Friedrich (Fritz) Keller (1891-1943) und die Geschichte der "Nachtwallfahrt" nach Heimbach

Priester und Märtyrer

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 346 klicks

Friedrich Keller wurde 1891 in Köln geboren. Im Ersten Weltkrieg diente er als Artilleriesoldat und wurde für seine Verdienste mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet. Nach dem Krieg studierte er Theologie und wurde 1921 zum Priester geweiht. Viele Jahre war Keller als Präses der Kolpingfamilie in Düren und als Kaplan in der Stadtpfarrkirche St. Anna tätig; 1937 übernahm er die Pfarrei Stolberg-Atsch. „Keller war ein lebensbejahender, erfolgreicher Seelsorger, der mit heiterem Herzen in seinem Beruf als Priester aufging.“

Auch in der Öffentlichkeit machte Keller keinen Hehl daraus, ein überzeugter Regimekritiker zu sein. Schon 1933 fiel er wegen seiner wiederholt kritischen Äußerungen der NSDAP auf. Im Frühjahr 1933, nachdem die Gesellenvereine verboten worden waren und die Verfolgung ihrer Mitglieder begann, organisierte Keller die sog. „Nachtwallfahrt“ von Düren zum Gnadenbild nach Heimbach. Am 12. Mai 1933 trafen sich nachts Männer und Junggesellen des Kreises Düren, um zur Wallfahrt aufzubrechen. Seitdem findet bis heute die Nachtwallfahrt jedes Jahr am Samstag nach Christi Himmelfahrt statt. Heute zählen entsprechend dem Leitgedanken des Kolpingwerks als familienhafter Verband zu den Teilnehmern nicht mehr nur Männer, sondern natürlich auch Frauen und Jugendliche.

Kellers Aktivitäten blieben der Gestapo nicht verborgen, und er wurde mehrfach verhaftet. Am 15. Dezember 1941 wurde er in das KZ Dachau deportiert. In der Forschungsstation des KZ-Arztes und Tropenmediziners Prof. Dr. Claus Schilling wurden medizinische Versuche an ihm durchgeführt. Dem Priester wurden Malariaerreger injiziert. Am 9. Oktober 1942 wurde er aus der Haft entlassen und am 14. Januar 1943 vom Amtsgericht in Aachen freigesprochen. Schon wenige Monate später, am 19. April desselben Jahres, wurde er von demselben Gericht zu einer Geldstrafe verurteilt und in Schutzhaft genommen.

Friedrich Keller starb am 15. Mai 1943 im Keller des Aachener Gefängnisses. Er ist nur eines der Kolpingmitglieder, die zu Opfern des Nationalsozialismus wurden.

Auch in diesem Jahr wird die Kolpingfamilie wieder zur Nachtwallfahrt aufbrechen. Am 31. Mai 2014 werden sich die Pilger zum Gnadenbild nach Heimbach aufmachen. Das Thema der diesjährigen Wallfahrt lautet: „Glaube in Bewegung“. 

Die Wallfahrt zum Gnadenbild nach Heimbach blickt auf eine mehr als 500jährige Tradition zurück. Die Geschichte des Gnadenbildes ist in einem Dokument im Pfarrarchiv zu Heimbach überliefert. Demnach hatte der Strohdecker Heinrich Fluitter aus Heimbach das Gnadenbild 1460 in Köln entdeckt und hätte es auch erworben, wenn ihm nicht das nötige Geld gefehlt hätte. In der Quelle heißt es dazu: „Hette er neun mark, er wollte ein bildt gelten und es in den busch setzen“. Glücklicherweise lieh ihm Hein Reinhardt nach seiner Rückkehr nach Heimbach das Geld, und so konnte Heinrich Fluitter das Gnadenbild erwerben. Anschließend errichtete er ihm zu Ehren auf dem Kermeter eine Kapelle und für sich daneben eine kleine Unterkunft, so dass er „das bildt beleuchten und der Pilgern pflegen könne“. Viele Pilger strömten nach Heimbach. Als Fluitter im Sterben lag, offenbarte er: „nach seinem Todt würde Maria allhier noch viele Zeichen thun, und sie seien schon geboren, die ein schön Münster hie sollen sehen stahn. Tatsächlich errichteten Zisterziensermönche zu Ehren des Gnadenbildes eine Wallfahrtskirche, und am 4. April 1486 konnte auch ein Kloster eingeweiht werden. Während der Säkularisation wurde das Kloster Maria Wald aufgehoben. Insgesamt dreimal wurden die Mönche in der 500jährigen Geschichte des Klosters vertrieben, doch haben sie immer wieder den Neuanfang des monastischen Lebens gewagt, das bis heute im Kloster Maria Wald Bestand hat. 

Das Gnadenbild der schmerzhaften Mutter gelangte im Zuge der Säkularisation 1804 in die Heimbacher Pfarrkirche St. Clemens. Wegen des großen Pilgerstroms wurde 1981 die jetzige Wallfahrtskirche St. Salvator angebaut, wo sich das Gnadenbild mit dem Antwerpener Schnitzaltar bis heute befindet.