"Frömmigkeit ist eine aus dem Inneren stammende Bindung"

Katechese des Papstes bei der heutigen Generalaudienz

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 416 klicks

Die Generalaudienz von heute Vormittag begann um 10.15 Uhr auf dem Petersplatz, wo der Heilige Vater Franziskus mit Gruppen von Pilgern und Gläubigen aus Italien und allen Teilen der Welt zusammentraf.

In seiner in italienischer Sprache gehaltenen Rede setzte der Papst die Katechesen-Reihe über die Gaben des Heiligen Geistes fort. Im Mittelpunkt seiner Betrachtungen stand die Gabe der Frömmigkeit.

Nach einer Zusammenfassung seiner Katechese in verschiedenen Sprachen richtete der Heilige Vater einen besonderen Gruß an die anwesenden Gruppen von Gläubigen.

Die Generalaudienz endete mit dem Gesang des „Vater Unser“ und dem Apostolischen Segen.

Wir dokumentieren im Folgenden die Katechese des Heiligen Vaters in eigener Übersetzung.

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Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Heute wollen wir uns einer oft missverstandenen oder oberflächlich betrachteten Gabe des Heiligen Geistes zuwenden, die jedoch unsere christliche Identität und unser Leben im Herzen berührt: die Gabe der Frömmigkeit.

Zunächst gilt zu klären, dass diese Gabe nicht im Mitgefühl oder Mitleid zu anderen Menschen besteht, sondern unsere Zugehörigkeit zu Gott und unsere tiefe Verbindung zu ihm kennzeichnet; eine Verbindung, die unserem gesamten Leben einen Sinn gibt, uns auch in den schwierigsten und qualvollsten Momenten standhaft und in Gemeinschaft mit ihm bleiben lässt.

1. Diese Bindung zum Herrn ist nicht als Pflicht oder Auferlegung zu verstehen. Es handelt sich um eine aus dem Inneren stammende Bindung, eine mit dem Herzen gelebte Beziehung: Die Frömmigkeit ist unsere Freundschaft mit Gott, die uns von Jesus geschenkt wurde; eine Freundschaft, die unser Leben verwandelt und mit Begeisterung erfüllt. Daher löst die Gabe der Frömmigkeit vor allem Dankbarkeit und Lobpreis aus. So sind darin der Grund und der authentischste Sinn unseres Kults und unserer Anbetung zu finden. Wenn der Heilige Geist uns die Gegenwart des Herrn und seine ganze Liebe zu uns spüren lässt, wärmt er unser Herz und führt uns geradezu unweigerlich zum Gebet und zur Feier. Frömmigkeit ist daher gleichbedeutend mit dem authentischen Geist der Religiosität, des kindlichen Vertrauens zu Gott, jener Fähigkeit, mit Liebe und Einfachheit zu ihm zu beten, die den im Herzen demütigen Menschen eigen ist.

2. Die Gabe der Frömmigkeit lässt uns in der Beziehung und in der Gemeinschaft mit Gott wachsen und führt uns dazu, wie seine Kinder zu leben. Zugleich hilft sie uns dabei, diese Liebe den anderen zuteilwerden zu lassen und sie als Brüder zu erkennen. Auf diese Weise werden wir von Frömmigkeit – und nicht von Frömmlerei – gegenüber dem erfüllt, der uns nahe steht und dem wir jeden Tag begegnen. Warum habe ich betont, dass dies keine Frömmlerei ist? Manche Menschen denken, Frömmigkeit bedeute, die Augen zu schließen, ein Gesicht wie auf einem Bildchen zu machen und so zu tun, als sei man ein Heiliger. Auf Piemontesisch sagen wir dazu „mugna quacia”. Dabei handelt es sich nicht um die Gabe der Frömmigkeit. Die Gabe der Frömmigkeit bezeichnet die Fähigkeit, tatsächlich die Freude eines anderen Menschen zu teilen; mit denen zu weinen, die weinen und denen nahe zu sein, die in Not und Bedrängnis sind; jene zurechtzuweisen, die sich im Irrtum befinden, die Trauernden zu trösten und den Bedürftigen aufzunehmen und ihm zu helfen. Es besteht eine sehr enge Beziehung zwischen der Gabe der Frömmigkeit und der Sanftmut. Die Gabe der Frömmigkeit vom Heiligen Geist macht uns sanftmütig, ruhig, geduldig, in Frieden mit Gott und im Dienst an den anderen.

Liebe Freunde, im Brief an die Gemeinde von Rom schrieb der hl. Paulus: „Denn alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne Gottes. Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, so dass ihr euch immer noch fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater!“ (Röm 8,14-15). Bitten wir den Herrn darum, dass die Gabe seines Geistes unsere Angst, unsere Unsicherheit und auch die Unruhe und Ungeduld unseres Geistes besiege und uns zu freudigen Zeugen Gottes und seiner Liebe mache, die den Herrn in Wahrheit verehren und dem Nächsten mit Sanftmut und einem Lächeln dienen, die der Heilige Geist uns in der Freude schenkt. Möge der Heilige Geist uns allen diese Gabe der Frömmigkeit schenken.

[Aus dem Italienischen übersetzt von Sarah Fleissner]