Für die Kirche beten, auf dass sie sich nicht in der Weltlichkeit verliert

Papst ruft dazu auf, für Alte, Kranke, Kinder und Jugendliche sowie für die Bedrängnisse der Kirche zu beten

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Salvatore Cernuzio | 602 klicks

„Wenn die Kirche weltlich wird, wenn sie den Geist der Welt in sich trägt, wenn ihr Friede nicht der Friede des Herrn ist […], ist sie eine schwache Kirche, die unterliegen wird und unfähig ist, das Evangelium, die Botschaft des Kreuzes, den Anstoß des Kreuzes, zu überbringen…“

Die Sichtweise derer, die Franziskus als einen nur lächelnden und Umarmungen verteilenden Papst wahrgenommen und seine Autorität in Frage gestellt hatten, musste in den letzten Wochen wohl einer Korrektur unterzogen werden. In den Predigten während der Messe in der Kapelle des päpstlichen Gästehauses verleiht Bergoglio seinen Gedanken mit großer Freiheit Ausdruck. Entgegen den verzerrten Darstellungen in vielen Zeitungen enthält dieser Gedanke keinerlei politische Positionen oder Absichten zur Provokation. Vielmehr handelt es sich um die Gedanken eines „Pfarrers“, „Gedanken des Katechismus“, deren Ziel die „Gewissensbildung“ ist1.

Im Rahmen der hl. Messe vom Vormittag des 30. April 2013, die im Beisein einiger Angestellter der Vermögensverwaltung des Heiligen Stuhls (APSA) gefeiert wurde, warnte der Papst in seiner Predigt erneut vor einer weltlichen Kirche, die Gefahr laufe, ihr Zentrum, Jesus Christus, aus den Augen zu verlieren, und lud zum Gebet als Weg zum Behüten der Menschheit und der Kirche selbst ein.

So stelle das Gebet laut Papst Franziskus eine direkte Verbindung jeder menschlichen Anstrengung mit dem Heilswirken Christi her, das eine ständige Erneuerung des Vertrauens der Kirche in den Herrn bewirke. Der Papst führte diesen Gedanken folgendermaßen aus: „Man kann die Kirche behüten, man kann sie pflegen. Das müssen wir mit unserer Arbeit tun. Doch am Wichtigsten ist das, was der Herr tut.“

Vor diesem Hintergrund stellte der Papst folgende Frage in den Raum: „Beten wir für die Kirche, für die gesamte Kirche? Beten wir für unsere Brüder, die wir nicht kennen, überall auf der Welt? Wir sagen: Herr, schau auf deine Kirche... Sie gehört dir. Deine Kirche sind unsere Brüder“. Laut dem Papst handelt es sich dabei um ein Gebet, das wir immer mehr von Herzen sprechen müssen.

Anschließend betonte der Heilige Vater, dass es einfach sei zu beten, um den Herrn um eine Gnade zu bitten, um ihm zu danken oder wenn wir etwas bräuchten. Viel schwieriger sei es, für die anderen zu beten; für alle,die dieselbe Taufe empfangen haben, indem wir sagten: „Sie sind dein, sie sind unser, behüte sie!“

Die Kirche dem Herrn anzuvertrauen, ist nach den Worten des Papstes daher ein grundlegender Akt des Glaubens, ein Gebet, das die Kirche wachsen lasse. Er fügte hinzu: „Denn wir vermögen nichts, wir sind arme Diener der Kirche. Gott allein kann sie voranbringen, behüten, wachsen lassen, heiligen, vor dem Fürsten dieser Welt verteidigen oder vor dem, was er will, dass die Kirche wird: immer weltlicher und weltlicher.“

Dem Papst zufolge sei die Weltlichkeit der Kirche die größte Gefahr. Diese Feststellung erläuterte er folgendermaßen: „Wenn die Kirche weltlich wird, wenn sie nicht jenen Frieden in sich trägt, von dem Jesus sagt: ‚Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch‘, ist sie eine besiegte Kirche, die an Kraft verloren hat, da sie ihr vordergründiges Ziel verfehlt hat: das Evangelium zu überbringen, die Botschaft des Kreuzes, den Anstoß des Kreuzes…“

Mit dieser Predigt stellte Papst Franziskus erneut den Wert des Gebetes in den Mittelpunkt, das ein Lichtstrahl auf dem Weg zu jenem Frieden sei, „den die Welt nicht geben kann und der nicht käuflich ist“, und ein „wahres Geschenk der Gegenwart Jesu inmitten seiner Kirche.“

Im weiteren Verlauf seiner Predigt rief Bergoglio erneut dazu auf, die Kirche, die Alten, Kranken, Kinder und Jugendlichen dem Herrn anzuvertrauen, und formulierte folgende Bitte: „Herr, behüte deine Kirche: Sie ist dein! Mit dieser Haltung wird er uns inmitten der Bedrängnis jenen Frieden geben, den nur er zu geben vermag.“

Dem Papst zufolge sei die Kirche in Bedrängnis. So gebe es größere Bedrängnisse wie die Verfolgung, aber auch kleinere wie Krankheiten oder familiäre Probleme. Sie alle seien dem Herrn anzuvertrauen: „Behüte deine Kirche in der Bedrängnis, auf dass sie den Glauben nicht verliere, auf dass sie die Hoffnung nicht verliere.“

„Dieses Gebet, mit dem wir die Kirche dem Herrn anvertrauen, wird uns und der Kirche gut tun. Es wird uns und der Kirche tiefen Frieden schenken. Es wird uns nicht von den Bedrängnissen befreien, doch es wird uns inmitten der Bedrängnisse Stärke verleihen“, so die abschließenden Worte des Papstes.

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Fußnote

1 Diese Überlegungen entstammen dem auf Korazym.org publizierten Artikel „Per Bergoglio come per Ratzinger trovare Gesù fuori dalla Chiesa non è possibile” („Ebenso wie Ratzinger hält Bergoglio es für unmöglich, Jesus außerhalb der Kirche anzutreffen“) der Vatikan-Journalistin Angela Ambrogetti.