Friede, die größte Sorge des Papstes

Kardinal Bertone kommentiert die Ansprache Benedikts XVI. an die Diplomaten

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ROM, 10. Januar 2007 (ZENIT.org).- Der Friede innerhalb der Kirche und in der ganzen Welt habe für Benedikt XVI. Priorität, bekräftigte Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone, als er am Dienstag gegenüber „Radio Vatikan“ auf die Ansprache des Papstes zum traditionellen Neujahrsempfang für die beim Heiligen Stuhl akkreditierten Botschafter im Vatikan einging.



Im Herzen der Kirche stelle sich zu jeder Zeit das Problem der Beziehung zwischen Teil- und Universalkirche, erklärte der Kurienkardinal. „Deshalb muss die Gemeinschaft zwischen dem Zentrum der Weltkirche – das ist der Heilige Stuhl, der Bischofssitz des Vikars Christi, einschließlich aller Hinweise seines Lehramts, die so klar und aufschlussreich sind – und den Wirklichkeiten der Teilkirchen vertieft werden.“

Die „weltliche“ Aufgabe der Kirche besteht nach Kardinal Bertone vor allem darin, „den Frieden zu fördern – und wir alle haben gesehen und gespürt, wie leidenschaftlich und mit welcher Genauigkeit der Papst in seiner Ansprache an das Diplomatische Corps im Fall von lokalen Konflikten interveniert hat“.

Der Kardinal wies darauf hin, dass Friede „zerbrechlich“ sei, und zwar trotz aller Bemühungen seitens der Welt- und der Ortskirchen, „die sich manchmal als Vermittler zur Lösung lokaler Konflikte zur Verfügung stellen, die vor allem auf dem afrikanischen Kontinent besonders blutig sind“, und auch trotz des Friedenseinsatzes der internationalen Organisationen.

„Aus diesem Grund ist das Friedensproblem ein Problem, vor dem die Kirche nicht zögert, alle ihre Energien und Möglichkeiten auszuschöpfen“, betonte der Kardinal. Zur Lösung von Konflikten verwies er nicht nur auf den Einsatz auf diplomatischer Ebene, sondern zudem auf „kulturelle Wege, Wege des Gebets, Wege der Koexistenz und der Freundschaft zwischen Gruppen, Personen und Familie“.

Kardinal Bertone erklärte in diesem Zusammenhang, dass „Bande und Wege der Versöhnung geschaffen werden müssen, um die Möglichkeiten, die Aussichten auf einen echten und dauerhaften Frieden zu vermehren.“

Um den „Skandal des Hungers“ entgegenzutreten, rufe der Heilige Vater „zur Solidarität auf, zu einer gerechteren Verteilung der Güter der Erde, da die Erde über einen großen Reichtum an Ressourcen verfügt, die jedoch bedauerlicherweise häufig ungerecht verteilt sind“, fuhr der Kurienkardinal fort.

„Der Papst hat dazu aufgerufen, die wirtschaftlichen Maßnahmen zur strukturellen Anpassung zu erneuern, weil bestimmte Strukturen wirklich schädlich sind. Deshalb ist es notwendig, den Handel, die Verteilung der Güter und den Austausch von Rohstoffen mit anderen Gütern, die die Entwicklung der Völker begünstigen, einer Korrektur zu unterziehen.“

Benedikt XVI. habe in seiner Ansprache die Bedeutung des „Rechts auf Religionsfreiheit“ hervorgehoben, weil er dieses Recht als „Pfeiler“ ansehe, auf dem alle anderen Menschenrechte ruhten. „Wird das Recht auf Religionsfreiheit verletzt, dann geraten auch andere Menschenrechte in Mitleidenschaft.“