Friedensstifter und Verteidiger der Würde des Menschen sein: Erläuterungen Kardinal Martinos zur Papstbotschaft zum Weltfriedenstag 2007

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ROM, 12. Dezember 2006 (ZENIT.org).- Am Dienstagvormittag stellten Kardinal Renato Raffaele Martino, Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, und der Sekretär desselben Rates, Bischof Giampaolo Crepaldi, im Vatikan die neue Botschaft des Heiligen Vaters zum Weltfriedenstag 2007 vor. Benedikt XVI. ging dabei auf das Thema „Der Mensch – Herz des Friedens“ ein. Der Weltfriedenstag wird jedes Jahr am 1. Januar begangen.



Kardinal Martino erläuterte, dass die diesjährige Botschaft als eine Fortführung und Vollendung der Botschaft zum Weltfriedenstag 2006 zu verstehen sei, in der sich der Heilige Vater dem Thema „In der Wahrheit liegt der Frieden“ zugewandt hatte. Im ersten Abschnitt des neuen päpstlichen Dokuments bringe Benedikt XVI. nämlich die Überzeugung zum Ausdruck, „dass durch die Achtung der Person der Friede gefördert wird und dass mit der Herstellung des Friedens die Voraussetzungen geschaffen werden für einen authentischen ‚ganzheitlichen Humanismus‘“.

Die Botschaft zum bevorstehenden Weltfriedenstag besitzt nach Angaben des Kardinals eine dreigeteilte Struktur. Im ersten Teil würden Sinn und Bedeutung der Beziehung zwischen Mensch und Frieden hervorgehoben, die beide durch die theologisch-spirituellen Kategorien von „Gabe und Aufgabe“ bestimmt seien. Der Friede werde somit in einen anthropologischen Rahmen gestellt. Der zweite Teil behandle die Wahrheit über den Menschen, die mit dem neuen und innovativen Begriff der „Ökologie des Friedens“ in Verbindung gebracht werde. Im dritten Teil der Papstbotschaft werde schließlich die Wahrheit über den Menschen in Bezug auf die komplexe Wirklichkeit der Achtung seiner Grundrechte, des internationalen Menschrechts und einiger Verantwortungen betrachtet, die zum Betätigungsfeld der internationalen Organisationen gehörten. Die Botschaft schließe mit dem Appell an die Christen, „unermüdliche Friedensstifter und mutige Verteidiger der Würde des Menschen und seiner unveräußerlichen Rechte zu sein“.

Benedikt XVI. hat sich beim Schreiben laut Kardinal Martino von der Erkenntnis leiten lassen, dass „die Anerkennung der transzendenten Ordnung der Dinge die Grundlage für einen interreligiösen und kulturellen Dialog ist, der den Frieden zum Ziel hat“. Um bei den Friedensbemühungen Fortschritte zu erzielen, müsse sich die Menschheit die „Normen des natürlichen Rechts“ aneignen, die, wie es der Papst in seiner Botschaft ausdrückt, „nicht als Vorschriften zu betrachten [sind], die von außen auferlegt werden, als stellten sie die menschliche Freiheit unter Zwang“.

Der Heilige Vater stellt darüber hinaus fest, dass einige Güter unverfügbar seien und dies auch bleiben müssten: „Der Friede bedarf der Festsetzung einer klaren Grenzlinie zwischen dem, was verfügbar, und dem, was nicht verfügbar ist: So werden unannehmbare Eingriffe in den Bestand jener Werte vermieden, die dem Menschen als solchem eigen sind.“ Zu diesen Werten gehörte die Achtung vor dem Recht auf Leben sowie vor dem Recht auf Religionsfreiheit.

Kardinal Martino fasste die diesbezügliche Position Benedikts XVI. zusammen, indem er sagte: „Die Achtung des Rechts auf Leben in jeder seiner Phasen stellt den Menschen vor die als Geschenk aufgefasste menschliche Natur. Das Recht auf Religionsfreiheit öffnet die menschliche Natur für ein Fundament, das über sie selbst hinausgeht und sie somit der völligen Verfügbarkeit seitens des Menschen entzieht.“

Zur naturgegebenen Gleichheit aller Menschen erklärt Benedikt XVI. in seiner Botschaft: „An der Wurzel nicht weniger Spannungen, die den Frieden bedrohen, liegen sicherlich die vielen ungerechten Ungleichheiten, die tragischerweise noch in der Welt vorhanden sind. Besonders bedrohlich sind darunter einerseits die Unterschiede in der Möglichkeit, die wesentlichen Güter wie Nahrung, Wasser, ein Zuhause und die Gesundheit zu erlangen, und andererseits die fortdauernde Ungleichheit von Mann und Frau in der Ausübung der fundamentalen Menschenrechte.”

Abschnitt neun der Papstbotschaft ist der „Ökologie des Friedens“ gewidmet. Hier geht es um Fragen, „die deutlich werden lassen, wie eng die Rücksicht auf die Natur mit der Notwendigkeit verbunden ist, zwischen den Menschen und den Nationen Beziehungen zu knüpfen, die auf die Würde der Person achten und fähig sind, ihre wirklichen Bedürfnisse zu befriedigen“.

In den Abschnitten 10 und 11 stellt der Bischof von Rom nach Angaben von Kardinal Martino die Grundlage seiner „Ökologie des Friedens“ heraus sowie das Fundament, auf dem der „Baum des Friedens“ wachsen könne. Damit es überhaupt zu einem solchen Prozess kommen könne, ist es – so heißt es in der Papstbotschaft – „notwendig, sich von einem Menschenbild leiten zu lassen, das nicht durch ideologische und kulturelle Vorurteile oder durch politische und wirtschaftliche Interessen verdorben ist, die zu Hass und Gewalt verführen“.

Benedikt XVI. zeigt nach Kardinal Martino unvermissverständlich auf, dass es inakzeptabel sei, einen Krieg im Namen Gottes oder im Namen des Menschen zu führen. Krieg könne weder theologisch noch anthropologisch rechtfertigt werden. Wenn es aufgrund eines bestimmten Gottesverständnisses oder eines bestimmten Menschenbilds zum Krieg komme, dann nur deshalb, weil beide Dinge zu Ideologien umgeformt worden seien.

Die Botschaft Benedikts XVI. zum Weltfriedenstag 2007 weise zudem darauf hin, dass die Ausbreitung des Friedens vor allem auch durch die große Gleichgültigkeit gegenüber dem behindert werde, was die wahre Natur des Menschen ausmache. Eine solche Haltung sei gerade, was den Frieden anbelangt, höchst gefährlich. Friede könne nämlich nicht „in einem luftleeren Raum“ oder in einem Klima der Gleichgültigkeit errichtet werden, da in diesem Fall die übernommenen Verpflichtungen beziehungsweise die gegenseitige Anerkennung nur formaler, konventioneller und provisorischer Natur wäre.

Im dritten Teil seiner Botschaft (12-15) erklärt Benedikt XVI., dass ein wahrer und gefestigter Frieden die Achtung der Menschenrechte voraussetzt, die in einer starken Konzeption des Menschen verankert sind“. Die Rechte des Menschen, kommentierte Kardinal Martino, brächten ein Grundbedürfnis des Menschen zum Ausdruck, der aus der Schöpfung hervorgegangen sei. „Die Menschenrechte sagen uns, was der Mensch für sein Leben brauch, um in Würde er selbst sein zu können. Sie sagen uns, wie der Mensch zu behandeln ist, damit er sein kann, wie es seiner Würde entspricht.“ Die Menschrechte könnten nach Ansicht Kardinal Martinos den ständigen Angriffen, denen sie ausgesetzt seien, auf Dauer nicht standhalten, wenn deren Sinngrundlagen nicht wiederentdeckt würden.

Mit der Aufforderung, „Vorreiter der Förderung der Menschenrechte“ zu werden, verweise der Heilige Vater auf die ursprüngliche Berufung der internationalen Organisationen und insbesondere der Vereinten Nationen. So befasse sich Benedikt XVI. auch dieses Jahr wieder mit dem Wert des internationalen Menschenrechts und stelle Überlegungen an, die von Realismus und Vertrauen gekennzeichnet seien. Dazu gehöre auch die Kritik des Papstes am Vorhaben einiger Länder, sich mit Atomwaffen auszustatten. In diesem Zusammenhang verweist Benedikt XVI. auf das Zweite Vatikanische Konzil: „Jede Kriegshandlung, die auf die Vernichtung ganzer Städte oder weiterer Gebiete und ihrer Bevölkerung unterschiedslos abstellt, ist ein Verbrechen gegen Gott und gegen den Menschen, das fest und entschieden zu verwerfen ist“ (Gaudium et spes, 80).

Am Schluss der Botschaft zum kommenden Weltfriedenstag ruft Benedikt XVI. die Kirche „zum Schutz der Transzendenz der menschlichen Person“ auf. Jeden Katholiken und Christen fordert er dazu auf, ein „unermüdlicher Friedensstifter und mutiger Verteidiger der Würde des Menschen und seiner unveräußerlichen Rechte zu sein“. Die Zugehörigkeit zur Kirche müsse, so Kardinal Martino unter Verweis auf die Worte Benedikts XVI., „in der großzügigen Hingabe an all jener sichtbar werden, die Armut und Elend erleiden und das kostbare Gut des Friedens entbehren müssen.“