Für eine gerechtere Globalisierung: Kardinal Raffale Martino unterstreicht Bedeutung der Soziallehre der Kirche

Studienseminar zum 60. Jahrestag der Vereinigung „Pax Romana“

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ROM, 25. Mai 2007 (ZENIT.org).- Um zu einer „gerechteren Globalisierung und zu einem ganzheitlichen Humanismus“ zu gelangen, ist nach Kardinal Raffale Martino, dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, die Soziallehre der katholischen Kirche von großem Nutzen: Sie liefert Prinzipien und Beweggründe für die Entwicklung einer Sozialethik, die keinen Lebensbereich auslässt, und ist im „Kompendium der Soziallehre der Kirche“ präzise dargestellt.



Dieses grundlegende Werk wurde am Dienstag vom Kurienkardinal im Rahmen der Studientagung „Der Heilige Stuhl – das Antlitz einer anderen Globalisierung“ neu vorgestellt. Die Tagung fand anlässlich des 60. Jahrestags der Vereinigung Pax Romana statt.

Seit der Veröffentlichung des „Kompendiums“ im Jahr 2004 wurde es in 33 Sprachen übersetzt. Kardinal Martino bereiste die ganze Welt, um die Zusammenfassung der kirchlichen Soziallehre bekannt zu machen.

„Die Zentralität des Menschen“, so der Kardinal, „ hat von jeher die Soziallehre der Kirche geleitet“; diese habe „immer ihre Sorge um das Wohlergehen aller Völker zum Ausdruck gebracht, nicht nur um das Wohlergehen der Gemeinschaft der Gläubigen“.

Das Kompendium verstehe sich als ein „Manifest“, das einen neuen Humanismus herbeiführen wolle. Gerade im aktuellen Kontext der Globalisierung „ruft die Soziallehre der Kirche die Menschheitsfamilie zu einem ganzheitlichen und solidarischen Humanismus auf“, bekräftigte Kardinal Martino.

Die Kirche leiste gegenwärtig ihren Beitrag, um das Bewusstsein aller für die transzendente Würde des Menschen zu schärfen. Aus diesem Grund sei die Religionsfreiheit auch ein gesellschaftliches Gut.

Auch die Demokratie komme in den Seiten des Kompendiums vor, insofern sie „die Teilnahme und somit die Solidarität und die gegenseitige Kooperation in der politischen Gemeinschaft fördert“. Als politisches System sei die Demokratie jedoch ein Mittel und kein Ziel. Das Kompendium schlage die Demokratie insofern vor, als sie den Schutz und die Entwicklung des Menschen erlaube.

Auch der Problemkreis der Ökologie ist nach Kardinal Martino ein grundlegendes Thema, das in die Soziallehre der Kirche Eingang gefunden habe. Es handle sich um ein „ethisches Problem“, insofern es eine konstante Interaktion zwischen Mensch und Natur gäbe.

Der Kardinal hob die Frage nach der „Förderung des Friedens“ hervor und erklärte den Unterschied zwischen der Definition von Frieden als „Abwesenheit von Krieg“ und als „voll menschliches Leben“.

„Das Kompendium beschäftigt sich oft mit dem Frieden im ersten Sinn; noch öfter aber behandelt es den Frieden im zweiten Sinn, da dieser die Fülle ist, die Wahrheit, Freiheit und Gerechtigkeit mit einschließt. Dieser Friede ist der einzige, der es möglich macht, zu einem Frieden zu gelangen, der in der Abwesenheit von Krieg besteht.

Ich glaube nicht, dass ich irre, wenn ich sage, dass das Kompendium immer vom Frieden spricht – auch dann, wenn es diesen Ausdruck nicht benutzt“, fügte der Kurienkardinal hinzu. Das „Kompendium“ spreche auch dann von Frieden, wenn es von Gerechtigkeit oder Solidarität, von der Einheit der Menschheitsfamilie, von der menschlichen Würde, von Völkern und Kulturen spreche.

Aus diesem Grund seien „der Sinn für die gegenseitige Achtung in den religiösen und kulturellen Traditionen, der Dialog unter den Religionen, die internationale Kooperation und eine Kultur der Offenheit grundlegende Dimensionen der Förderung des Friedens“.

Das Kompendium sei eine vollständige und organische Synthese der Soziallehre der Kirche. Es diene der Ausbildung, der Unterscheidung und dem Handeln der Katholiken in ihrem Einsatz für die Umgestaltung der Welt im Sinne des Evangeliums. So sei das Kompendium auch ein Werkzeug der Öffnung und des Dialogs mit den Gläubigen anderer Religionen und mit allen Menschen guten Willens.

Das Werk ziele auf die Verwirklichung des Gemeinwohls im sozialen und politischen Bereich ab und gehe von jenen fundamentalen Werten aus, die alle Menschen teilten, unter Wahrung der Würde jedes einzelnen und des Strebens nach Entwicklung, Versöhnung und Frieden.