorglich verschiedene marianische Wallfahrtsorte auf der Welt.

ZENIT: Welche Beziehung besteht zwischen Franziskus und der Unbefleckten Empfängnis?

Padre Alfonso: Der Franziskanerorden ist in S. Maria degli Angeli in Porziuncola in Assisi  entstanden. Es ist ein anregender Ort, der die tiefe geistliche Verbindung zwischen dem Seraphischen Vater und der Muttergottes offenbart. Der heilige Franziskus richtete wunderschöne Lobgesänge an die Madonna; er erwählte sie zur „Fürsprecherin“ des Ordens; vor allem seine mystische Intuition brachte ihn dazu, ihr den neuartigen Titel einer „Jungfrau, Kirche geworden“ zu verleihen. Eingedenk dieses geistlichen Erbes haben die Söhne des Seraphen das Geheimnis Mariens immer tiefer ausgelotet. Der selige Johannes Duns Scotus verteidigte bereits im vierzehnten Jahrhundert die Tatsache der Unbefleckten Empfängnis Mariens. Seitdem war der Einsatz für die dogmatische Definition dieses marianischen Privilegs wie ein roter Faden, der die Geschichte des Franziskanertums von den Ursprüngen bis heute geführt hat. Der heilige Maximilian Maria Kolbe ist vielleicht der höchste Ausdruck eines franziskanischen und marianischen Heiligen, weil er sich sein Leben lang darum sorgte, die Immaculata durch die Presse, die Verkündigung und die Mission „ad gentes“, die ihn auch für sechs Jahre in Japan engagiert sah, bekannt zu machen. Dort legte P. Kolbe zusammen mit seinen Brüdern erstmals das Gelübde der unbegrenzten Weihe an die Immaculata ab. Es ist für uns das entscheidende Gelübde unserer Lebensform, die von der Kirche als franziskanisch und marianisch, oder wir könnten auch sagen „kolbianisch“, anerkannt worden ist.

ZENIT: Wie viele Franziskaner der Immaculata gibt es heute in der Welt, und wo sind sie?

Pater Alfonso: Seit P. Stefano Manelli, der in P. Gabriele M. Pellettieri den ersten Gefährten in der Erfahrung von Frigento (AV) fand, haben wir heute dank einer außerordentlichen Blüte an Berufungen ungefähr fünfhundert Mitglieder erreicht, eine Anzahl, die auch unsere Schwestern erreichen. Jahr für Jahr haben wir Häuser auf allen fünf Kontinenten eröffnet. Unsere Konvente nennen sich „marianische Häuser“. Wir haben circa dreißig davon in Italien, von Nord nach Süd; außerdem sind wir in europäischen Ländern wie Frankreich, Österreich, Großbritannien, Polen und Portugal.

Auf den Philippinen haben wir sechs Häuser, fünf in den USA, zwei in Benin, Nigeria, Brasilien, Kasachstan und Australien, eins in Argentinien, Indien, Kamerun und im Tschad.

ZENIT: Der Heilige Vater, Benedikt XVI., hat ein Jahr des Glaubens einberufen und dazu aufgefordert, sich in der Neuevangelisierung zu engagieren. Auf welche Weise denkt Ihr Orden, auf den Aufruf des Papstes zu antworten?

Pater Alfonso: In Treue zu unserem Charisma und unserer Berufung, aufmerksam für die Anweisungen des Lehramtes und die Aufforderungen des Heiligen Vaters, werden wir die Glaubenslehre vertiefen und sie durch das Wort und das Beispiel des Lebens vorstellen. Junge Menschen aus allen Teilen der Welt, die jedes Jahr alles verlassen, um dem keuschen, armen und gekreuzigten Christus nachzufolgen und den Franziskanerhabit anziehen, zusammen mit anderen jungen Menschen, die im selben Jahresrhythmus das Weihesakrament empfangen, sind das schönste Zeugnis des Glaubens und der Lebendigkeit des Ordenslebens. Es ist ein Zeichen der Hoffnung für die Welt und die Frucht eines echten und theologalen Glaubens. Wir werden uns vor allem bei der Erneuerung des Glaubens im Volk Gottes engagieren, indem wir unser Gebet um neuen Schwung bei seiner Übermittlung an die neuen Generationen verstärken. Schließlich denke ich an unser Engagement für die Neuevangelisierung mit erneuerter Treue und Großmut gegenüber dem Papst, für eine gesunde Lehre und eine karitative Tätigkeit gegenüber den Bedürftigsten, besonders in den ärmsten Ländern, in denen wir präsent sind.

ZENIT: Wir befinden uns in der Fastenzeit, in der Zeit der Umkehr. Was empfehlen die Franziskaner von der Immaculata?

Pater Alfonso: Die Seligpreisungen Jesu sind die Zusammenfassung der Neuheit der Botschaft Christi und unserer Haltung als seine Jünger. Wir sind zu den leiblichen und geistlichen Werken der Barmherzigkeit aufgerufen. Die Fastenzeit ist die bevorzugte Zeit der Umkehr und der Versöhnung mit dem Herrn. Wir empfehlen eine aufrichtige und demütige Beichte, mit Vorsätzen für ein neues Leben und eine Intensivierung des sakramentalen Lebens durch die Eucharistie, die würdig zu empfangen und tief anzubeten ist. Außerdem ermutigen wir die Gläubigen, die besondere Rolle Mariens im Geheimnis des Heils anzuerkennen, sie kindlich zu lieben und ihr im Glauben und in den Tugenden zu folgen. Fasten bedeutet zudem, auf viele weltliche und überflüssige Dinge, die wir jedoch für wichtig halten, zu verzichten. Wir sollten uns lieber mit Gott bereichern. Nur so können wir mit dem heiligen Franziskus den Menschen von heute Frieden wünschen und alles Gute in vollkommener Freude, die in dem Bewusstsein besteht, Kinder Gottes zu sein, berufen zur Heiligkeit und zum Paradies.

[Übersetzung des italienischen Originals von Dr. Edith Olk]