Friedenspreis für Kinder

Mutiger Einsatz im Kampf gegen die Probleme in Herkunftsländern wird prämiert

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Von Paola De Groot -Testoni

DEN HAAG, 24. September 2012 (ZENIT.org).- Für den Internationalen Friedenspreis für Kinder wird jedes Jahr weltweit ein Kind ausgewählt, das sich mit besonderem Mut gegen die Schwierigkeiten der Kinder in aller Welt zur Wehr gesetzt hat.

Der Preis ist eine Initiative der niederländischen Stiftung KidsRights, die im Jahre 2005 während einer Weltversammlung der Friedensnobelpreisträger auf Anregung von Mikhail Gorbatchov gegründet wurde.

Die Kandidaten werden von einem Expertenausschuss bewertet, der daraufhin den Sieger kürt und dem Kind einen Geldpreis in der Höhe von € 100.000 überreicht. Dieses Geld bekommt die Organisation, die damit Projekte in den Herkunftsregionen der Gewinner finanziert. Der Preis ist ein Zeichen der Anerkennung und bietet den Siegern ebenso eine Plattform zur Umsetzung ihrer Ideale und für die Verbreitung ihrer Botschaft an einen größeren Publikumskreis. Zum Sieger der Ausgabe von 2012 wurde der 13jährige Philippiner Kesz gekürt. Sein Bemühen galt der Gesundheit von mehr als 240.000 Straßenkindern in seinem Land.

Zu diesem Anlass begegnete ZENIT der jungen Mayra Avellar Neves, die den Preis im Jahr 2008 vom südafrikanischen Erzbischof Desmond Tuto für ihren engagierten Kampf gegen die Gewalt in der Favela „Vila Cruziero“ von Rio de Janeiro in Brasilien entgegennahm.

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ZENIT: Du hast im Jahr 2007 einen Marsch für den Frieden in der Favela „Vila Cruzeiro“ in Rio de Janeiro veranstaltet. Was hat dich dazu bewogen, diese Initiative zu ergreifen? Wie hat es sich vor allem angefühlt, mit 15 Jahren eine „Anführerin“ zu sein?

Mayra: Ich glaube, meine Gedanken waren anders als jene meiner Altersgenossen. Die meisten von uns haben sich mit dem Problem abgefunden, denn es scheint so groß, so unlösbar. Ich aber habe die Hoffnung nie aufgegeben und wollte eine Veränderung. Ich bin zu folgendem Schluss gekommen: Wenn wir nicht handeln, müssen wir unser Leben weiterhin abgesperrt und in ständiger Angst vor Gewalt verbringen. 

ZENIT: Du bist Mitglied einer Theatergruppe, die auch in Europa auf Tournee gegangen ist. Wofür engagiert ihr euch?

Mayra: Wir reisen oft ins Ausland, um unsere Botschaft zu verbreiten. Nachdem wir begonnen hatten, haben die Leute uns immer öfter gefragt, wie das Leben in den Favelas aussieht. Diese Frage war nicht einfach zu beantworten. Oft entstand eine lange Liste von verschiedenen Formen der Gewalt und Übergriffen. Wir wollten aber ein detaillierteres und authentischeres Bild zeichnen. Dieser Wunsch hat die Idee der szenischen Darstellung des Lebens in all seinen Formen hervorgebracht, die uns auch die Verwendung einer poetischen Sprache ermöglichte.

ZENIT: Dank deines Einsatzes wurde dir im Jahr 2008 von Erzbischof Desmond Tuto im „Ridderzaal“ der Friedenspreis überreicht. Warum wurdest du ausgewählt?

Mayra: Den genauen Grund für meine Wahl kenne ich nicht. Der Expertenausschuss wählt zwischen drei möglichen Kandidaten. Was mich in diesem Moment am meisten beeindruckt hat, war die Begegnung mit Desmond Tutu. Er ist ein außergewöhnlicher Mensch.

ZENIT: Du hast bereits eine Konferenz und eine Versammlung der Vereinten Nationen abgehalten und bist dort mit Hilary Clinton und vielen anderen ranghohen Persönlichkeiten zusammengetroffen. Deine Initiativen haben Eingang in die Medien deines Landes und auf internationaler Ebene gefunden.

Mayra: Es wurde nicht in allen brasilianischen Medien darüber berichtet, aber die Nachricht über den Preis ist selbstverständlich bis in mein Dorf vorgedrungen.

ZENIT: Hegst du die Hoffnung, dass die Situation sich in diesem Jahr aufgrund der Wahlen in Brasilien verbessert?

Mayra: Der Bürgermeister von Rio de Janeiro hat bis jetzt kein Interesse an unserem Projekt gezeigt, daher setzte ich meine Hoffnung eher in seinen politischen Gegner. Meiner Meinung nach ist es unser Ziel, den Samen der Hoffnung, der in jedem von uns eingepflanzt ist, wachsen zu lassen, sodass die Menschen selbst den Wunsch nach einer wirklichen Veränderung entwickeln.

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Gleich darauf begegnete ZENIT dem Erzbischof Desmond Tutu, der sich anlässlich der Verleihung des Internationalen Friedenspreises für Kinder in Den Haag, Niederlande, befand.

ZENIT: Exzellenz, im Jahr 1984 wurde Ihnen der Friedensnobelpreis verliehen. Welche Veränderung hat diese Auszeichnung in Ihrem Leben bewirkt?

Tuto: Ich habe immer von denselben Dingen gesprochen, vor und nach der Verleihung des Nobelpreises. Was sich verändert hat, ist die Reaktion der Menschen. Zuerst haben sie weggesehen, den Blick gesenkt oder man merkte ihnen ihr Missfallen an. Nachdem ich den Nobelpreis erhalten hatte, nahmen sie jedes meiner Worte wie eine Offenbarung auf.

ZENIT: Was ist Ihr Antrieb für die Verbreitung des Friedens?

Tutu: Ich versuche, die Menschheit mit den Augen Gottes zu betrachten. Wenn er uns ansieht, sieht er uns wie seine Kinder an. Daraus schließen wir, dass wir alle Brüder und Schwestern sind. Was wird Gott denken, wenn er all diese Gewalt sieht, die sich nicht nur gegen Kinder, sondern unter anderem auch gegen Frauen richtet? Jede Form der Gewalt ist unzulässig.

ZENIT: Welche Früchte hat Ihr Einsatz hervorgebracht?

Tutu: Diese Kinder! Im Jahr 2008 habe ich Mayra Avellar Neves den Preis überreicht. Nun bin ich neben Kezs, einem Jungen, der mit einem sehr gut durchdachten und konkreten Gesundheitsprogramm große Taten für seine Altersgenossen auf den Philippinen vollbracht hat.

[Übersetzung des italienischen Originals von Sarah Fleissner]