Franziskus besucht Franziskus

Impuls zum 27. Sonntag im Jahreskreis

Münster, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 580 klicks

Diese Begegnung ist von vielen mit großer Spannung erwartet worden. Der “neue” Papst, der den Namen Franziskus gewählt hat, besucht den heiligen Barfüßer an der Stätte seines irdischen Lebens vor acht Jahrhunderten.

Von Anfang an hat Papst Franziskus einen Wesenszug des großen Heiligen herausgestellt und ihn als besonders maßgebend für die heutige Kirche bezeichnet, nämlich die Tugend der Armut. Manche haben sich erschrocken bei dem Wort von der “armen Kirche”, oder auch der “Kirche der Armen”.

Franz von Assisi, der “poverello” gibt den Menschen des 21. Jahrhunderts, vor allem wenn wir auf ihn mit den Augen des Papstes Franziskus schauen, ganz deutlich zu verstehen, dass die Armut wesentlich zur Kirche gehört. Ist doch die Kirche der fortlebende Christus auf Erden. Und Jesus Christus hat in jeder Phase seines irdischen Lebens arm gelebt. Er kam nicht in einem Palast zur Welt, wie es sich für den König der Könige gehörte, sondern in einem Stall. Schon als Kind wurde er von den Machthabern dieser Welt verfolgt und musste fliehen. Später während der drei Jahre seines öffentlichen Wirkens hat Jesus oft nicht das Notwendigste besessen. “Der Menschensohn hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann” (Matth. 8,20).

Jesus hat aber auch gezeigt, dass arm nicht gleichbedeutend ist mit armselig. Er besaß nur ein einziges Gewand. Das aber war wiederum von solcher Qualität, dass die Henker bei seiner Kreuzigung es nicht zerteilen wollten, sondern das Los darum geworfen haben, wer es besitzen sollte. In den fast dreißig Jahren seines verborgenen Lebens hat der Herr in Nazareth ganz sicher nicht im Wohlstand gelebt. Aber andererseits sicher nicht ärmlich. Immer wenn wir uns fragen, was ist das richtige Maß: wann ist es zuviel und wann ist es zuwenig?, sollten wir auf die Person Jesu schauen, dann werden wir uns des rechten Maßes sofort bewusst.

Bei der feierlichen Messe am Fest des hl. Franz in Assisi, stellt uns der Papst immer wieder das Beispiel Jesu Christi vor Augen, so wie der hl. Franziskus auf Christus geschaut hat, und er warnt die Menschen davor, sich zu Werkzeugen der von ihnen selbst geschaffenen Idole zu machen.

Ohne die außergewöhnliche Bedeutung des hl. Franziskus, der buchstäblich die Herzen aller, auch der Nicht-Christen, erreicht, im einzelnen zu schildern, hebt Papst Franziskus einige Wesenszüge des poverello hervor. Vor allem anderen seine unbedingte Christusliebe, sagt er, ist das, was ihn in allem bestimmt. Nur aus ihr ergibt sich seine Demut und seine Liebe zur Armut (zur “madonna povertà”), sowie seine Aufforderung zum Frieden. Papst Franziskus sagt, dem Sinne nach: Der wahre Friede ist ein “Geschenk von oben”. Nur derjenige erhält ihn, der Christi Joch auf sich nimmt.

Franziskus spricht von der Bewahrung der Schöpfung, wobei er einen besonderen Akzent auf die wichtigste irdische Schöpfung, den Menschen, legt. “Seien wir nicht Zerstörer, sondern Bewahrer!” Er erinnert auch an das Friedensgebet, das 1986 auf Anregung des sel. Johannes Paul II. zum ersten Mal in der Gechichte hier in Assisi von Vertretern aller Religionen der Welt gesprochen wurde.

Wenn Papst Franziskus vor der Hl. Messe bei der Betrachtung der Fresken von Giotto in der Oberkirche von Assisi eine Zeitlang bei der Darstellung verweilte, wie der hl. Franziskus seinem Vorgänger, Papst Innozenz III. begegnete, mag er in seinem Herzen vielleicht auch die Worte gehört haben, die der hl. Franziskus vernahm: “Franziskus, stelle mein Haus wieder her!” Damals stand es auch schlecht um die Kirche. Sie wurde “wieder hergestellt” nicht durch Forderungen nach Reformen, sondern dadurch, dass viele mit Gott sehr verbundene Menschen das Joch Christi auf sich genommen haben. Damals sah der Papst im Traum, wie ein kleiner Mönch – eben Franziskus – die zum Umkippen bereite Kirche stützte und buchstäblich wieder ins Lot brachte.

Wenn wir heute den Papst Franziskus bei seiner mühevollen Arbeit mit stützen wollen, dann nehmen wir doch auch – jeder in seinem kleinen Lebensbereich, denn wir sind ja alle Kirche – das Joch Christi entschlossen auf uns!

Von daher und von der Fürsprache der Muttergottes, der von Franziskus so verehrten “Madonna degli Angeli” wird die Erneuerung der Kirche kommen.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“ und „Leo - Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich).