Für eine ganzheitliche Entwicklungspolitik: Erzbischof Marchetto auf dem „Globalen Forum“

Gastarbeiter und ihren Familien müssen geschützt und unterstützt werden

| 1143 klicks

BRÜSSEL, 11. Juli 2007 (ZENIT.org).- Eine authentische Entwicklung müsse umfassend sein, erklärte Erzbischof Agostino Marchetto, Sekretär des Päpstlichen Rates der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs am Dienstag beim 1. Globalen Forum über Abwanderungen und Entwicklung in Brüssel.



Entwicklung müsse „jede Person und die gesamte Person einbeziehen, das heißt sie muss umfassend sein“, bekräftigte der Repräsentant des Heiligen Stuhls in seiner Ansprache vor den Vertretern der 120 UN-Mitgliedsstaaten, die in diesen Tagen über Fragen der Ein- und Auswanderungspolitik berieten. Nur eine ganzheitliche Entwicklung werde dem Menschen gerecht, der Mittelpunkt der Schöpfung und „mit einer angeborenen Würde und gleichen und unveräußerlichen Rechten ausgestattet ist“.

Überall dort, „wo die moralischen, kulturellen, geistlichen und religiösen Bedürfnisse von Einzelpersonen und Gemeinschaften nicht beachtet werden, wird auch der materielle Wohlstand nicht zufriedenstellend sein“, fügte Erzbischof Marchetto hinzu, Leiter einer mehrköpfigen Delegation aus dem Vatikan.

Die dreitägige Tagung, die heute zu Ende geht, dient dem Austausch von Fachwissen und Erfahrung, um den positiven Einfluss der Abwanderung auf die Entwicklung zu erfassen und Methoden zu ermitteln, um die Zusammenarbeit unter Völkern und Nationen zu stärken.

Erzbischof Marchetto hob hervor, dass die Abwanderung das Recht ins Rampenlicht stelle, „in Frieden und Würde im eigenen Land zu leben“. Die Herkunftsländer seien daher verantwortlich, „auf ein Entwicklungswachstum hinzuarbeiten, damit ihre Bürger nicht gezwungen sind, das Land auf der Suche nach einem besseren Leben zu verlassen“.

Die Unterstützung der Familien von Migranten sei insbesondere dann unerlässlich, wenn sie sich in weiter Ferne von ihrer Heimat aufhielten. Die Familien dürften nicht entzweit und auch nicht geschwächt werden, betonte der Kurienerzbischof. Es müsse verhindert werden, dass Familienmitglieder, vor allem Frauen und Kinder, „schutzlos zurückbleiben“.

Die Migration wird nach den Worten des 66 Jahre alten Vertreters des Heiligen Stuhls infolge der Globalisierung auch durch „die in den Industrieländern bestehende Nachfrage nach Diensten, die von Migranten geleistet werden“. Da Einwanderer „zum Wohlstand ihres Aufnahmelandes beitragen muss ihnen, auch aufgrund ihrer Menschenwürde, mit Achtung begegnet und ihre Freiheit gewährleistet werden“. Zugleich liege es in der Verantwortung der Einwanderer, „die Identität und die Gesetze ihres Aufenthaltslandes zu respektieren, auf eine gerechte Integration – nicht Anpassung – hinzuarbeiten und die Sprache zu erlernen“.

Zum Abschluss seiner Rede rief Erzbischof Marchetto die Regierungen auf, das Internationale Abkommen zum Schutz der Rechte aller Gastarbeiter und ihrer Familienmitglieder („International Convention on the Protection of Rights of All Migrant Workers and Members of Their Families“) zu ratifizieren. Bislang haben 37 Länder das Abkommen ratifiziert, während 15 weitere es unterzeichnet haben. Die Konvention trat im Juli 2003 in Kraft.