Frei vorgetragene Ansprache Benedikts XVI. bei seinem zweiten Besuch in einer römischen Pfarrgemeinde (26. März 2006)

Die Kirche in Rom ist lebendig und keine "kirchliche Bürokratie"

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ROM, 29. März 2006 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Benedikt XVI. am Sonntag nach der Heiligen Messe in jener modernen Pfarrei im römischen Vorstadtviertel Tor Tre Teste gehalten hat, die Gott, dem barmherzigen Vater, geweiht ist. Der Heilige Vater, der keinerlei Unterlagen bei sich hatte, würdigte das lebendige Glaubensleben der römischen Kirche.



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Lieber Pfarrer, liebe Freunde!

Ich sehe, dass Ihr wirklich eine lebendige Pfarrgemeinde seid, in der alle mitarbeiten und einer die Last des anderen trägt, wie der heilige Paulus sagt. Und auf diese Weise tragt Ihr zum Wachstum des lebendigen Gebäudes des Herrn bei, das die Kirche ist. Dieses Gebäude ist nicht aus materiellen Steinen errichtet, sondern aus lebendigen Steinen; es wird von den Getauften gebildet, die sich alle für den Glauben der anderen verantwortlich fühlen und miteinander die Freude über das Getauftsein sowie über die Erkenntnis Gottes im Angesicht Jesu teilen. Aus diesem Grund setzt Ihr euch dafür ein, dass diese Pfarrei wirklich wachsen kann.

Wir nähern uns dem Osterfest, und dabei werden uns zwei Aspekte des christlichen Lebens vorgelegt: der eine ist eine Steigung, eine Aufstiegsbewegung, die sogar etwas schwierig sein kann; der andere ist immer das Licht Gottes, das Licht unseres Herrn.

Ich möchte euch lediglich für euren Einsatz danken. In einer Pfarrei so viele tatkräftige Menschen zu sehen, die die Kranken besuchen, den Notleidenden helfen und den Pfarrer unterstützen, eine gute Feier der Liturgie zu gewährleisten, ist eine Freude für den Bischof von Rom, der ich bin, auch wenn die konkrete Tätigkeit vom Kardinalvikar ausgeübt wird. Dennoch spüre ich diese Verantwortung und bin wirklich froh, sehen zu dürfen, dass Rom – das "alte Rom" – ein "junges Rom" ist und in lebendigen Pfarrgemeinden vor Leben sprüht.

Der Glaube muss gefördert werden, denn außerhalb Italiens denkt man, dass es in Rom nur Zeremonien und kirchliche Bürokratie und kein großes kirchliches Leben gibt. Dabei kann Letzteres gerade in den römischen Vorstadtvierteln beobachtet werden. Rom ist jung; die Kirche ist immer wieder von neuem jung. Ich finde es großartig, diese rege Teilnahme zu sehen. Alles, was ich tun kann, ist Danke zu sagen und euch dazu ermutigen, unter der Leitung eures Pfarrers so weiterzumachen. Und schon jetzt will ich euch allen frohe Ostern wünschen!

[ZENIT-Übersetzung aus dem Italienischen; © Copyright 2006 – Libreria Editrice Vaticana]