Friedensstifter: Papst Benedikt betont gemeinsame Berufung von Katholiken und Mennoniten

Empfang für Abgesandte der Mennonitischen Weltkonferenz

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ROM, 19. Oktober 2007 (ZENIT.org).- Am heutigen Vormittag empfing Papst Benedikt XVI. eine Delegation der Mennonitischen Weltkonferenz. Ihre Mitglieder waren einer entsprechenden Einladung seitens des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen gefolgt und in den Vatikan gekommen.


Die Mennoniten werden auch Alttäufer und Altevangelisch Taufgesinnte genannt. Sie sind eine reformierte christliche Konfession in der Tradition der so genannten „Täufer“. Die Täufer erkennen lediglich die Glaubenstaufe mündiger Erwachsener aufgrund ihres ausdrücklichen Glaubensbekenntnisses an und lehnen die Kindertaufe als unbiblisch ab. Ihr Name leitet sich von ihrem friesischen Gründer Menno Simons (1496-1561) her.

Im Katechismus der Katholischen Kirche gibt es drei Abschnitte, die das Thema der Taufe von Kindern beleuchten. Es heißt dort unter anderem: „Da die Kinder mit einer gefallenen und durch die Erbsünde befleckten Menschennatur zur Welt kommen, bedürfen auch sie der Wiedergeburt in der Taufe, um von der Macht der Finsternis befreit und in das Reich der Freiheit der Kinder Gottes versetzt zu werden, zu der alle Menschen berufen sind. Dass die Heilsgnade ganz ungeschuldet ist, tritt in der Kindertaufe besonders klar zutage. Die Kirche und die Eltern würden dem Kind die unschätzbare Gnade vorenthalten, Kind Gottes zu werden, wenn sie ihm nicht schon bald nach der Geburt die Taufe gewährten.“

Dieser Brauch entspreche dem Auftrag der Eltern, „das Leben, das Gott ihnen anvertraut hat, zu fördern“. Zudem handle es sich bei der Taufe von kleinen Kindern um eine „uralte Tradition der Kirche“, die seit dem zweiten Jahrhundert ausdrücklich bezeugt werde. „Möglicherweise wurden schon zu Beginn der Predigttätigkeit der Apostel, als ganze ‚Häuser‘ die Taufe empfingen, auch die Kinder getauft“, wird hinzugefügt (KKK 1250-1252).

Der Päpstliche Rat zur Förderung der Einheit der Christen präzisiert in einem Kommuniqué, dass die Mennoniten, um einen modernen Begriff zu gebrauchen, als „Pazifisten“ bezeichnet werden könnten. Aufgrund ihrer besonderen Auffassung hinsichtlich der Taufe waren sie während der Reformation oft grausamen Verfolgungen ausgesetzt, sowohl in katholischen als auch in protestantischen Ländern.

In seiner Ansprache vor der Delegation erinnerte der Papst daran, dass nach Jahrhunderten der Isolation im ökumenischen Geist der jüngeren Vergangenheit gegenseitige Kontakte aufgenommen worden sind. „Da Christus selbst es ist, der uns aufordert, nach der Einheit der Christen zu suchen, ist es mehr als richtig und angemessen, dass Mennoniten und Katholiken einen Dialog aufgenommen haben, der es zum Ziel hat, die Gründe für den Konflikt zu verstehen, der im 16. Jahrhundert unter uns aufgetreten ist.“ Benedikt XVI. verwies auf die Notwendigkeit, einander zu vergeben, indem er sagte: „Verstehen heißt: einen ersten Schritt hin zur Versöhnung zu unternehmen.“

Die Mennoniten seien für ihr entschiedenes christliches Zeugnis zur Förderung des Friedens im Namen des Evangeliums wohl bekannt gewesen. Trotz einer Jahrhunderte währenden Trennung habe das Dokument über den menonnitisch-katholischen Dialog mit dem Titel „Gemeinsam berufen, Frieden zu stiften“ gezeigt, dass man viele Überzeugungen teile. „Beide verstehen wir, dass unsere Arbeit für den Frieden in Jesus Christus verwurzelt ist“. Katholiken und Mennoniten seien sich darüber hinaus bewusst, dass Versöhnung und aktive Friedenssuche zu den Kerninhalten des Evangeliums gehörten, nicht aber die Gewalt.

„Unser beständiges Trachten nach der Einheit der Jünger Christi ist von höchster Wichtigkeit. Unser Zeugnis wird an Kraft verlieren, solange die Welt unseren Spaltungen zusehen muss.“