Für einen katholischen Feminismus

Baldige UNO-Sondersitzung zum Thema der Frau

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NEW YORK, 21. Februar 2005 (ZENIT.org).- Zehn Jahre nach der Pekinger Frauenkonferenz wird die Kommission der Vereinten Nationen, die sich mit dem Status der Frau befasst, vom 28. Februar bis 11. März eine Sondersitzung unter dem Titel "Peking+10" in New York abhalten.



In zwei vor kurzer Zeit erschienenen Artikeln erläutert die englischsprachige Wochenausgabe des "Osservatore Romano" den kirchlichen Standpunkt zu dieser Thematik. Am 5. Januar schrieb Marie Ann Glendon, Präsidentin der Päpstlichen Akademie für Sozialwissenschaften und Juraprofessorin an der Harvard-Universität, über die "Diskriminierung und die Frauen". Sie verweist in ihrem Artikel auf den 25. Jahrestag der UNO-Konvention zur Beseitigung aller Formen von Diskriminierung von Frauen (CEDAW) vom 18. Dezember 2004 und würdigt den Beitrag der Vereinten Nationen, die die Würde und die Gleichberechtigung der Frauen, beginnend mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte im Jahre 1948, proklamierten. Sie fügt jedoch auch hinzu, dass sich die praktische Anwendung des Gleichheitsgrundsatzes in der Gesellschaft und vor dem Gesetz schwierig gestalte: Eleanor Roosevelt, Vorsitzende der Menschenrechtskommission und Verfasserin der Menschenrechtserklärung aus dem Jahre 1948, sei damals zwar für die Chancengleichheit der Frauen eingetreten, habe aber "genauso fest darauf bestanden, dass es 'bestimmte Bereiche, wie etwa das Aufziehen der Kinder und den Militärdienst', gebe, in denen die Unterschiede zwischen den Geschlechtern berücksichtigt werden müssen". Ebenso habe Roosevelt im Einklang mit der kirchlichen Lehre betont, dass das familiäre Heim dort sei, wo Mann und Frau miteinander und einander ergänzend zusammenleben.

Als es dann im Jahre 1979 um den Entwurf für die UNO-Konvention gegen die Diskriminierung von Frauen (CEDAW) ging, habe allerdings ein anderes Frauenbild vorgeherrscht. Das verabschiedete Dokument sei schließlich durch einen gegenüber Männern, Ehe und Mutterschaft feindlich gesinnten Feminismus beeinflusst worden, weshalb darin "eine Reihe problematischer Punkte" enthalten seien, so Glendon.

Der Muttertag soll verboten werden

Zu den negativen Elementen dieser Konvention gehören ihrer Meinung nach unter anderem Abschnitte, die sich gegen einen besonderen Schutz für Mütter richten würden. Zudem werde die Gleichheit in einer Weise propagiert, die in Gegensatz zu anderen Grundrechten, etwa zu Meinungs- und Glaubensfreiheit, stünden.

Das Komitee, das dazu eingesetzt wurde, die Einhaltung von CEDAW zu überwachen, sei dieser Spielart des Feminismus treu geblieben, so die Verfasserin. Deshalb seien Länder, die sich weigerten, den freien Zugang zur Abtreibung zu ermöglichen, auch kritisiert worden. Das Komitee wolle überdies den Muttertag ganz abschaffen.

Mittlerweile aber habe die Mehrheit der Frauen einem solchen "Altfeminismus" den Rücken gekehrt, stellt Glendon in ihrem Artikel fest. Die Frauen setzten sich zwar immer noch aktiv für die Gleichberechtigung ein, hätten sich jedoch von der Anti-Mann- und Anti-Familien-Haltung der früheren Generationen des Feminismus abgewendet.

Im Gegensatz zu diesem Alt-Feminismus könne die katholische Lehre den Frauen bei ihrer Suche nach einem wahren Feminismus viel bieten, ist die Autorin überzeugt. So bekräftige unter anderem die Enzyklika "Laborem exercens" von Papst Johannes Paul II., wie wichtig die Familie sei. Andererseits zeige darin der Papst aber genauso, wie wichtig es für die Frau sei, an ihrem Arbeitsplatz erfolgreich zu sein, ohne auf ihre Rolle als Mutter verzichten zu müssen. In anderen Schreiben fordere der Papst ein gesellschaftliches Umdenken, damit die Frau ihre vielen Begabungen auch zu Hause einbringen könne.

Dies sei eigentlich nichts Neues, meint Glendon. Schon die Evangelien hätten gezeigt, wie Jesus mit den Traditionen seiner Zeit radikal gebrochen hat, freundschaftlich mit Frauen umging und ihnen einige seiner Lehren als Aufgaben übertrug. Durch das Eintreten für Monogamie und die Unauflöslichkeit der Ehe habe das Christentum "wahrscheinlich mehr als jede andere historische Kraft dazu beigetragen, die Frauen von Konventionen zu befreien, die ihre Würde missachten", so Gendon.

Katholischer Feminismus

Der zweite, am 12. Januar erschienene Artikel stammt von Janne Haaland Matlary, Professorin an der Fakultät für Politikwissenschaft der Universität Oslo, und handelt von der gesellschaftlichen Rolle von Mann und Frau. Als Grundlage für ihre Ausführungen dient das Schreiben der Glaubenskongregation vom 31. Juli 2004 über die Zusammenarbeit von Männern und Frauen in Kirche und Welt.

Der Unterschied zwischen den Geschlechtern geht gemäß Matlary weit über biologische Eigenschaften und Merkmale hinaus, denn er betreffe auch die psychologische und ontologische [ontologisch = das Sein/Wesen betreffend, Anm. d. Red.] Ebene. Die katholische Anthropologie habe dies erkannt, schreibt sie. Somit werde der Fehler eines biologischen Reduktionismus vermieden, der die Frauen zu reinen "Kindergebärerinnen" degradiere. Diese Anthropologie schütze aber genauso davor, nur gesellschaftliche Faktoren zu berücksichtigen, die Unterschiede zwischen den Geschlechtern also auf ein reines "gesellschaftliches Konstrukt" zu reduzieren.

Matlary fasst den wesentlichen Inhalt des kirchlichen Textes zusammen und spricht dabei von einem "katholischen Feminismus". Durchgehend sei das Schreiben bemüht, die Beziehung zwischen den Geschlechtern in Hinblick auf die Nachahmung Christi zu beleuchten. Diese Nachahmung zeichne sich durch Selbsthingabe und durch den Dienst an den anderen aus. Das Ideal der Selbsthingabe habe für die Frau eine ganz besondere Relevanz, denn ihr sei die Mutterschaft geschenkt, dank der sie Kinder zur Welt bringen und aufziehen kann.

Im Zusammenhang mit der Frage über Vereinbarkeit von Beruf und Familie räume das Schreiben der Familie den Vorrang ein. Daher sei es nicht ausreichend, lediglich Gesetze zu erlassen, die eine Gleichstellung der Frau am Arbeitsplatz gewährleisten, schreibt Matlary. "Man hat der Frau erlaubt, es dem Mann gleich zu tun, aber die Frau hat es nicht geschafft, eine Politik durchzusetzen, die wirklich die Mutterschaft einbezieht und die Tatsache berücksichtigt, dass Frauen, wenn sie dem christlichen Ideal des Dienens treu bleiben, ihre Arbeit ganz anders tun und Führungsaufgaben ganz anders wahrnehmen als Männer."

Ein Umdenken beginnt

Die Instruktion der Glaubenskongregation betone, dass es wichtig sei, die gesellschaftliche Vorstellungen zu ändern, damit die richtige Form der Zusammenarbeit von Mann und Frau gelingt, erläutert die Autorin. Gängige Einstellungen seien allzu oft gegen das Familienleben und gegen jene Frauen gerichtet, die den Wunsch hätten, sich ihrer Familie zu widmen. Der Feminismus habe sich dabei auf eine individualistische Sicht versteift, bei der es ausschließlich auf Rechte ankomme. Dabei werde aber die Bedeutung der Familie als Kernzelle der Gesellschaft radikal beschnitten.

In einem solchen Individualismus, der nur auf Rechte poche, zähle Familie und die Rolle der Frau in der Familie nicht, ist sich Matlary bewusst. Stattdessen sei es wichtig, dass Frauen mindestens 50 Prozent aller öffentlichen Positionen in der Gesellschaft einnehmen würden. So gesehen könne das Familienleben die Frau nur daran hindern, ihre Begabungen zu erkennen, und Kinder könnten auch nur eine lästige Pflicht sein.

In einigen Ländern erkennt Matlary aber einen Umdenkprozess: Das Gewicht verlagere sich mehr und mehr darauf, Frauen dahingehend zu unterstützen, dass sie zwischen Beruf und Familie ein Gleichgewicht schaffen könnten. Dennoch räume man in der Regel irrtümlicherweise der Gleichstellung der Frau im Beruf die höhere Priorität ein, vor der Familie.

Die katholische Perspektive ist für die Autorin eine alternative Sichtweise voller Lösungsbeiträge: Berufsarbeit werde da zum Beispiel als Dienst an den anderen verstanden, nicht als eine Form von Machtstreben am Arbeitsplatz. Und für das Familienleben gelte die Komplementarität von Mann und Frau. Dies bedeute, so Matlary weiter, dass der Rolle einer Mutter mit kleinen Kindern ein entsprechender Wert beigemessen werden müsse. Der Staat habe nämlich auch deshalb die Verpflichtung, Familie und Mutterschaft zu unterstützen, weil die Familie der Grundbaustein der Gesellschaft ist.

"Das Kernprinzip eines katholischen Feminismus muss die Überzeugung sein, dass die Familie in der Rangordnung sowohl für den Einzelnen als auch für die Gesellschaft an erster Stelle steht", schreibt Matlary. Diese Überzeugung, verbunden mit dem Verständnis von Beruf als Selbsthingabe und Dienst, wird es ihrer Meinung nach ermöglichen, dass der Rolle der Frau im Familienleben jene Bedeutung zugewiesen wird, die ihr gebührt. Diese Prinzipien anzuerkennen, nach ihnen zu leben und zu verstehen, dass "dies die Art von Macht ist, von der der Herr sprach und die er lehrte", das sieht sie als die Herausforderung für Katholiken heute.