"Franziskus mahnt uns zu gelebter Barmherzigkeit"

Pressebericht des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz zum Abschluss der Herbst-Vollversammlung der DBK

Fulda, (ZENIT.org) | 770 klicks

Wir dokumentieren im Folgendem die vollständige Fassung des Presseberichtes des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, anlässlich der heutigen Pressekonferenz zum Abschluss der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda.

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1. Einleitung

Erstmals im neuen Pontifikat von Papst Franziskus haben sich die deutschen Bischöfe am Grab des heiligen Bonifatius zu ihrer Vollversammlung getroffen. Befanden wir uns vor einigen Monaten bei der Frühjahrs-Vollversammlung in Trier noch in der Zeit der Sedisvakanz des Apostolischen Stuhls, so konnten wir jetzt mit großer Freude dem kurz darauf gewählten Heiligen Vater in einem Schreiben unsere Verbundenheit ausdrücken. Während der Vollversammlung haben wir den scheidenden Apostolischen Nuntius, Erzbischof Jean-Claude Périsset, sowie Bischof Dr. Joachim Wanke und Weihbischof Werner Radspieler verabschiedet.

2. Eröffnungsreferat „Zur missionarischen Präsenz der Kirche in der Gesellschaft“

In meinem Eröffnungsreferat „Zur missionarischen Präsenz der Kirche in der Gesellschaft“ habe ich mich der Frage nach dem Weg der Kirche in die Zukunft gewidmet. Ich habe den Blick zunächst auf einige gesellschaftliche Veränderungen gerichtet, derer sich eine Kirche, die missionarisch wirken will, bewusst sein und auf sie reagieren muss. Dazu gehört die verstärkte Bedeutung, die der Freiheit des Einzelnen zugemessen wird. Diese Tendenz macht sich auch im Glauben und im Leben der Kirche bemerkbar. Soziologen entwickelten in diesem Zusammenhang im Blick auf die westeuropäische Religiosität die These von der „Vicarious Religion“, für die kennzeichnend sei, dass sich diffuse Erwartungen an die Kirche richten und die als eine Art stellvertretende Akteurin bei der Daseinsvorsorge im öffentlichen Raum gesehen und als Dienstleisterin in die persönliche Lebensgestaltung eingeordnet wird.

In einem zweiten Schritt habe ich die zahlreichen und vielbeachteten Impulse von Papst Franziskus aufgegriffen, um zu verdeutlichen, in welchem Sinn Kirche in einer veränderten Gesellschaft missionarisch sein kann. Zentral sind dabei die Aussagen von Papst Franziskus über eine Kultur der Begegnung und seine Beispielhandlungen, die ihn an die Ränder der Gesellschaft führen. Damit macht er deutlich, dass eine Pastoral, die auf Distanz zu den Menschen geht, nicht akzeptabel ist. Immer muss Seelsorge Beziehungen stiften. Pastoral muss auf Nähe und Begegnung zielen, um die Begegnung mit Jesus Christus zu ermöglichen und so die Frohe Botschaft zu verkünden. Dies hat auch Auswirkungen auf die Ausübung des Bischofsamtes, das sich als Dienst am Dienst der anderen verstehen muss.

Anhand des Bibeltextes über die Begegnung des Philippus mit dem Kämmerer der Königin von Äthiopien (Apg 8, 26-40) habe ich das Bild einer missionarischen Kirche gezeichnet, die eine pilgernde, hörende und dienende Kirche ist. Damit habe ich den Bezug zu meinem Eröffnungsreferat im Herbst 2010 hergestellt, aus dem der Gesprächsprozess erwachsen ist. Wie Philippus muss sich eine pilgernde Kirche auf die Straße wagen und dort den Menschenbegegnen, gerade auch den fremden, fremdelnden und suchenden. Charakteristisch für unser bischöfliches Wirken sollte es sein, keine Berührungsängste zu haben, auch gegenüber Menschen, die skeptische Fragen haben und die eine Sehnsucht nach Gott und nach Liebe verspüren. Die geschuldete Nähe schließt auch diejenigen ein, die auf den ersten Blick fremd wirken und deren Leben unverständlich erscheint. Die Kirche ist eine Gemeinschaft von Gläubigen, die sich auf dem Weg zu Gott wissen. Er selbst ist das Ziel der Wanderschaft und er ist mit seiner Kirche auf dem Weg zu den Menschen.

Beim missionarischen Wirken ist neben einer pilgernden Kirche auch eine hörende Kirche erforderlich, die ein offenes Ohr für die Menschen hat. Dem Reden und Handeln gehen das Hören und Sehen voraus. Wenn der ‚Weg der Kirche der Mensch ist‘, bedarf es einer Einfachheit, um Verständigung zu ermöglichen. „Die Kirche darf sich nicht von der Einfachheit entfernen. Manchmal verlieren wir diejenigen, die uns nicht verstehen, weil wir die Einfachheit verlernt haben“, sagt Papst Franziskus.

Und schließlich muss eine missionarische Kirche eine dienende Kirche sein. Eine dienende Kirche zeichnet sich dadurch aus, dass sie selbstlos ist, dem anderen Respekt erweist und ihm für seine Entscheidung Raum und Zeit gibt. Eine dienende Kirche schaut nicht auf die Vermehrung ihres Ansehens, sondern auf die Ehre Gottes und den Dienst an den Menschen, denen sie Wegbegleiterin sein will.

Für die Kirche der Zukunft habe ich daraus vier Konsequenzen gezogen: Erstens muss die Kirche glaubensstark sein. Das ist sie dann, wenn sie zuerst auf den verweist, ohne den die Kirche nicht wäre: Jesus Christus. Die Verkündigung der heilbringenden Liebe Jesu Christi geht moralischen und religiösen Verpflichtungen voraus. Glaubensstärke beinhaltet auch ein vertretbares und begründetes Eingehen auf die „Inkonsistenzen“ und Brüche im Leben der Menschen, die ernstgenommen und vom Glauben her gedeutet werden müssen. Zweitens muss die Kirche hoffnungsfroh sein, geprägt durch die Kraft der Liebe, die allen Dunkelheiten des Lebens zum Trotz Großes bewirken kann. Drittens muss die Kirche bescheiden und barmherzig sein, was ihre Nähe zu den Menschen erleichtert und ein Vertrauen fördert, ohne das die Glaubensverkündigung fruchtlos bleibt. Viertens muss die Kirche Kollegialität praktizieren. Es gibt viele Beispiele für Kollegialität aus dem Bereich der Kirche in Deutschland. In diesem Zusammenhang habe ich auch im Blick auf die Wahl eines künftigen Vorsitzenden angeregt, die Herausforderungen zu besprechen, vor denen wir als Bischofskonferenz stehen.

Abschließend habe ich deutlich gemacht, dass die Umbrüche der vergangenen Jahre Auswirkungen für die Verkündigung, für das persönliche Glaubensleben und das Wirken der Kirche haben. Es bedarf deshalb einer neuen Dynamik, die alle ergreifen muss, nicht nur uns Bischöfe. Dazu wird auch eine Verständigung darüber notwendig sein, wie sich die Wertschätzung und Achtung des Priestertums aller Getauften konkret auswirken kann, weil der Weg in die Zukunft nur gemeinsam gegangen werden kann.In der Aussprache zu meinem Eröffnungsreferat sind verschiedene Themen vertieft worden. Eines möchte ich herausgreifen: Wir deutschen Bischöfe sind zutiefst dankbar für die vielfältigen, richtungsweisenden Äußerungen und Gesten von Papst Franziskus. Insbesondere das erst vor gut einer Woche veröffentlichte Interview des Heiligen Vaters mit den Jesuitenzeitschriften war Gegenstand lebhafter Diskussion. Die Denkanstöße aus diesem Interview nehmen wir ernst.

Ohne hier das Gesamt der Diskussion wiedergeben zu können, halte ich folgende Aspekte für besonders wichtig, die uns der Heilige Vater mit auf den Weg gibt: Franziskus mahnt uns zu gelebter Barmherzigkeit. Diese muss nach seiner Auffassung allen Menschen zuteilwerden - auch in der Kirche und außerhalb. Deshalb ist es unser Auftrag, an die Ränder der Gesellschaft zu gehen, den Glauben zu verkünden und gleichzeitig Zeugnis zugeben für unseren Glauben. Der Christ ist aufgerufen, seine gesellschaftliche Verantwortung in der Welt wahrzunehmen. Die Hinweise des Papstes auf eine verstärkte Kollegialität nehmen wir ebenfalls ernst. Ich freue mich darüber, dass Franziskus angekündigt hat, das Instrument der Weltbischofssynode dynamischer zu gestalten und intensiv zu nutzen, um so den Geist und die Praxis der Kollegialität unter den Bischöfen, aber auch das Suchen nach den drängenden Antworten auf die Fragen unserer Zeit zu fördern.

Lassen Sie mich an dieser Stelle eine Bemerkung zur Situation im Bistum Limburg machen. Ich habe bereits in meinem Eröffnungsstatement gegenüber der Presse am vergangenen Montag verdeutlicht – auch wenn dies in einigen Medien anders bzw. stark verkürzt wiedergegeben wurde –, dass ich aus kollegialer Solidarität hinter dem Bischof von Limburg stehe. Ich unterstütze ihn nach Kräften, insbesondere im Sinne der an mich herangetragenen Bitte und der zwischen ihm und dem Domkapitel vereinbarten Punkte, die helfen sollen, einen gemeinsamen Weg zu finden. Diese Solidarität ist selbstverständlich, auch wenn die Situation für den Bischof, die Gläubigen und das Bistum nicht leicht ist. Umso wichtiger war der vom Bischof von Limburg erbetene Besuch von Kardinal Giovanni Lajolo, der dazu beigetragen hat, dass Wunden heilen und ein Weg des Miteinanders beschritten werden kann. Dieser Weg hat nun begonnen, auch wenn er noch nicht am Ziel ist. Gerade deshalb komme ich gerne dem Wunsch des Bischofs von Limburg nach, ein externes Prüfteam zu berufen, das die Offenlegung der Kosten für das Bauprojekt auf dem Domberg begleitet. Wie diese Kommission zusammengesetzt ist, wann sie ihre Arbeit aufnimmt und zu welchem Zeitpunkt Ergebnisse zu erwarten sind, wird sich in allernächster Zukunft zeigen. Ich bin sicher, dass Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst mit den Gläubigen und den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen vorwärtsweisenden Weg findet, der die Kirche gut in die Zukunft führt. Meine Unterstützung habe ich ihm zugesagt und zwar ganz so, wie ich es im Eröffnungsreferat ausgedrückt habe: Wir brauchen eine „Kirche praktizierter Kollegialität“.

3. Gesprächsprozess der Deutschen Bischofskonferenz

Wir haben das dritte Jahresgespräch unseres Gesprächsprozesses ausgewertet, das am 13. und 14. September 2013 in Stuttgart stattfand und unter dem Leitwort „Liturgie: Dem Heiligen begegnen – heute Gott verehren“ stand. Der Gesprächsverlauf und die Ergebnisse der Diskussionen aller rund 300 Teilnehmer sind auf www.dbk.de dokumentiert. Ich bin dankbar, dass wir die Kommunikation seit dem Gesprächsforum in Hannover vor einem Jahr verbessern konnten: Der nunmehr fünf Mal erschienene Newsletter berichtet von best-practice-Beispielen aus Bistümern, Gemeinden und Verbänden und auch von unserem Weg innerhalb der Bischofskonferenz.

In Stuttgart waren die Arbeitseinheiten so angelegt, dass es einen engen Brückenschlag zwischen der persönlichen Gläubigkeit, dem liturgischen Gebet und dessen situativer Einbettung in die gesellschaftliche und kirchliche Gegenwart gab. Leitfragen waren dabei: Wie erlebe ich Liturgie persönlich? Wie kommt die „Welt“ in die Liturgie? Wie können wir die Sehnsucht der Menschen nach Spiritualität konstruktiv aufgreifen? Welche Bedeutung haben Participatio und Charismen-Vielfalt für die Liturgie? Wie lässt sich dies in den unterschiedlichen liturgischen Gattungen heute verwirklichen? Wir sind dankbar für das große Engagement der 300 Teilnehmer. Mich hat beeindruckt, in welch persönlicher Weise und geistlichen Tiefe in Stuttgart konkret über den Gottesdienst gesprochen werden konnte. Dabei bildete die Frage nach dem Verhältnis zwischen kirchlich-liturgischer Sprache und heutiger Lebenswirklichkeit der Menschen einen besonderen Schwerpunkt. Daneben wurde mehrfach der Wunsch nach mehr liturgischer Bildung und katechetischer bzw. homiletischer Erschließung der Liturgie geäußert. Ferner erinnerten die Teilnehmenden an den Reichtum der liturgischen Gattungen, der weit über die Eucharistie hinaus vielfältige Formen der Partizipation und eine adäquate Ansprache verschiedener Zielgruppen ermöglicht.

Stuttgart markierte die Mitte des Gesprächsprozesses. Darauf haben der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, Verbands- und Diözesanvertreter und ich selbst aufmerksam gemacht. Auf verschiedene Themen, die bei einer „Zwischenbilanz“ eine Rolle spielen müssen, bin ich in meinem Abschlussstatement in Stuttgart noch einmal eingegangen. Ich möchte deutlich unterstreichen: Als Bischofskonferenz beschäftigen uns einige bedeutsame Themen:

Arbeitsgruppe zivil wiederverheiratet Geschiedene: Die Arbeitsgruppe wird im kommenden Jahr der Bischofskonferenz einen ersten Arbeitsbericht vorlegen. Er wird einen ungeschminkten Blick auf die Realitäten enthalten und die Not zur Sprache bringen, die heute in vielen Bereichen und gerade im Bereich verbindlicher persönlicher Beziehungen besteht. Wir wollen eine realistische Sicht der Gegebenheiten. Es geht dann im Wesentlichen um eine kritische Reflexion auf das maßgebliche Eheverständnis im Spannungsfeld verschiedener Ansätze, zum Beispiel beim Vertragsgedanken oder beim Bundesgedanken, um Stichpunkte zu nennen. Das ist eine theologisch nicht leichte Frage.

-Kirchliches Arbeitsrecht: Wir arbeiten unter Mitwirkung vieler betroffener Dienstgeber, vor allem auch des Deutschen Caritasverbandes, an der Fortschreibung der kirchlichen Loyalitätsverpflichtungen. Es ist zu klären, in welchem Sinn die persönliche Lebensführung im Bereich der Ehe maßgeblich ist für die kirchliche Beschäftigung und für die Identität katholischer Einrichtungen. Konkrete Formulierungsvorschläge liegen vor und werden demnächst erörtert.

-Stellung und Mitwirkung der Frauen in der Kirche: Der Studientag der Vollversammlung im Frühjahr in Trier hat uns hier entscheidende Schritte weitergebracht. Der Vorsitzende der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Franz-Josef Bode, hat die Dokumentation des Studientags und weitere Überlegungen gestern im Pressegespräch hier in Fulda vorgestellt.

4. Eucharistischer Kongress vom 5. bis 9. Juni 2013

Die Vollversammlung hat einen Rückblick auf den Eucharistischen Kongress in Köln gehalten, der vom 5. bis 9. Juni 2013 stattfand. Er stand unter dem Leitwort „Herr, zu wem sollen wir gehen?“. Wir sind beeindruckt von dem Lebens- und Glaubenszeugnis, das die Teilnehmer durch ihre Anwesenheit und besonders in der Mitfeier der Liturgie gegeben haben. In über 80 Katechesen und Messfeiern, Vorträgen, geistlichen Kirchenführungen, einem umfassenden Kulturangebot und dem Jugendfestival ist es gelungen, das Thema Eucharistie und Liturgie den Teilnehmern nahezubringen. Der Eucharistische Kongress ist als eine Großveranstaltung im Rahmen des Gesprächsprozesses der Deutschen Bischofskonferenz anzusehen. Mit insgesamt 48.000 Teilnehmern bewerten wir den Eucharistischen Kongress als einen Erfolg. Wir hoffen jetzt, dass er weiter in die Gemeinden hineinwirkt. Der Kongress ist mit zahlreichen Materialien unter www.eucharistie2013.de dokumentiert.

Zusätzlich haben die deutschen Bischöfe beim Eucharistischen Kongress zu einer Jubiläumsveranstaltung anlässlich des 50. Jahrestags der Verabschiedung der Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils, Sacrosanctum concilium, eingeladen. Mir war es dabei wichtig, an die fortdauernde Bedeutung des Konzilsdokumentes - auch für die Kirche im 21. Jahrhundert - zu erinnern. Beim Konzil und auch heute steht die Frage im Mittelpunkt, was es heißt, „als Kirche und einzelner Christ in der Welt und für die Welt zu wirken, die Logik der Welt zu kennen und konsequent in der Logik Gottes zu leben“. Diese Frage öffnet auch Zugänge zum Verständnis liturgischer Neuaufbrüche. 5. Europäische Bürgerinitiative „One of us“

Die deutschen Bischöfe haben sich bereits im Sommer mit der Initiative der europaweiten Aktion „One of us“ beschäftigt. Das Anliegen, das menschliche Leben von Beginn an in allen relevanten Kompetenzbereichen der Europäischen Union rechtlich besser zu schützen, verdient Unterstützung. Die deutschen Bischöfe setzen sich vielfältig für den Schutz menschlichen Lebens vom Anfang bis zum natürlichen Tod ein. Sie stellten es in das Ermessen jedes Bistums, ob und wie auf der Ebene konkreter Aktivitäten die Aktion „One of us“ ausdrücklich mitgetragen werden sollte. Es wäre bedauerlich, wenn das für Deutschland notwendige Quorum an Unterschriften bis Ablauf der Frist nicht erreicht würde. Mittels solcher Bürgerinitiativen können die Bürger der Europäischen Kommission ihr Anliegen vorstellen oder auch in einer öffentlichen Anhörung im Europäischen Parlament bekannt machen.

6. Glaube

Aktuelle Fragen im Nationalen Ethikrat

Weihbischof DDr. Anton Losinger (Augsburg) hat uns als Mitglied im Nationalen Ethikrat über die aktuellen Herausforderungen in der Arbeit dieses Gremiums berichtet. In zwei Arbeitsgruppen beschäftigt sich der Ethikrat mit den Themen

-Hirntod und die Entscheidung zur Organspende: Hier wird nach der Novellierung des Transplantationsgesetzes 2012 und der nun geltenden Entscheidungslösung für Organspende, insbesondere aber nach den kriminellen Eingriffen in die Organverteilung an mehreren deutschen Kliniken und den dadurch induzierten Vertrauensverlust und Spendenrückgang die Frage nach der Entscheidungssystematik bei Organspende gestellt. Vor allem das auch in der medizinischen und theologischen Diskussion neuerlich wieder stärker diskutierte Problem des Hirntodkriteriums - ein großer „Angstgenerator“ - wird ausführlich debattiert. Eine Stellungnahme ist im Frühjahr 2014 zu erwarten.

-Biosicherheit und Forschungsfreiheit – Forschungsförderung und Umgang mit Forschungsergebnissen: Auf Anforderung der Bundesregierung beschäftigt sich der Ethikrat in einer Arbeitsgruppe mit der Frage nach dem Umgang mit hochbrisanten Forschungsergebnissen der Biomedizin und Gentechnik. Eine Stellungnahme ist bis Sommer 2014 zu erwarten.

Weihbischof Losinger hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass den Ethikrat als weiteres Thema das „Inzestverbot“ beschäftigt: Nachdem 2012 eine öffentliche Anhörung des Ethikrates zu einer Absetzung des Themas von der Agenda geführt hatte, steht es jetzt zur Wiederbefassung an. Es geht um die Frage der Abschaffung der Strafbarkeit von Inzest in § 173 StGB. Prof. Dr. Eberhard Schockenhoff und Weihbischof Losinger hatten dasArgument der öffentlichen Wirkung eines solchen Ethikratsbeschlusses im Zeitalter der Missbrauchsdebatte stark gemacht, deren bedrohlichstes Feld bekanntlich die Familie ist. Eine Abstimmung des Rates könnte bis Jahresende anstehen.

7. Ökumene

Kommissionsbericht und Reformationsgedenken 2017

In den Herbst-Vollversammlungen werden immer die Berichte aller 14 bischöflichen Kommissionen vorgelegt. Wir greifen in der Regel zwei Berichte zu einer ausführlichen Debatte heraus. Ein Bericht war der der Ökumenekommission. Ihr Vorsitzender, Bischof Dr. Gerhard Feige (Magdeburg), hat über einen Schwerpunkt des Berichts, das Reformationsgedenken 2017, bereits in einem eigenen Pressegespräch informiert. Ich möchte nur so viel anfügen: Wenn man auf die Reformation zurückschaut, kann man nicht die Augen davor verschließen, dass sie zu Spaltungen geführt hat, und dies sicher mit Schuldanteilen auf beiden Seiten. Insofern wird die katholische Kirche auch dem Gedenken nicht den Charakter einer Jubiläumsfeier geben können. Trotz aller unbezweifelbaren Reformbedürftigkeit der damaligen Kirche bleibt die Reformation mit dem Schmerz über die Spaltung verbunden und kann aus katholischer Sicht nicht einfach positiv gewürdigt werden. Daher sprechen katholische Vertreter auch zumeist nicht von einem „Reformationsjubiläum“, sondern stattdessen vom „Reformationsgedenken“. Wenn es gelänge, 2017 gemeinsam zum Anlass eines gemeinsamen Glaubenszeugnisses zu nehmen und vor allem ein „Christusfest“ zu feiern, dann könnte das Reformationsgedenken nicht nur die Gläubigen näher zu Christus bringen, sondern auch die Nähe der Kirchen zueinander vertiefen. Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, hat in diesem Zusammenhang von einem „Christusjubiläum“ gesprochen. Gemeinsam mit Bischof Feige sehe ich hier wirklich einen gemeinsamen Anknüpfungspunkt. Vielleicht können wir das Jahr 2017 als Chance begreifen, dass Christen in Deutschland sich über konfessionelle Grenzen hinweg gemeinsam darauf besinnen, wer Jesus Christus für sie ist, und wie sie dies unter den Bedingungen unserer Zeit in guter Weise bezeugen können

Die Vollversammlung hat sich mit den ökumenischen Implikationen des Rücktritts von Papst Benedikt XVI. und den ersten ökumenischen Akzenten des Pontifikats von Papst Franziskus beschäftigt. Im Austausch des Friedensgrußes mit anderen hochrangigen Kirchenvertretern, mit der Begegnung von Papst Franziskus mit dem Ratsvorsitzenden der EKD, Nikolaus Schneider, aber auch der Einschärfung des missionarischen und diakonischen Auftrags der Kirche zeigt sich ein gutes Potential für die Ökumene.

Wir setzen die Stipendienprogramme der Deutschen Bischofskonferenz für orthodoxe und orientalisch-orthodoxe Theologen fort, die seit diesem Jahr vom Ostkirchlichen Institut Regensburg an das Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik in Paderborn verlagert worden sind. Mit den Programmen leistet die Bischofskonferenz einen wichtigen Beitrag zumAufbau und zur Weiterentwicklung ökumenischer Beziehungen zwischen der katholischen und den orthodoxen Kirchen. Positiv würdigt unsere Ökumenekommission die Beziehungen zu den orthodoxen Kirchen in Deutschland. Nennen möchte ich auch das gute Arbeitsverhältnis in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, in der uns Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann (Speyer) vertritt.

8. Pastoral

Kommissionsbericht

Als zweiten Bericht haben wir in diesem Jahr den Rapport der Pastoralkommission erörtert. Bischof Dr. Franz-Josef Bode (Osnabrück) hat die Schwerpunkte aufgezeigt. Seit Beginn der laufenden Amtsperiode (2011) beschäftigt sich die Kommission unter anderem mit der Frage, wie das Zueinander von Diensten und Charismen im priesterlichen Gottesvolk verbessert und erneuert werden kann. Diese Frage drängt sich angesichts der vielfachen Veränderungen im Leben der Pfarreien und Gemeinden auf. Die Vergrößerung von pastoralen Räumen und Seelsorgeeinheiten bringt es mit sich, dass das Verhältnis von Priestern und Laien neu justiert werden muss. Die leitende Frage ist dabei, wie das geistliche Amt seinen Dienst an der Einheit der vielfältigen Aktivitäten und Zusammenschlüsse des Gottesvolkes untereinander und mit Jesus Christus in einer neuen Situation ausüben kann. Eine Arbeitsgruppe hat Vorarbeiten aus dem Raum des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) aufgegriffen und wird in Zusammenarbeit mit der Kommission für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste bis zum Abschluss des Konzilsjubiläums der Deutschen Bischofskonferenz entsprechende Vorschläge unterbreiten.

In diesem Zusammenhang fand am 29. Mai 2013 eine Begegnung der Deutschen Bischofskonferenz mit Vertretern katholischer Personalverbände statt. Zu ihr waren ca. 80 Vertreter sowohl von mitgliederstarken Verbänden wie der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) und dem Kolpingwerk, als auch von zahlreichen kleineren Verbänden zusammengekommen. Zusammen mit zehn Mitgliedern der Bischofskonferenz wurde das Thema: „Die Sendung der Verbände aus Taufe und Charismen“ bearbeitet. Durch das gezielte Engagement der Männer und Frauen, die in Verbänden, Gemeinschaften und Bewegungen organisiert sind, vermag die Kirche den Menschen nahezubleiben, auch wenn die Priester weniger zahlreich und die Pfarreien größer geworden sind. Mit dem von der Pastoralkommission vorbereiteten Treffen ist es gelungen, den Blick nach vorn zu richten und einige Blockaden abzubauen.

Die Pastoralkommission wird das Gespräch mit den Verbänden fortsetzen: Sie wird die Anstöße des Bundes der Deutschen Katholiken Jugend (BDKJ) aufgreifen und eine „Theologie der Verbände“ entwickeln. Mit ihr kann die besondere Kirchlichkeit der Verbände auf ein klares und nachvollziehbares theologisches, ekklesiologisches Fundament gestelltwerden. Und mit einer solchen Theologie der Verbände kann die Bedeutung der freien Zusammenschlüsse von Katholiken aus ihrer Taufberufung verdeutlicht werden.

Weiterhin soll ein Runder Tisch eingerichtet werden, an dem neue kirchliche Bewegungen, geistliche Gemeinschaften, katholische Personalverbände, Berufsverbände pastoraler Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sowie Vertreter aus den Priesterräten sich gegenseitig über ihre Anliegen informieren und Formen des Miteinanders erkunden. Ebenso soll die Rolle der Geistlichen Verbandsleitungen neu bestimmt werden.

9. Geistliche Berufe

Zur Situation des Ständigen Diakonats

Das Zweite Vatikanische Konzil hat den Ständigen Diakonat als ein eigenständiges Amt in der Kirche wieder eingeführt. Die ersten verheirateten Männer wurden 1970 in Deutschland zum Diakon geweiht. Die Kommission für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste hat eine Auswertung der Entwicklungen im Ständigen Diakonat in den vergangenen zehn Jahren (2000 bis 2010) vorgenommen. In diesem Zeitraum ist die Gesamtzahl der Ständigen Diakone in den deutschen (Erz-)Bistümern um 25 Prozent gewachsen. Rund 3.000 Männer sind heute in unterschiedlichen Aufgabenfeldern als Ständige Diakone tätig. Mehr als die Hälfte von ihnen arbeiten zugleich in ihrem Zivilberuf und stellen auf diese Weise eine wichtige Präsenz der katholischen Kirche in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen dar. Andere üben ihr Diakonenamt hauptberuflich in der Kirche aus und sind dort in der Verkündigung und in caritativen Aufgaben tätig.

Wir haben uns während der Vollversammlung mit aktuellen Entwicklungen in der Theologie des ständigen Diakonats befasst, die das diakonale Profil dieses Amtes innerhalb des gesamten Ordo deutlich gestärkt hat. Das muss noch viel deutlicher, als es bereits geschieht, auch im Einsatz der Diakone zum Ausdruck kommen. Der Diakon ist Stellvertreter der Armen und Vergessenen. Die Diakone sollen sich vornehmlich zu den Menschen aufmachen, die vom „Kern der Gemeinde“ nicht gesehen werden. Wir sind dankbar für das berufliche und persönliche Engagement der ständigen Diakone. Viele von ihnen sind verheiratet und teilen in Ehe und Familie die lebenspraktischen Erfahrungen von Liebe, Freude und Nachkommenschaft oder auch die schmerzhaften Erfahrungen wie Belastungen, Streit, Trauer, Scheitern und Verlust. Die Lebenswirklichkeit des Diakons in allen Lebensphasen ist ein Schatz im Feld der Kirche, der noch mehr als bisher gehoben werden muss.

10. Liturgie

Abschluss der Übersetzung des Missale Romanum

Der Vorsitzende der Liturgiekommission, Kardinal Joachim Meisner (Köln), hat uns einen abschließenden Bericht der 2004 eingerichteten Bischöflichen Kommission Ecclesia celebrans vorgelegt. Sie hatte zur Aufgabe, die Messbücher zu übersetzen. Die Übersetzung der Kommission ist von einem Stil geprägt, der gegenüber dem bisherigen deutschsprachigen Messbuch, dessen hohe sprachliche Qualität außer Frage steht, als knapper, nüchterner und konzentrierter bezeichnet werden kann. Die Mitwirkenden in der Kommission haben ihre Übersetzungsaufgabe so erfüllt, wie es ihrem Verständnis der lateinischen Texte und ihrem deutschen Sprachempfinden entspricht.

Trotz des Abschlusses der Übersetzungsarbeiten hat sich im Sommer dieses Jahres weiterer Klärungsbedarf ergeben. Dieser resultiert aus Reaktionen von Mitgliedern der Deutschen Bischofskonferenz, der Bitte der Österreichischen Bischofskonferenz und grundsätzlichen Fragen der Schweizer Bischofskonferenz. Vor diesem Hintergrund hat der Ständige Rat bereits im Juni 2013 davon abgeraten, auf dieser Herbst-Vollversammlung einen Approbationsbeschluss herbeizuführen. Das weitere Verfahren liegt nun in der Zuständigkeit der für die Herausgabe verantwortlichen Bischofskonferenzen. Eine nähere zeitliche Perspektive besteht derzeit nicht.

Gotteslob

Kurz möchte ich auf die Probleme beim Druck des neuen Gotteslob eingehen. Die Druckerei hat einen Teil des Auftrags auf Papier ausgeliefert, das die vereinbarte Qualität nicht zustande kommen ließ. Mit der Druckerei führen die betroffenen Bistümer und der Verband der Diözesen Deutschlands Gespräche darüber, wann und zu welchen Konditionen die Exemplare auf dem richtigen Papier möglichst frühzeitig zur Verfügung stehen können. Ob eine einvernehmliche Lösung zustande kommt, wird sich sehr bald zeigen.

Die offizielle Einführung des Gotteslob findet weiterhin am 1. Advent 2013 statt. Ich gehe davon aus, dass alle am Gotteslob beteiligten 38 Bistümer bis Ostern 2014 beliefert sein werden, falls wir uns mit der Druckerei vergleichen können.“

11. Gesellschaftliche Fragen

Ökumenische Sozialinitiative

16 Jahre nach dem gemeinsamen Sozialwort „Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit“ der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist eine ökumenische Sozialinitiative angestoßen worden. Im vergangenen Jahr begannen die Vorarbeiten, zu denen auch ein vielbeachteter Fachkongress gehört, der im Frühjahr in München stattfand. Jetzt steht der Abschluss eines Impulspapiersbevor, das nach seiner Veröffentlichung eine breite gesellschaftliche Diskussion anstoßen soll. Es enthält Thesen, die ausgehend von den sozialen und wirtschaftlichen Problemen, der notwendigen Fortentwicklung der Sozialen Marktwirtschaft und einer Erneuerung der Verantwortungskultur konkrete Fragen der Finanzmärkte, der Staatsverschuldung, der Umweltpolitik und der zeitgemäßen, global orientierten Europapolitik behandelt.

Die Vollversammlung hat den Entwurf des Papiers grundsätzlich zustimmend entgegengenommen. Weitere inhaltliche Einarbeitungen und Abstimmungen erfolgen in den kommenden Wochen im Einvernehmen mit der EKD. Wir gehen davon aus, dass das Papier noch in diesem Herbst gemeinsam mit der evangelischen Kirche veröffentlicht werden kann. Die deutschen Bischöfe erhoffen sich gerade nach der Bundestagswahl eine wichtige öffentliche Debatte der hier angesprochenen Themen.

12. Erziehung und Schule

Katholische Schulen in freier Trägerschaft

Die Vollversammlung hat sich mit aktuellen Entwicklungen bei den Katholischen Schulen in freier Trägerschaft beschäftigt. Dabei ist bemerkenswert, dass die Zahl der Schülerinnen und Schüler an katholischen Schulen in den vergangenen drei Jahren konstant geblieben ist, während die Gesamtzahl aller Schülerinnen und Schüler in Deutschland im gleichen Zeitraum um vier Prozent rückläufig war. 3,8 Prozent aller Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden Schulen besuchen eine Katholische Schule in freier Trägerschaft. Wir verstehen die Schulen als ein wichtiges Feld unseres kirchlichen wie auch unseres gesellschaftlichen Engagements. Diese Verantwortung, die wir gerne wahrnehmen, und die Gestaltungsmöglichkeiten kirchlicher Schulen werden auch Thema des 7. Bundeskongresses Katholische Schulen sein, der am 13. Dezember 2013 in Berlin stattfindet. Die beigefügte Anlage informiert über die wichtigsten Zahlen.

13. Wissenschaft und Kultur:

Handreichung zur pastoralen Berufungsvoraussetzung für Professorinnen und Professoren

Die Vollversammlung hat erneut die Situation des wissenschaftlichen Nachwuchses in der Katholischen Theologie erörtert. Sie ist an einer starken und gesprächsfähigen Theologie an den Hochschulen interessiert. Wir brauchen qualifizierte Nachwuchswissenschaftler und -wissenschaftlerinnen. Weil Theologie immer mit dem kirchlichen Leben zu tun hat, wird von allen angehenden Theologieprofessoren – ob Priester, Diakon oder Laie, ob Mann oder Frau - eine gewisse pastorale Erfahrung erwartet. Die Nihil-obstat-Normen sprechen von einem mindestens einjährigen praktischen Einsatz in der Pastoral. Während Priester, Diakone und Ordensleute diese Erfahrung im Rahmen ihrer Ausbildung durchweg erwerben, stellen sich für die Laien besondere Fragen. Hierauf versucht die neue „Handreichung zur pastoralenErfahrung als Berufungsvoraussetzung für Professorinnen und Professoren der Katholischen Theologie“ eine Antwort zu geben. Wir setzen auf eine frühzeitige Information der Kandidaten und auf eine gute Praxisbegleitung durch die Diözesen. Mit Blick auf den wissenschaftlichen Werdegang und die familiäre Situation vieler Kandidatinnen und Kandidaten hält die „Handreichung“ daran fest, dass die geforderte Erfahrung auf unterschiedlichen Wegen erworben werden kann. Die Handreichung wird in Kürze publiziert.

14. Publizistische Fragen

Austauschplattform Bistumspresse

Die Vollversammlung hat erneut über die schwierige Situation der Bistumspresse beraten. Als Schritt zur Zukunftssicherung der Bistumszeitungen wurde zum 1. Januar 2013 eine digitale Content-Austauschplattform für die Bistumspresse ins Leben gerufen, die die Synergien der einzelnen Redaktionen gezielter nutzbar machen soll. Auf dieser Plattform können nun Inhalte, geliefert durch die Bistumszeitungsredaktionen wie auch durch die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA), ausgetauscht werden. Die inhaltliche Verantwortung obliegt dabei nach wie vor den Chefredakteuren, die die Inhalte einstellen sowie entnehmen und den Bedürfnissen der jeweiligen Bistumszeitung anpassen können. Begleitet wird dies durch einen Koordinator, der die Zusammenarbeit der Redaktionen unterstützt und vertieft.

Seit dem Start der Kooperation zu Beginn des Jahres sind 19 Bistumszeitungstitel an diesem Projekt beteiligt, die zusammen auf rund 75 Prozent der deutschen Bistumszeitungsauflage kommen. Der Austausch unter den beteiligten Redaktionen hat sich in diesen Anfangsmonaten gut eingespielt. Das Konsensniveau ist hoch, sodass die Plattform mit durchschnittlich vier exklusiven Texten pro Woche, teils geliefert von den einzelnen Redaktionen, teils erstellt durch die KNA, bestückt werden kann.

15. Weltkirche

Aktuelle Lage in Syrien

Wir haben uns in diesen Tagen intensiv mit der Situation in Syrien befasst, vor allem mit dem Leiden der Flüchtlinge. Der Bürgerkrieg und seine Folgen waren am vergangenen Mittwoch auch Thema eines eigenen Pressegesprächs. Ich möchte an dieser Stelle erneut zum Ausdruck bringen, dass die deutschen Bischöfe alle Bemühungen der internationalen Gemeinschaft unterstützen, zu einer Verständigung zu gelangen, die das Blutvergießen beendet. Wir begrüßen die Vereinbarungen über die Vernichtung der Chemiewaffen, die, so darf man bei aller Vorsicht und gebotenen Skepsis hoffen, zum Ausgangspunkt eines politischen Prozesses werden können.Eine militärische Intervention in Syrien ist unseres Erachtens – jedenfalls zum gegenwärtigen Zeitpunkt – keine verantwortbare Option. Die meisten Experten und gerade viele Militärs aber auch Hilfsorganisationen warnen, dass die Folgen unkalkulierbar sind. Niemand vermag zu sagen, ob man am Ende eines militärischen Engagements stabilen Verhältnissen und einem gerechten Frieden auch nur einen Schritt nähergekommen sein würde. Stattdessen muss sich die internationale Gemeinschaft endlich auf eine gemeinsame Politik verständigen und echte Verhandlungen über einen Waffenstillstand anbahnen.

Besonderes Augenmerk verlangt die Lage der Flüchtlinge - mehr als zwei Millionen außerhalb und über vier Millionen innerhalb Syriens. Angesichts des bevorstehenden Winters muss noch sehr viel mehr getan werden, um diese Menschen zu unterstützen. Hilfe brauchen besonders die Nachbarländer Syriens, die große Flüchtlingsströme aufgenommen haben und vor der Gefahr der Überbelastung und Destabilisierung stehen. Noch einmal möchte ich hier zum Ausdruck bringen: Auch Deutschland muss sich weiterhin und verstärkt seiner humanitären Verpflichtung stellen. Das bedeutet auch, dass wir bereit sein sollten, mehr als die angekündigten 5.000 Flüchtlinge aus der Region bei uns aufzunehmen.

Die Sorge der deutschen Bischöfe gilt allen Opfern dieses schrecklichen Konfliktes, aber es ist uns erlaubt, einen eigenen Blick auf die Christen zu werfen. Immer mehr droht die christliche Minderheit in Syrien, immerhin zehn Prozent der Bevölkerung, zwischen den Bürgerkriegsparteien zerrieben zu werden. Es wäre sowohl für das weltweite Christentum als auch für die Gesellschaften in Syrien und in der Region ein katastrophaler Verlust, wenn das lebendige Erbe des Christentums, das diese Weltgegend immer mit geprägt hat, ausgetilgt oder zu einer verschwindenden Größe werden würde. Des Weiteren darf ich auf die Presseunterlagen verweisen, die Ihnen Bischof Norbert Trelle (Hildesheim) und Bischof Dr. Stephan Ackermann (Trier) sowie der Leiter von Caritas International, Dr. Oliver Müller, am 25. September 2013 zur Verfügung gestellt haben.

Bischöfliche Aktion Adveniat

Das Bischöfliche Werk Adveniat erhält eine neue Rechtsstruktur. Die Vollversammlung hat der Gründung eines „Adveniat e.V.“ zugestimmt und eine Anpassung des Statuts von Adveniat beschlossen. Die neuen Vorgaben für die Vergabe des „Spendensiegels“ (DZI) hatten die bisherige enge Verzahnung zwischen Adveniat und der Verwaltung des Belegenheitsbistums Essen in Frage gestellt. Die Bischöfe entschieden sich daher für eine Struktur, wie sie in ähnlicher Weise auch in den anderen bischöflichen Werken verwirklicht ist.

16. Jugend

72-Stunden-Aktion des BDKJ

Als großen Erfolg bewerten die deutschen Bischöfe erneut die 72-Stunden-Aktion des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), die vom 13. bis 16. Juni 2013 stattfand. Diese Aktion praktizierter Gottes- und Nächstenliebe ist ein starkes christliches Zeugnis in die Gesellschaft hinein. Über 125.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit mehr als 50.000 Unterstützern haben fast 4.000 Sozialprojekte durchgeführt. Die Aktion war in zweifacher Richtung wirksam: Einerseits erfuhren viele Menschen durch die Projekte konkrete Hilfe, andererseits gab es bei allen Beteiligten ein hohes Maß an persönlicher Identifikation mit der Aktion. Es war ein schönes Zeichen, dass auch Papst Franziskus sich mit einer persönlichen Grußbotschaft an die Teilnehmer gewandt hat. Die deutschen Bischöfe sind den Teilnehmern und Partnern der Aktion für diesen Einsatz außerordentlich dankbar.

Weltjugendtag in Rio de Janeiro

Der Vorsitzende der Jugendkommission, Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann (Speyer), hat uns über den XXVIII. Weltjugendtag in Rio de Janeiro informiert, der vom 23. bis 28. Juli 2013 stattfand. Die rund 1.900 deutschen Teilnehmer trafen im Rahmen der „Missionarischen Woche“ vor Beginn des Weltjugendtags mit Gleichaltrigen aus verschiedenen brasilianischen Partnerdiözesen zusammen und erlebten dabei ein großes Maß an Herzlichkeit und Gastfreundschaft. 13 deutsche Bischöfe begleiteten die jungen Pilger und begegneten ihnen an drei aufeinanderfolgenden Tagen bei morgendlichen Katechesen und Gottesdiensten, die mittlerweile zum festen Bestandteil des Weltjugendtages gehören.

Papst Franziskus gelang es, die Herzen der gut drei Millionen Teilnehmer von Beginn an zu begeistern. Mit seinen Gesten des offenen und angstfreien Zugehens auf die Menschen und mit seinen jugendgemäßen, schlichten, gleichzeitig von einer großen geistlichen Tiefe geprägten Worten war es ihm möglich, mit den Jugendlichen unmittelbar in einen geistlichen Dialog zu treten. Papst Franziskus rief die Jugend der Welt dazu auf, sich als Protagonisten aus dem Glauben an Jesus Christus aktiv in die Gestaltung der Welt einzubringen und so zu Zeugen der Frohen Botschaft zu werden. Bewusst griff er sowohl in seinem Begleitprogramm als auch in seinen Ansprachen die bestehenden sozialen und politischen Fragen auf und verlieh somit dem Weltjugendtag neben einer tief geistlichen auch eine politisch-diakonische Dimension.

Trotz mancher organisatorischer Mängel, etwa im Hinblick auf die Zuteilung von Quartieren und Katechesen, ist den Verantwortlichen des Weltjugendtags die Organisation der verschiedenen Gottesdienste und Großveranstaltungen mit zwischen 2,5 und 3,5 Millionen Teilnehmern gut gelungen. Dies gilt insbesondere für die wetterbedingte Verlegung der Vigilfeier und des Abschlussgottesdienstes von dem ursprünglich vorgesehenen Feld in Guaratiba an die Copacabana. Besorgnisse und Ängste, die im Vorfeld des Weltjugendtagesinsbesondere im Hinblick auf die Sicherheitslage und den Straßenverkehr geäußert wurden, haben sich nicht bestätigt.

Die deutschen Bischöfe sind allen Verantwortlichen in der deutschen Jugendpastoral dankbar für die Vorbereitung, Organisation und Durchführung, insbesondere der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (afj), dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und den Jugendseelsorgern sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der katholischen Jugendämter. Ein Dank geht auch an die bischöfliche Aktion Adveniat, die die Vorbereitungen sowie die Durchführung vor Ort mit ihren Lateinamerika-Erfahrungen unterstützte und es Pilgern ermöglichte, Einblicke in die sozialen Realitäten des Gastlandes zu erhalten.

17. Caritas

Delegationsreise USA und San Salvador

Kardinal Rainer Maria Woelki berichtete über eine Informations- und Gesprächsreise, die er als Vorsitzender der Kommission für caritative Fragen im Sommer 2013 in Begleitung von Weihbischof Dr. Thomas Löhr (Limburg) und Prälat Dr. Peter Neher (Präsident des Deutschen Caritasverbandes) in die Vereinigten Staaten (New York und Tucson) und nach El Salvador (San Salvador) unternommen hat. Ziel der Reise war es, die Caritasarbeit unter anderen politischen, kulturellen und staatlichen Rahmenbedingungen kennenzulernen und Impulse für die deutsche Caritas zu erhalten. Thematisch ging es vor allem um den Umgang mit Armut, Ausgrenzung und ihren Folgen, die sich an den verschiedenen Stationen der Reise unterschiedlich darstellte.

Kardinal Woelki markierte drei zentrale Erkenntnisse aus der Reise, die aus seiner Sicht auch die deutsche Perspektive auf die Caritas der Kirche schärfen könnten: Erstens ist die kirchliche Caritas äußerst vielfältig und muss stets in ihrer Gesamtheit wahrgenommen werden. Dazu gehören neben den Diensten und Einrichtungen der verbandlichen Caritas immer auch das Engagement und die freien Initiativen einzelner Christen, von Ordensgemeinschaften und weiteren Gruppierungen der katholischen Kirche. Zweitens lebt kirchliche Caritas zu einem erheblichen Teil vom freiwilligen Engagement getaufter Christen. Ohne dieses Engagement wäre die Caritas bei weitem nicht so wirkungsvoll und anerkannt, wie es der Fall ist. Dieses Engagement aus christlicher Verantwortung heraus ist ein unverzichtbarer Schatz für die Kirche weltweit. Und drittens stellte der Kardinal fest: Das konkrete, authentische Engagement kirchlicher Caritas für und mit Menschen in Armut und Not ist von unerlässlicher Bedeutung für die Überzeugungskraft politischer Caritas zur Überwindung von Ungleichheit und Ausgrenzung. Erzbischof Oscar Romero ist auch heute noch für viele Menschen in El Salvador eine zentrale Identifikationsfigur, weil er beides miteinander verbunden getan hat: Politischer Einsatz zur Überwindung von Ungerechtigkeit,Ausgrenzung und Gewalt und persönlicher caritativer Einsatz für Menschen in Not und Armut.

18. Personalia

-Bischof Dr. Friedhelm Hofmann (Würzburg) wird Stellvertretender Vorsitzender der Kommission für Wissenschaft und Kultur der Deutschen Bischofskonferenz.

-Weihbischof Dr. Michael Gerber (Freiburg) wird Mitglied der Kommission für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste sowie Mitglied der Kommission für Wissenschaft und Kultur der Deutschen Bischofskonferenz.

-Weihbischof Ansgar Puff (Köln) wird Mitglied der Kommission für caritative Fragen und der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz.

-Weihbischof Johannes Wübbe (Osnabrück) wird Mitglied der Liturgiekommission und der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz.

-Weihbischof Dr. Christoph Hegge (Münster) wird Beauftragter für die Bischöfliche Studienförderung Cusanuswerk.

-Weihbischof Wilfried Theising (Münster) wird Beauftragter für den Katholischen Akademischen Ausländer-Dienst (KAAD).

-Pfarrer Sascha Ellinghaus (Dortmund) wird Leiter der Katholischen Circus- und Schaustellerseelsorge in Deutschland.

-Dr. Silvia Becker (Düsseldorf) wird erneut zur Beauftragten der Deutschen Bischofskonferenz für Deutschlandradio und Deutsche Welle (Bonn) berufen.

-Juliane Bittner (Berlin) wird zur stellvertretenden Beauftragten der Deutschen Bischofskonferenz für Deutschlandradio Kultur und Deutsche Welle-TV (Berlin) berufen.

-Dr. Matthias Meyer (Bonn) wird erneut zum Vertreter der katholischen Kirche in den Hörfunkrat des Deutschlandradios berufen.

-Pfarrer Dietmar Heeg (Frankfurt) wird erneut zum Beauftragten der Deutschen Bischofskonferenz beim Fernsehsender RTL berufen.