Frauenerwerbstätigkeit - Eine Legende zerfällt

Frauenerwerbsquote in Deutschland liegt über dem europäischen Durchschnitt

Sankt Augustin, (ZENIT.orgIDAF) | 1178 klicks

Über viele Jahre verging kaum eine Woche ohne die immer gleiche Pseudo-Nachricht zur Frauenerwerbstätigkeit in Deutschland: Gazetten und Rundfunk „berichteten“, dass Frauen in Deutschland noch immer zu selten erwerbstätig seien. Anlass dafür waren Mitteilungen der OECD oder der Europäischen Kommission, die zufällig immer dann erschienen, wenn in Deutschland familienpolitische Entscheidungen anstanden. Der Tenor war stets derselbe: Die Bundesregierung müsse die Ganztagsbetreuung ausbauen, auf das Betreuungsgeld wie auch ein höheres Kindergeld verzichten und das Ehegattensplitting „reformieren“. Die separate Versteuerung der Ehepartner will die Kommission als „attraktivere Besteuerung von Doppelverdienern“ verkaufen; faktisch geht es darum, dass Millionen Einverdienerfamilien mehr Steuern zahlen sollten. Solche „Anreize“ - sprich: finanzieller Druck - seien notwendig, damit Deutschland endlich seinen „Rückstand“ - gegenüber vergleichbaren Ländern aufhole. Diese Botschaft hämmerten den Deutschen zahllose Artikel und Rundfunkbeiträge ein, bis sie jeder glaubte - oder zumindest kaum einer mehr widersprach.

Um die nüchterne Wahrheit der Zahlen scherte sich diese „Kommunikationspolitik“ nie sonderlich. Diese Wahrheit ist: Schon seit Mitte des letzten Jahrzehnts liegt die Frauenerwerbsquote in Deutschland über dem europäischen Durchschnitt und höher als in Frankreich, das damals ständig als „Best-Practice“-Beispiel der Vereinbarkeit von Beruf und Familie empfohlen wurde. In den Folgejahren hat die Finanz- und Wirtschaftskrise ihre Spuren auf den Arbeitsmärkten hinterlassen: In den meisten EU-Ländern gingen zwischen 2007 und 2011 die Beschäftigungsquoten von Frauen zurück, während sie in Deutschland gegen den Trend weiter (+4,4 Prozent) anstiegen. Noch stärker als die Männer (+2,3 Prozent) profitierten damit die Frauen von dem international einzigartigen deutschen Arbeitsmarkterfolg. Mit diesem „Beschäftigungswunder“ ist Deutschland im „internationalen Ranking“ der Frauenerwerbsquote noch weiter nach vorn gerückt: Inzwischen erreicht sie fast das Niveau Dänemarks, das weltweit als Gleichstellungsvorbild firmiert. Diese Entwicklung belegen seit Jahren die Zahlen der europäischen Statistikbehörde, die jeder im Internet abrufen kann. Unbeschadet dessen wurde unentwegt weiter mit dem Mythos von der deutschen Rückständigkeit „Politik gemacht“.

Nach jahrelanger Dauerbeschallung fällt nun einschlägigen Medien auf, dass mit ihrem vermeintlichen Evergreen etwas nicht stimmt: „Deutschland holt bei der Erwerbsquote von Frauen offenbar schnell auf“ - so melden sie unter Berufung auf „Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft“. Die vermeintlichen neuen Erkenntnisse sind natürlich nichts anderes als die amtlichen Zahlen der europäischen Statistiker - die „IDAF“ in seinem ersten Newsletter 2013 bereits darstellte und analysierte. An diesen Zahlen verwundert die Journalisten der „Abstand“ zum europäischen Durchschnitt, den Deutschland weit (+6,4 Prozent) übertrifft. „Aufholen“ ist hier offensichtlich der falsche Ausdruck. Zutreffend wäre es darauf hinzuweisen, dass Deutschland das Niveau in Frankreich, Großbritannien und auch den USA  längst „überholt“ hat und die Frauenerwerbsquote heute zu den höchsten in der OECD-Welt gehört.

Warum feiern Politik und Medien diese Entwicklung nicht als Erfolg? Ein wesentlicher Grund dafür ist der Anstieg der Teilzeiterwerbstätigkeit von Müttern, der den Arbeitsmarkt- und Gleichstellungspolitikern zuwider ist. Er widerspricht ihren Mobilisierungsplänen für den Arbeitsmarkt und ihrem Ideal gleicher Lebensverläufe von Männern und Frauen. Ihre  ideologische Agenda  werden sie daher weiter propagieren  - auch wenn dies der Wirklichkeit des Arbeitsmarktes einerseits  und den Wünschen von Eltern andererseits widerspricht.