Freundschaft mit Jesus

Priestertum muss Frucht bringen wie der Weinstock

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VATIKANSTADT, Mittwoch, 29. Juni 2011 (ZENIT.org). - Das „Erschrecken“ über die ihm bei seiner Priesterweihe vor sechzig Jahren verliehenen Vollmachen wie die zur Sündenvergebung „in persona Christi „stellte Papst Benedikt XVI. an den Beginn seiner Predigt während  der Heiligen Messe im Petersdom zum Fest der heiligen Apostel Petrus und Paulus.

„Er gibt mir die fast erschreckende Vollmacht zu tun, was nur er, der Sohn Gottes, sagen und tun kann und darf: Ich vergebe dir deine Sünden“, so der Papst.

Der Herr sei hinabgestiegen in die Nacht unserer Schuld und habe sie durch sein Leiden und Tod umgewandelt. Durch die Vollmacht der Vergebung habe er ihn hineinschauen lassen in den Abgrund des menschlichen Seins, aber auch in die Größe seines Leidens und damit die Größe der Liebe zu uns Menschen.

„Er vertraut mir das Wort der Wandlung in der Eucharistie an. Er traut mir zu, dass ich sein Wort verkünde, es recht auslegen und zu den Menschen von heute bringen kann. Er vertraut sich mir an“.

Die Freundschaft, die der Herr ihm geschenkt habe, könne nur den Auftrag bedeuten, ihn immer mehr zu erkennen, durch die Schrift, durch die Sakramente, durch die Menschen, die er ihm schicke. Aber Freundschaft sei nicht nur Erkennen, sie bedeute auch vor allem Gemeinschaft des Wollens.

„Sie bedeutet, dass mein Wille hineinwächst in das Ja zu dem seinigen“, so der Papst.

„Herr, hilf mir, dich immer besser zu erkennen. Hilf mir, immer mehr eins zu sein mit deinem Willen. Hilf mir, mein Leben nicht für mich selbst zu leben, sondern es mit dir für die anderen zu leben. Hilf mir, immer mehr dein Freund zu werden“.

Das Wort Jesu von der Freundschaft stehe in Verbindung mit der Rede vom Weinstock. Es sei der Auftrag, den eigenen Lebensbereich zu überschreiten, Frucht zu bringen und alle Völker das Evangelium zu lehren. Die Bedingungen der Trauben, Frucht zu bringen, verglich der Papst dann mit den Bedingungen für ein gelungenes Priesterdasein:

„Wir brauchen Sonne und Regen, das Heitere und das Schwere, die Phasen der Reinigung und der Prüfung wie auch die Zeiten des freudigen Unterwegsseins mit dem Evangelium. In der Rückschau können wir Gott für beides danken: für das Schwere und für das Frohe, für die dunklen und für die glücklichen Stunden. In beidem erkennen wir die immerwährende Gegenwart seiner Liebe, die uns stets neu trägt und erträgt“.

Die eigentliche Frucht, die der Herr erwarte, sei die Liebe. Dabei dürfe man nicht vergessen, dass im Alten Testament der erwartete Wein aus edlen Trauben die Gerechtigkeit sei.

„Und sagen wir nicht, dies sei alttestamentlich und nun überwunden – nein, das bleibt immer wahr. Der wahre Inhalt des Gesetzes, seine Summe, ist die Liebe zu Gott und zum Nächsten. Aber diese doppelte Liebe ist nichts bloß Angenehmes…Ihr innerer Anspruch, die Treue zu Christus und seiner Kirche will immer auch erlitten sein. Gerade so wächst die wahre Freude… Gregor der Große hat in diesem Zusammenhang einmal gesagt: Wenn ihr zu Gott strebt, sorgt dafür, nicht allein zu ihm zu gelangen – ein Wort, das uns als Priester jeden Tag vor der Seele stehen muss“.

Der Heilige Vater grüßte auch besonders den anlässlich des Festes nach Rom gekommenen ökumenischen Patriarchen Bartolomäus I. und seine Delegation sowie die versammelten Kardinäle und die Erzbischöfe, denen er heute das Pallium verlieh. Das Pallium erinnere an das süße Joch, sei aber auch ein forderndes und formendes Joch. Es erinnere daran, „dass wir als Hirten in seinem Dienst die anderen mittragen, gleichsam auf die Schultern nehmen und zu Christus bringen sollen. Es erinnert uns daran, dass wir Hirten seiner Herde sein dürfen“. Ganz praktisch erinnere es an die Gemeinschaft der Hirten der Kirche mit Petrus.

Der Papst betonte, es habe ihn gedrängt, Worte der Ermutigung und der Hoffnung zu sagen, „ein in der Erfahrung gereiftes Wort davon, dass der Herr gut ist“.

Dieser Tag sei aber besonders ein Anlass zum Dank, Dank an den Herrn, dass er ihm die Freundschaft geschenkt habe, Dank an die Menschen, die ihn geformt und begleitet hätten.

„Und in alledem verbirgt sich die Bitte, dass der Herr einmal in seiner Güte uns annimmt und seine Freude schauen lässt“, schloss der Papst. (jb)