Franziskus im "Land des ruhigen Morgens"

8970 km und elfeinhalb Flugstunden von Rom entfernt wird ein Land durch den Besuch des Bischofs von Rom zum Mittelpunkt der Welt

Seoul, (ZENIT.org) P. Alfonso M. A. Bruno FI | 363 klicks

Die Stimmung im Militärflughafen von Seoul ist märchenhaft. Die jahreszeitlich bedingt hohe Temperatur und der Einfluss des Pazifiks, der die koreanische Halbinsel zwischen Gelbem und Japanischem Meer umschließt, haben eine Nebeldecke über den Boden gelegt, die der Szenerie etwas Unwirkliches verleiht.

Am Fuße der vorderen Leiter steht die Staatspräsidentin, Park Geun-hye, um den Papst persönlich zu empfangen. Seit 2012 in Amt, Tochter des ehemaligen Diktators Park Chung-hee, hat sie sich öffentlich für die Menschenrechtsverletzungen durch ihren Vater entschuldigt, auch wenn sie zugleich seinen Staatsstreich im Jahr 1961 als eine „Notwendigkeit“ bezeichnete.

Die Nationalhymnen werden gespielt; es folgt eine Parade der Ehrengarde, in blauer Jacke und weißen Hosen. Papst Franziskus erreicht Seoul, während es in Rom etwa 4.00 Uhr morgens ist.

Zwei kleine Mädchen in traditioneller Landestracht überreichen dem Papst einen Strauß Blumen und erhalten dafür einen Kuss und ein Lächeln. Sie werden diesen Augenblick nie vergessen. Durch diese zwei kleinen Botschafter bringt ganz Korea dem Papst seinen Willkommensgruß dar.

Am Rand des roten Teppichs stehen Stellvertreter der verschiedenen sozialen Kategorien des Landes Spalier: Jugendliche, Arbeiter, Unternehmer, Priester, Ordensleute, eine seit fünfzig Jahren tätige Missionarin, Verwandte der Märtyrer, deren Seligsprechung der Heilige Vater in diesen Tagen vornehmen wird, Opfer des Kriegs und des Untergangs der Sewol, eine bolivianische Eingewanderte, die den Papst auf Spanisch begrüßt, aber auch behinderte und alte Menschen; jene Personen, die eine gewisse Wegwerfkultur, die auch in Korea nicht fehlt, an die Peripherie der Existenz drängen möchte.

Einfache Menschen, die mit Würde an der Erbauung der Gesellschaft arbeiten. Die Glocken der Kirchen läuten freudig und erinnern an die großen Glocken, die einst immer dann läuteten, wenn die Tore der Stadt geöffnet oder geschlossen wurden; zur Zeit der Joseon-Dynastie im 14. Jahrhundert, als Seoul noch ganz von einer sechs Meter hohen Mauer umgeben war.

Seoul, seit 1960 Hauptstadt Südkoreas und Ausstrahlungszentrum der ungeheuren Anstrengung für den Wiederaufbau und die Modernisierung des Landes, öffnet seine Tore und seine Arme, um den Nachfolger Petri zu empfangen. In dieser Stadt leben etwa 24 Prozent der gesamten Bevölkerung Koreas.

Während des Koreakriegs in den fünfziger Jahren hat es in dieser Stadt fast drei Millionen Opfer gegeben. Nach den Olympischen Spielen von 1988 und der Fußballweltmeisterschaft 2002 rückt Seoul nun durch den Besuch des Papstes erneut ins Rampenlicht der Welt.

Südkorea hat bereits den heiligen Papst Johannes Paul II. empfangen, zuletzt 1989 und schon einmal fünf Jahre zuvor, anlässlich der 200 Jahre seit Einführung des katholischen Glaubens im Lande. Aus diesem Anlass wurden damals, 1984, 103 koreanische Märtyrer Heiliggesprochen.

25 Jahre nach dem letzten Besuch eines Papstes gedenkt das Land nun wieder seiner christlichen Traditionen, diesmal durch die Seligsprechung der „Väter des Glaubens“; die ersten, die in Korea ihren Glauben an Christus durch das Martyrium bezeugten. In diesen Tagen findet auch der 6. Asiatische Jugendtag statt. Auf diese Jugend blickt die Kirche und der Papst voller Hoffnung. „Jugend Asiens, wach auf! Der Glanz der Märtyrer scheint auf euch“, lautet das Motto des Treffens. Aus den Fehlern der Vergangenheit können die neuen Generationen lernen, um für die Einheit und Aussöhnung zwischen den beiden Koreas zu arbeiten.

Das Logo dieser apostolischen Reise zeigt zwei blaue Streifen, die die göttliche Barmherzigkeit und zugleich auch das Meer symbolisieren, über denen ein dolchförmiges Boot schwebt, eine Anspielung auf das Opfer der Märtyrer der koreanischen Kirche. In der Mitte stehen zwei „Taegeuk“ in den Farben der Flaggen der beiden koreanischen Staaten (blau und rot), die im Zeichen der Hoffnung einer Wiederannäherung ineinander verflochten sind.