Für eine „Globalisierung der Solidarität“: Briefwechsel mit dem britischen Premierminister Gordon Brown

Kardinal Bertone antwortet im Namen des Papstes

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ROM, 9. Juli 2008 (ZENIT.org).- Globalisierung der Solidarität und Achtung der Menschenwürde: Diese beiden Grundprinzipien betonte Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone in seinem Antwortschreiben auf den Brief des britischen Premierministers Gordon Brown vom 23. Mai 2008. Das Schreiben des Kardinalstaatsekretär im Namen Papst Benedikts XVI. ist auf den 18. Juni datiert. Die vatikanische Zeitung „L’Osservatore Romano“ veröffentlichte den Briefwechsel in seiner Ausgabe vom 7./8. Juli.



Brown hatte sich anlässlich des damals bevorstehenden und heute zu Ende gehenden G8-Gipfels auf Hokkaido (Japan) sowie weiterer bedeutender internationaler Treffen in der zweiten Hälfte dieses Jahres an den Heiligen Vater gewandt.

Kardinal Bertone erinnerte an den Appell des Papstes in seiner Botschaft an die Konferenz der Welternährungsorganisation FAO (2. Juni) zu einer „Globalisierung der Solidarität“. Diesbezüglich hob Bertone die Notwendigkeit hervor, der Achtung des Menschenwürde an allen Verhandlungstischen, in allen Entschlüssen sowie bei der Modalität deren Verwirklichung die gebührende Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Auf diese Weise müsse gewährleistet werden, dass alle heutigen und künftigen Generationen Zugang zu den Früchten der Schöpfung haben.

Gordon Brown bat seinerseits um die Unterstützung Benedikts XVI. zur Schaffung einer breiten internationalen Koalition, durch die die Verwirklichung der im Jahr 2000 übernommenen Verpflichtungen zum Erreichen der Millenniums-Entwicklungsziele („Millenium Developement Goals“, MDG) bis zum Jahr 2015 sichergestellt werde.

Mit der Millenniumserklärung bekannten sich die Vereinten Nationen offiziell zu dem Ziel, den Anteil der Menschen, die von weniger als 1 US-Dollar pro Tag leben müssen, bis zum Jahr 2015 zu halbieren. Armutsbekämpfung ist seit dieser Erklärung ein gemeinsames, überwölbendes Ziel der internationalen Zusammenarbeit geworden. Zum ersten Mal in der Geschichte der internationalen Zusammenarbeit wurde damit ein gemeinsamer Zielkatalog geschaffen. Ein Großteil der in den neunziger Jahren auf internationalen Konferenzen verabschiedeten Entwicklungsziele wurde in dem Katalog zusammengeführt.

Die acht Hauptziele sind: 1. Ausrottung von extremer Armut und Hunger; 2. Grundschulbildung für alle; 3. Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und Empowerment von Frauen; 4. Reduzierung der Kindersterblichkeit; 5. Verbesserung der Gesundheitsversorgung der Mütter; 6. Bekämpfung von HIV/Aids, Malaria und anderen Krankheiten; 7. ökologische Nachhaltigkeit;
8. Aufbau einer weltweiten Entwicklungspartnerschaft.

In seinem Brief erinnerte Gordon Brown an die Ansprache Benedikts XVI. an die Vollversammlung der Vereinten Nationen vom 18. April. Dort hatte der Papst von den Herausforderungen gesproche, vor deren verantwortlicher Lösung die Welt gestellt ist.

Gleichzeitig gestand der britische Premierminister ein, dass „wir die im Jahr 2000 übernommenen Pflichten nicht erfüllen“. Brown würdigte die Zusammenarbeit zwischen Großbritannien und dem Heiligen Stuhl bei der Frage der internationalen Entwicklung. „2004 war Papst Johannes Paul II. der erste der Großen der Welt gewesen, die den Internationalen Finanzmechanismus unterstützt hatten“, so Brown. Auch Papst Benedikt XVI. selbst habe die erste Internationale Obligation für Impfungen erworben, bei deren Vorstellung die Kardinäle Martino, Murphy-O’Connor und OBrien in London zugegen waren.

Der Premierminister betonte, dass die Religionen ein wesentlicher Faktor für das Erreichen der MDG seien. Gerade sie seien es, die in vielen Teilen der Welt wichtige Dienstleistungen erfüllen, besonders im Bereich des Gesundheitswesens und der Erziehung.

Im Hinblick auf das G8-Gipfeltreffen und weitere wichtige internationale Konferenzen versicherte Brown den Papst des Engagements für das Erreichen der MDG. Ohne eine konzertierte Aktion jedoch würden die MDG bis zum Jahr 2015 nicht erreicht werden. Eine weitere Generation würde so die Gelegenheit verlieren, die einmal eingegangenen Verpflichtungen zu erfüllen.

Der Premierminister brachte seinen Wunsch zum Ausdruck, dass der Papst in den kommenden Wochen und Monaten erneut zugunsten der vorgenommenen Anstrengungen seine Stimme erhebe. Ziel Browns sei es, die Zusammenarbeit zwischen Großbritannien und dem Heiligen Stuhl zugunsten der internationalen Entwicklung zu stärken.

In seiner Antwort betonte Kardinal Bertone die von Brown erwähnten Initiativen, vor allem die der Schaffung einer internationalen Koalition, die sich für die Verwirklichung der 2000 eingegangenen Verpflichtungen engagiert.

Im Mittelpunkt dieser Koalition müsse, so Bertone, die Anstrengung zur „Globalisierung der Solidarität“ stehen, wodurch die Menschenwürde bei allen Verhandlungen geachtet werde. Nur ein verantwortlicher und zutiefst verspürter Sinn für Großherzigkeit werde das termingerechte Erreichen der Millennium-Entwicklungsziele gewährleisten.