Freude am Glauben: Forum deutscher Katholiken

11. Kongress vom 9. bis 11. September in Karlsruhe

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KAUFERING, Freitag, 13. Mai 2011 (ZENIT.org). – Das Generalthema des Kongresses, „Die Kirche und ihre Sorge für die Menschen“, war Thema eines Interviews mit dem Vorsitzenden des Forums Deutscher Katholiken, Prof. Dr. Hubert Gindert.

Der Kongress „Freude am Glauben“, der vom 9. bis 11. September 2011 in Karlsruhe stattfinden wird, hat das Generalthema „Die Kirche und ihre Sorge für die Menschen“. Kann die Kirche angesichts der Verfehlungen in den eigenen Reihen, ich erinnere an die sexuellen Missbrauchsfälle, noch glaubwürdig so sprechen?

Gindert: Die Kirche selber bezeichnet sich als die „Ecclesia semper reformanda“, d. h. als die immer erneuerungsbedürftige Kirche. Es waren Mitglieder der Kirche, die Unrecht getan haben. Aber auch Eltern und Lehrer, die Fehler begehen, können sich deswegen nicht von der Sorge um die ihnen Anvertrauten dispensieren. Entscheidend bleibt, dass Fehler eingestanden und nach Möglichkeit wieder gut gemacht werden. Die Kirche, auf die 0,3 Prozent der sexuellen Missbrauchsfälle in Deutschland zurückgeführt werden, hat sich den Opfern gestellt und versucht, sie dafür zu entschädigen. Bei den 99 Prozent der sexuellen Missbrauchsfälle in der zivilen Gesellschaft wartet man noch darauf.

Führt die angesprochene „Sorge der Kirche“ nicht dazu, dass sie ihre Nase auch in Töpfe steckt, die sie nichts angehen, z. B. in die Politik?

Gindert: Die Politik regelt heute nahezu alle Lebensbereiche, so dass der Freiraum für die Menschen immer mehr eingeengt wird. Trotzdem, um bei aktuellen Fällen zu bleiben, empfiehlt die Kirche den Ägyptern nicht das westliche Demokratiemodell zur Lösung ihrer Probleme. Sie tritt aber dafür ein, dass die koptischen Christen Religionsfreiheit praktizieren können. Die Kirche sagt nicht, wie die politische Lösung für die Bootsflüchtlinge auf der Mittelmeerinsel Lampedusa auszusehen hat, wohl aber, dass die Flüchtlinge menschenwürdig behandelt werden müssen. Die Kirche nimmt nicht Stellung zur Wirtschaftspolitik der chinesischen Volksrepublik. Sie fordert aber, dass die Katholiken der Untergrundkirche, ebenso wie die regimetreuen Katholiken, das Menschenrecht auf Religionsfreiheit bekommen.

Das sind alles Beispiele von weit entfernten Regionen dieser Welt. Wie sieht aber diese „Sorge für die Menschen“ in Westeuropa, in der EU aus?

Gindert: Auch hier hält sich die Kirche an die ihr von Gott übertragene Aufgabe. Sie sagt z. B. in Deutschland nicht, ob das Projekt ‚Stuttgart 21‘ die richtige Lösung der Verkehrsprobleme des 21. Jahrhunderts ist. Aber sie ergreift Position in der Frage der Abtreibung oder der Selektion von Embryonen, um Wunschkinder (PID) zu produzieren. Sie nennt Abtreibung eine bewusste Tötung hilfloser, ungeborener Kinder. Sie tritt für die Begleitung unheilbar Kranker oder Sterbender ein, aber gegen aktive Sterbehilfe. Sie mahnt eine Wirtschaftsordnung an, die den Eltern erlaubt, den Kindern Geborgenheit und Liebe, wenigstens in den ersten Lebensjahren, zu schenken.

Politik und Medien fordern uns auf, uns besser den „Lebenswirklichkeiten“ anzupassen. Die Kirche sperrt sich vielfach dagegen. Ist das die richtige Sorge?

Gindert: Anpassung an die so genannte ‚Lebenswirklichkeit‘ meint bei uns auch Abtreibung, Ehescheidung, Zusammenleben ohne Trauschein, die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe. Die Kirche muss auch die Kehrseite dieser ‚Lebenswirklichkeiten‘ mit Namen nennen. Denn, nicht wer die Ehescheidung erleichtert, tut etwas für den Menschen, sondern wer die Familie stärkt. Nicht wer die Abtreibung legalisiert, tut etwas für die Frau – von den getöteten Kindern wollen wir gar nicht reden – sondern wer der Frau hilft und sie ermutigt, das Kind auszutragen. Nicht wer das Zusammenleben ohne Trauschein als gegebene Realität hinnimmt, tut etwas für die jungen Leute und die Zukunft unserer Gesellschaft, sondern wer ihnen Mut macht, zu einem Ja zur Ehe und zu den Kindern, hilft ihnen wirklich.

Aber die Entwicklung, die die Menschheit in den letzten Jahrzehnten genommen hat, war doch nicht nur negativ. Vergisst die Kirche die großartigen Leistungen in Medizin, Technik und Wirtschaft?

Gindert: Darauf antwortete Papst Benedikt XVI. im Interview mit Peter Seewald (‚Licht der Welt‘), wenn er sagt: ‚Dieses Denken, das so viele Erfolge verzeichnet und viel Richtiges beinhaltet, hat die Grundorientierung des Menschen zur Wirklichkeit verändert. Er sucht nicht mehr das Geheimnis, das Göttliche, sondern er glaubt es zu wissen. Die Wissenschaft wird all das, was wir jetzt noch nicht verstehen, irgendwann noch enträtseln. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, dann beherrschen wir alles. Wir haben ja gesehen, dass im Fortschritt zwar unser Können gewachsen ist, aber nicht auch unsere moralische und menschliche Größe und Potenz‘.

Geht die Absicht des Papstes nicht dahin, die Massenabwanderung von der Kirche zu stoppen und die Menschen unter der schön klingenden Bezeichnung „Sorge“ wieder in die Kirche zurückzuholen?

Gindert: Nein. Es geht darum, die Menschen, die weithin orientierungslos geworden sind und wie verirrte Schafe in der Steppe herumirren, oft nicht mehr aus und ein wissen, wieder Hoffnung zu geben, in dem sie zu Gott zurückkehren. Der Papst drückt es so aus: ‚Zu dieser Umkehr gehört, dass man Gott wieder an die erste Stelle setzt. Dann wird alles anders‘.

Das Interview führte der Publizist Dr. Friedrich Engelmann

Informationen und Anmeldung zum Kongress: Website