Für die Einheit: Das Ringen mit den Leidenschaften, der geistliche Kampf

XVII. Ökumenisches Symposium im Kloster Bose

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MAGNANO, 10. September 2009 (ZENIT.org).- Die Auseinandersetzung mit Leidenschaften und Versuchungen, also der geistliche Kampf, gehört zum Weg der Nachfolge Christi. In der orthodoxen Tradition werden die Überlieferungen der Kirchenväter und Mystiker, die sich diesem Ringen um die Treue zu Gottes Willen gestellt haben, hoch geschätzt. Papst Benedikt XVI. bezeichnete sie vor kurzem in seiner Grußbotschaft zum XVII. Internationalen Orthodoxen Symposium im Kloster Bose in Italien einen „Schatz“, den alle Christen aufarbeiten müssten.

Die gestern eröffnete Tagung beschäftigt sich mit der Frage, wie die geistliche Tradition und Literatur zum Umgang mit den Leidenschaften und zum Kampf gegen die Anfechtungen des Bösen einen Beitrag zur ökumenischen Spiritualität leisten kann.

Diese ökumenischen Treffen, so der Patriarch von Konstantinopel, Batholomäus I., hätten einen „großen Beitrag zum Dialog unter den Kirchen geleistet“. Besonders das vorbildliche Leben der Mönche stelle ein reiches Erbe der ökumenischen Bewegung dar.

Die in der Nähe von Magnano in Italien ansässige Kommunität von Bose will durch ihren 17. internationalen ökumenischen Kongress über orthodoxe Spiritualität zur katholisch-orthodoxen, aber auch zur innerorthodoxen Verständigung beitragen.

Prior Enzo Bianchi und die Gemeinschaft des Klosters Bose bieten einen angemessenen Rahmen, innerhalb dessen es zu Begegnung und Gespräch zum Thema Spiritualität in Ost und West kommen kann. Der Kongress wurde vom Ökumenischen Patriarchat Konstantinopel, vom Patriarchat Moskau und vom Kloster Bose selbst organisiert. Ebenso leisteten die Region Piemonte, die Provinz Biella und die Universität Turin Unterstützung.

Der „geistliche Kampf gegen das Böse" finde im Herzen eines jeden Menschen statt, erklärte Prior Enzo Bianchi bei der gestrigen Eröffnung des Symposiums. Kampf gründe „in der Angst des Menschen vor dem Sterben" .

„Von der Angst vor dem Tod angetrieben, will der Mensch sein eigenes Leben um jeden Preis bewahren; er will die Güter der Erde an sich reißen und über andere herrschen“, weil er glaube, dies garantiere ein Leben in Fülle. Und sein Verhalten rechtfertige der Mensch damit, dass es darum gehe, das eigene Leben zu erhalten - „auch auf Kosten der anderen oder seiner selbst", erklärte Bianchi.

Daher sei das Herz jener Ort, „wo die Rückkehr zu Gott, die Umkehr und der Kampf gegen die Knechtschaft des Götzendienstes beginnen kann" - für Bianchi ist es der härteste Kampf, wenn es darum geht, das eigene Herz für die Bereitschaft zur Einheit zu disponieren.

Das Kloster Bose entstand 1965 auf Initiative von Enzo Bianchi als interkonfessionelle Gemeinschaft in der Nähe von Magnano, Piemont, etwa eine Autostunde von Mailand entfernt.

Die Intention ist gemeinsames Gebet und Studium des Wortes Gottes. Es ist eine gemischte Gemeinschaft von etwa 40 Männern und 30 Frauen, die zölibatär leben und gemeinsames Chorgebet pflegen. Ehemalige Bauernhäuser dieser abgeschiedenen Gegend wurden zu Wohnungen umgebaut, wo entweder Frauen oder Männer leben. Die meisten Mitglieder der Gemeinschaft sind katholisch, es leben aber auch vier reformierte und eine orthodoxe Ordensfrau in Bose. Neben intellektueller Tätigkeit ist Handwerk und Landwirtschaft Teil des monastischen Lebens.

Die internationalen Tagungen bieten eine ausgezeichnete Plattform für Kontakte zwischen Vertretern aller Konfessionen: katholisch, orthodox, reformatorisch, altorientalisch. Die Gastfreundschaft der Gemeinschaft von Bose ermöglicht dieses Zusammentreffen, gegenseitige Kennenlernen von Hierarchen aller Kirchen und fördert auch das Heranwachsen der jungen Generation in der Ökumene.

Ein besonderes Verdienst der Gemeinschaft ist die Übersetzung und Herausgabe von Texten der  Kirchenväter östlicher Tradition.

Von Inma Alvarez. Aus dem Spanischen übersetzt von Angela Reddemann.