Franziskus folgen: Benedikt XVI. begegnete in Assisi Tausenden von Jugendlichen

„Öffnet die Türen für Christus“

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ASSISI, 18. Juni 2007 (ZENIT.org).- Einer der Höhepunkte der sonntäglichen Pilgerreise von Papst Benedikt XVI. nach Assisi war die Begegnung mit den Jugendlichen vor der Basilika Santa Maria degli Angeli.



Über 10.000 junge Menschen aus Umbrien und weiteren Regionen Italiens hatten sich versammelt, um zusammen mit dem Papst zu feiern, zu beten und seiner Betrachtungen zu folgen. „Öffnet Christus die Tore“, wie es der heilige Franziskus getan hat: Dies war die einfache und gleichzeitig höchst anspruchsvolle Einladung, mit der sich der Heilige Vater an die Jugendlichen wandte.

Den Mittelpunkt der Katechese Benedikts XVI. bildete eine Reflexion über den inneren geistlichen Weg des Heiligen. Dieser hob an mit seiner Bekehrung im Alter von 25 Jahren nach einem Leben in Eitelkeit, ohne dabei den Sinn des Lebens gefunden zu haben. An vielen Stellen seiner Katechese ging der Papst über sein Manuskript hinaus und sprach frei.

Bis zum Augenblick seiner Bekehrung habe Franziskus gelebt, ohne ein Bewusstsein für den Sinn seines Lebens entwickelt zu haben. Dieses „Herumschweifen“ ähnle dem Lebensweg vieler junger Menschen von heute: ein Herumschweifen in der „virtuellen Zerstreuung des Internets“ bis hin zu den „künstlichen Paradiesen der Droge“, in denen junge Menschen „mentale Landschaften suchen, die ebenso seicht wie zerstörerisch“ sind. „Die Wahrheit ist, dass die endlichen Dinge ein Schimmern der Freude geben können; nur aber das Unendliche kann die Herzen erfüllen.“

Gleichzeitig aber sei Franziskus auch ehrgeizig und ziemlich eitel gewesen; er habe sich besessen gezeigt von der „Sorge um sein Äußeres“. Auch hier machte der Papst eine Parallele zur heutigen Zeit aus: „Um ein Minimum an Erfolg haben zu können, müssen wir uns in den Augen der anderen mit etwas noch nie Dagewesenem, Originellem Ansehen verschaffen“. Die Mitte des eigenen Lebens in sich selbst zu suchen ist nach Worten Benedikts XVI. „eine tödliche Falle: Wir können nur dann wir selbst sein, wenn wir uns der Liebe öffnen und Gott und unsere Brüder lieben.“

Christus spreche zu uns in unserem Herzen: „Ohne Gott verliert die Welt ihr Fundament und ihre Zielrichtung“, fuhr Benedikt XVI. fort, der die Jugendlichen dazu aufrief, keine Angst zu haben, „Franziskus vor allem in der Fähigkeit nachzuahmen, zu sich selbst zu kommen. Er verstand es, in sich Stille zu schaffen und so auf das Wort Gottes zu hören. Schritt für Schritt ließ er sich an der Hand zur vollen Begegnung mit Christus führen und machte aus ihm den Schatz und das Licht seines Lebens.“ Der Heilige Vater ermutigte die Jugendlichen, Christus die Möglichkeit zu geben, ihnen zu begegnen. „Vertrauen wir uns ihm an, hören wir sein Wort! In ihm ist nicht nur ein faszinierender Mensch – er ist der Mensch gewordene Gott.“

Papst Benedikt machte deutlich, dass das Charakteristische des Franziskus in seinem „wahren Verliebtsein in Jesus“ zu suchen sei: „Franziskus begegnete Jesus im Wort Gottes, in den Brüdern, in der Natur, vor allem aber in der eucharistischen Gegenwart“. Gleichzeitig sei Franziskus ein Mann der Kirche, gerade weil er Christus gehöre.

In der Kirche von San Damiano hatte Franziskus das programmatische Wort vom Gekreuzigten gehört: „Geh, Franziskus, und bau mein Haus wieder auf.“ Dieses Haus, so Benedikt XVI. sei die Kirche, und Christus habe jedem Getauften die Verantwortung übertragen, zu ihrem Aufbau beizutragen: „Die Kirche wächst und wird wieder aufgebaut in dem Maße, in dem ein jeder von uns umkehrt und sich heiligt.“

Benedikt XVI. dachte dann über seine eigene Berufung zum Priestertum nach und hob die Verbundenheit des heiligen Franziskus mit seinem Bischof und dem Papst hervor. Gleichzeitig wies er aufgekommene Mythen zurück, die die Friedensliebe des Heiligen in die Nähe eines undifferenzierten Pazifismus rücken wollen. Der Einsatz für den Frieden des Franziskus werde gänzlich im Zeichen des Gebets gelebt, bekräftigte der Papst. „Das zeigte er auch mit der Sanftmut, mit der er Menschen anderen Glaubens entgegentrat, ohne dabei jemals seinen eigenen Glauben zu verschweigen, wie es seine Begegnung mit dem Sultan beweist.“

Mit Blick auf das Gespräch mit jenen Menschen, die andere Glaubensüberzeugungen haben, für der Heilige Vater fort: „Wenn heute der interreligiöse Dialog besonders nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil zu einem gemeinsamen und unverzichtbaren Erbe der christlichen Sensibilität geworden ist, so kann uns Franziskus dabei helfen, auf echte Weise in einen Dialog einzutreten, ohne in eine Haltung der Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheit zu verfallen oder unsere christliche Verkündigung abzuschwächen. Seine Existenz als Mann des Friedens, der Toleranz und des Dialogs kommt immer aus der Erfahrung des Gottes, der die Liebe ist. Sein Friedensgruß ist nicht zufällig ein Gebet: ‚Der Herr gebe dir Frieden!‘“

In diesem Sinn gab Benedikt XVI. den Jugendlichen folgenden Auftrag mit auf dem Weg: „Es ist die Zeit der jungen Menschen, die wie Franziskus ernsthaft bemüht sind und es verstehen, in eine persönliche Beziehung mit Jesus einzutreten. Es ist an der Zeit, die Geschichte dieses soeben begonnenen dritten Jahrtausends als eine Geschichte zu betrachten, die es mehr denn je nötig hat, vom Sauerteig des Evangeliums durchgärt zu werden.“