Freunde Gottes: das Super-Facebook

Impuls zum 12. Sonntag im Jahreskreis

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Von Msgr. Dr. Peter v. Steinitz*

MÜNSTER, 22. Juni 2012 (ZENIT.org). -Wir sagen (und singen), dass die Heiligen, die die Kirche verehrt, „Freunde Gottes" sind. Für manche, gerade junge Leute, ein Grund, schnell mal abzuschalten, denn da gilt oft das Motto: „Kenn ich schon, interessiert mich nicht." Das Problem eines alt gewordenen Christentums: Man weiß schon alles, oder besser gesagt, man glaubt, schon alles zu wissen.

Die Heiligen sind es aber dennoch wert, dass man sich auch heute mit ihnen befasst. Einerseits, weil Gott sie so hoch erhoben hat, andererseits aber, weil sie allen, auch gerade jungen Menschen, sagen können, wie man mit dem Leben gut zurecht kommt. Junge Leute sind gern mit anderen (jungen) Leuten zusammen. Sie ziehen aus der Begegnung mit anderen – oft unbewusst – reichen Gewinn. Ohne es unbedingt zu wissen, halten sie sich an die Maxime der Hl. Schrift: „Vae solis"– wehe dem, der allein ist.

Durch die Mittel der modernen Digitaltechnik ist es jedem möglich, nicht nur mit einigen, sondern mit sehr vielen anderen in Kontakt zu treten, von denen man annimmt, dass sie Gleichgesinnte sind, oder wenigstens irgendwie interessant. Auf diese Weise haben viele (übrigens nicht nur Jugendliche) eine große Menge Freunde, manche bis zu mehreren Tausenden. Stellt sich aber ein neues Problem: wie kann man sich mit so vielen Menschen freundschaftlich austauschen?

Durch die Mittel der traditionellen christlichen Religion wiederum ist es jedem möglich, buchstäblich mit Tausenden von interessanten Persönlichkeiten in freundschaftlichen Kontakt zu treten, wobei dieser sich nicht auf kurze Bemerkungen und Fotos beschränken muss, sondern eine wirkliche tiefe Freundschaft dabei entstehen kann. Die vielen tausend Freunde Gottes haben ungeahnte Möglichkeiten, uns nahe zu sein und sogar zu helfen, wenn wir Probleme haben. Die Sache ist überdies ganz einfach zu organisieren, man braucht kein Handy, überhaupt keine technischen Geräte, nur den rechten Gebrauch von Herz und Verstand, sprich, man muss beten.

Wer sich auf die Suche nach den oft unbekannten Heiligen begibt, erlebt zunächst eine große Überaschung: die Heiligen sind untereinander unglaublich verschieden.

Auf diesen 12. Sonntag im Jahreskreis fällt das Fest des größten Heiligen („der größte der von einer Frau Geborenen", sagt Jesus von ihm, Mt. 11,9). Der hl. Johannes der Täufer hat in der Tat alle Voraussetzungen, dem modernen Jugendlichen als „cooler Typ" vorzukommen. Mit einem Fell bekleidet, direkt aus der Wüste kommend, sagt er den Menschen harte Dinge („voll der Hammer"). Aber die Menschen akzeptieren die Bußpredigt, weil sie wissen, er hat recht.

Die heiligen Märtyrer John Fisher und Thomas More können begeistern, weil sie der staatlichen Gewalt erfolgreich (als Märtyrer sozusagen himmelserfolgreich) getrotzt haben. Ganz anders wieder der hl. Aloisius, der sich im Dienst an den Pestkranken völlig verausgabt hat, sich angesteckt hat und früh gestorben ist. Bei näherem Hinsehen entdeckt man sogar, dass er als Jugendlicher in einer ziemlich abgedrehten Umgebung so etwas wie Keuschheit gelebt hat, was ihm offensichtlich nicht klein und unerfüllt gemacht hat, sondern aus ihm einen ganz großen Heiligen gemacht hat, wirklich „angesagt". Nach 20 Jahrhunderten Christentum taucht der hl. Josefmaria auf, der Gründer des Opus Dei, der den Menschen in Erinnerung gerufen hat, dass alle zur Heiligkeit berufen sind (irgendwann entdeckt man, dass Heiligkeit dasselbe ist wie „gut drauf" und „voll verwirklicht"), und dass man sich außerdem – apostolisch – um andere kümmern muss, damit sie nicht den Bach herunter gehen, sondern das Klassenziel, den Himmel, erreichen. Man stellt ganz zufrieden fest, dass es Spaß macht, nicht immer nur an sich selbst zu denken, und dass die vielen Freunde dann erst richtig sinnvoll sind, wenn man mit ihnen nicht nur jetzt, sondern ewig verbunden ist.

Apropos „apostolisch": Da feiern wir am 29. Juni die beiden so genannten Apostelfürsten Peter und Paul. Wenn wir Christus ernst nehmen, seine überwältigende Liebe begriffen haben, dann erscheint es ja nur logisch, dass da eine Organisation sein muss, die die Botschaft Jesu durch die Jahrhunderte weiterträgt und die Erlösung an den einzelnen Menschen bringt. Und bei all der Verwirrung unserer Tage: wie gut wenn diese Organisation von Gott eine Sicherheit bekommt, dass sie sich im großen und ganzen vor Irrwegen geschützt weiß. „Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen" (Mt 16,18), das erscheint dann wirklich hilfreich, denn nicht nur alte Menschen, sondern auch junge suchen Sicherheit, und zwar nicht nur in wirtschaftlicher oder sozialer Hinsicht, sondern auf Dauer, auf ewig.

Zufällig sind die Heiligen dieser Woche alle Männer. Aber für die Frauen gilt das gleiche: Elisabeth, Hildegard, Edith Stein usw. Der „größte der von einer Frau Geborenen", dieses Wort Jesu erinnert daran, dass auch der größte Mensch nur Mensch sein kann dank einer Frau, seiner Mutter.

Und da ist eben auch die große Menschenmutter, Maria, die jedem Hilfe und Vorbild ist.

*Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“ und „Leo - Allah mahabba“. Im katholischen Fernsehsender EWTN ist er montags um 17.30 Uhr mit der wöchentlichen Sendereihe „Schöpfung und Erlösung”, die beiden großen Werke Gottes und die Mitwirkung des Menschen, zu sehen.