Friedensprozess im Heiligen Land: Patriarch Michel Sabbah fordert Politiker auf, neue Wege zu gehen

Osterbotschaft 2006 des lateinischen Patriarchen von Jerusalem

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JERUSALEM, 11. April 2006 (ZENIT.org).- Für den Friedensprozess im Heiligen Land seien "neue Visionen und neuer Mut" erforderlich, betont der lateinische Patriarch Michel Sabbah von Jerusalem in seiner diesjährigen Osterbotschaft.



In dem Schreiben, das heute veröffentlicht wurde, betont der Patriarch zunächst, dass Ostern den Beweis dafür erbringe, dass Friede und Eintracht möglich sind, um anschließend an alle politischen Verantwortungsträger den eindringlichen Appell zu richten, neue Wege einzuschlagen.

"Auch das Handeln der Führer und das Tun Einzelner und Gruppen entwickeln sich nur gemäß dieser Logik: Man muss töten, um zu überleben. Man muss töten, weil man getötet wurde. Man muss hassen, weil man Angst hat oder unterdrückt wird. Dies sind die Kriterien gemäß derer wir regiert werden und im Heiligen Land leben, einem Land der Auferstehung, einem Land, in dem Gott gesprochen hat, in dem drei Religionen behaupten, an Gott zu glauben und auf sein Wort zu hören."

Angesichts dieser "harten Realität" fordert Patriarch Sabbah seine Landsleute dazu auf, von neuen Prämissen auszugehen: "Wir müssen an unsere Fähigkeit zu lieben glauben, wir alle, Israelis und Palästinenser. Wir sind fähig zu lieben und für Gerechtigkeit für uns selbst und für andere zu sorgen (…). Wir sind fähig, uns von dem Tod, der uns bis heute auferlegt wurde, zu befreien." Und an die Adresse all derer, die sich der Gewalt, des Terrors sowie des "Gesetzes des Stärkeren" bedienen, ruft er zu: "Ihr, die ihr tötet, hört auf zu töten. Ihr, die ihr hasst, hört auf zu hassen. Ihr, die ihr das Land besetzt haltet, gebt es seinen Besitzern zurück."

Auch wenn diese Sprache für diejenigen, die "die Macht in ihren Händen halten", seltsam klingen möge, wendet sich Patriarch Michel Sabbah abschließend an die Regierenden. Sie fordert er dazu auf, "die Beziehungen zwischen den beiden Völkern in diesem Heiligen Land in einen Zustand von Leben und Frieden zu verwandeln".