Fronleichnam mit Papst Franziskus

Zu Fuß von der Lateranbasilika zur Santa Maria Maggiore

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Jan Bentz | 1126 klicks

Gestern hat Papst Franziskus in Rom das Hochfest „Sollemnitas Sanctissimi Corporis et Sanguinis Christi“ (Hochfest des Heiligsten Leibes und Blutes Christi) begangen, in Deutschland auch „Fronleichnam“ (mittelhochdeutsch: vron: Herr; licham: Leib) genannt, mit einer öffentlichen hl. Messe vor seiner römischen Bischofskirche, der Lateranbasilika, und der anschließenden feierlichen Prozession entlang der Via Merulana zur Päpstlichen Basilika „Santa Maria Maggiore“, auf deren Vorplatz traditionell zum Abschluss der päpstliche Segen gespendet wird.

In seiner Predigt konzentrierte sich der Heilige Vater auf drei Begriffe des Tagesevangeliums: Nachfolge, Communio und Teilen. Zunächst griff er den Satz: „Gebt ihr ihnen zu essen“ (Lk 9,13) auf.

Die erste Frage, die sich stelle, sei, um welche Menschen es sich handle. Die Antwort laute, die „Menge“. Jesus sei mitten in der Menge, er spreche zu ihnen und zeige ihnen die Barmherzigkeit Gottes. Bei ihm seien die zwölf Apostel, die er ausgewählt habe, um unter den Menschen zu wirken. Die Menge hingegen seien die Menschen, die nachfolgten, die zuhörten. Sie folgten Christus, weil er auf neue Art zu ihnen spreche, weil er mit Wahrheit spreche und handle, mit der Wahrheit Gottes, die sie anziehe und ihnen das Gesicht eines Gottes zeige, der die Liebe sei. So müsse sich jeder Mensch die grundlegende Frage stellen: „Folge ich Christus, um mit ihm in Gemeinschaft zu sein, um mich mit ihm in der Eucharistie zu vereinen?“ Jesus spreche in der Stille des eucharistischen Mysteriums und erinnere daran, dass ihm nachzufolgen bedeute, aus sich selber herauszugehen und sein Leben nicht als Besitz, sonden als Geschenk Gottes zu betrachten.

Die Notwendigkeit des Zu-Essen-Gebens erwachse aus der Not der Menschen. Die Apostel täten die Not einfach ab, jeder solle für sich selber sorgen: "Schick die Menge fort!"

Jesus hingegen dränge sie dazu, sich der Menge anzunehmen. „Wie oft verfallen wir dieser Versuchung, ‚schick sie fort‘? Wenn wir die Not der anderen mit einem einfachen ‚Möge Gott dir helfen‘ abtun?“. Jesu Antwort sei eine andere: „ Gebt ihr ihnen zu essen.“

Die Menge werde genährt durch ihn, durch das Brot des Lebens, und alle würden satt. Das gemeinsame Essen der Brote, das folge, sei ein Moment tiefster „Kommunion“, der engen Gemeinschaft. „Heute Abend sind auch wir um den Altar des Herrn versammelt, um den Altar des eucharistischen Opfers, in dem der Herr uns einmal mehr seinen Leib schenkt und das Opfer des Kreuzes gegenwärtig gesetzt wird.“ Durch Hören auf das Wort Gottes und im Kommunizieren seines Leibes verwandle Gott die Menge in eine Gemeinschaft, fordere er die Menschen auf, aus ihrem Egoismus herauszukommen, und dränge sie zur Nachfolge. Die Eucharistie müsse immer ein Moment der wahren Communio mit dem Herrn sein, aber auch mit „ allen Brüdern und Schwestern, die am gemeinsamen Mahl teilnehmen.“

Das Wunder der Brotvermehrung deutete der Papst als ein Teilen des Wenigen, was man habe. Die Apostel selber gäben das Wenige, das sie hätten, sie teilten. Es seien gerade die Brote und Fische aus den Händen des Herrn, die die Menge satt werden ließen. Wie die Apostel ihre armseligen Mittel zur Verfügung stellten, um die Menschen zu nähren, so müssten alle Menschen ihre Talente und Fähigkeiten, seien sie auch noch so klein, in den Dienst Gottes stellen.

Auch an diesem Abend verteile der Herr für alle das Brot, und man erfahre die Solidarität Gottes mit dem Menschen. Im Kreuzesopfer steige er in die Finsternis des Todes und überwinde das Böse, den Egoismus und den Tod, um uns sein Leben zu geben.

Der Papst schloss mit den Worten: „ Nachfolge, Kommunion, Teilen. Beten wir, dass die Teilnahme an der Eucharistie immer dazu führe, dem Herrn jeden Tag zu folgen, Werkzeuge der Communio zu sein, mit ihm und mit unserem Nächsten das zu teilen, was wir sind und was wir haben. So wird unsere Existenz wirklich fruchtbar.“

Im Anschluss an die Messe folgte die Fronleichnamsprozession, während der Papst Franziskus zu Fuß den Weg zur Basilika Maria Maggiore auf dem Esquilinhügel Roms zurücklegte. Er schritt hinter dem Wagen mit dem Allerheiligsten Sakrament her, das von zwei Diakonen begleitet und angebetet wurde. Damit brach er mit der Tradition, anbetend in direkter Verbindung zur Monstranz auf dem Wagen an der Prozession teilzunehmen, wie es von den Päpsten bis Johannes Paul II. und Benedikt XVI. praktiziert worden war.

Diese Zeremonie schloss an eine frühere Praxis an, der gemäß der Papst anbetend auf dem sogenannten „Talamo“ transportiert wurde, mit einem Rauchmantel bekleidet, der das Podest mit der Monstranz mit umschloss. Diese Haltung galt als Zeichen der vollkommenen und tiefen Einheit zwischen dem sichtbaren Regenten der Kirche, dem Papst als Stellvertreter Christi, und dem unsichtbaren Regenten, Christus in der Eucharistie.

Das Fest Sanctissimi Corporis Christi wurde erstmals im Jahre 1246 im Bistum Lüttich gefeiert und geht auf Visionen der heilig gesprochenen Augustiner-Chorfrau Juliana von Lüttich im Jahre 1209 zurück. Diese berichtete, sie habe in einer Vision den Mond gesehen, der an einer Stelle verdunkelt war. Christus habe ihr erklärt, dass der Mond das Kirchenjahr bedeute, die dunkle Linie zeige das Fehlen eines Festes, an dem das Altarsakrament besonders verehrt werde. Nachdem sie ihre Vision zunächst 20 Jahre geheim gehalten hatte, offenbarte sie sie schließlich den kirchlichen Autoritäten, die nach anfänglichem Zögern das Fest in ihren Diözesen einführten. Papst Urban IV. hat es dann mit der Bulle „Transiturus de hoc mundo“ 1264 für die gesamte Kirche eingesetzt. Er beauftragte den hl. Thomas von Aquin mit dem Verfassen des liturgischen Offiziums.

Noch heute wird während der Messe dessen Sequenz „Lauda Sion“ gebetet oder gesungen, die das gesamte eucharistische Glaubensgeheimnis deutet und preist und Jesus als Hirten und Erlöser besingt. Lauda Sion ist eine der fünf Sequenzen, die seit dem Konzil von Trient noch in der Liturgie in Gebrauch sind. Ein weiterer Hymnus, der von Thomas für dieses Fest geschrieben wurde, ist das berühmte „Adoro te devote“.