„Für uns ist Christus alles!“: Benedikt XVI. ermutigt zur „Lectio divina“

Katechese über den heiligen Ambrosius von Mailand

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ROM, 24. Oktober 2007 (ZENIT.org).- Benedikt XVI. hat die Gläubigen dazu ermutigt, im Stil des Augustinus dem leuchtenden Beispiel des heiligen Bischofs Ambrosius von Mailand zu folgen, um schließlich mit ihm sagen zu können: „Omnia Christus est nobis!“ – „Für uns ist Christus alles!“



Der Heilige Vater, der seine dritte Katechesen-Reihe über die frühchristlichen Kirchenväter fortführte, wandte sich heute, Mittwoch, dem Leben und dem Hirtendienst des großen Bischofs Ambrosius von Mailand zu, der um das Jahr 340 in Trier geboren worden war, um nach einer erfolgreichen Beamtenlaufbahn seiner allgemeinen Beliebtheit wegen vom Volk per Akklamation zum Bischof gemacht zu werden.

Der gebildete Hirte erkannte schon bald, dass er die Heilige Schrift nicht gut genug kannte, „und so begann er, sie eifrig zu studieren“. In der Folge machte er sich das Wort Gottes so sehr zu Eigen, dass nicht nur seine Predigttätigkeit, sondern in erster Linie seine authentische christliche Lebensführung zahlreiche Menschen anzog und zur Bekehrung veranlasste.

Die „stille Art des Lesens“ der Heiligen Schrift - „wo das Herz sich bemüht, zum Verständnis des Wortes Gottes vorzudringen“ - ist nach Worten Benedikts XVI. „die Methode der ambrosianischen Katechese“. Sie zeige auf, dass die Schrift dem, der sie voll und ganz assimiliert, alle Inhalte eingibt, „die zu verkündigen sind, um zur Umkehr der Herzen zu führen“.

Nach der Lehre des Ambrosius und der des Augustinus „ist die Katechese vom Lebenszeugnis nicht zu trennen“, hob der Heilige Vater hervor. „Es kann dem Katecheten auch dienlich sein, was ich in der Einführung in das Christentum zum Theologen geschrieben habe: Wer zum Glauben erzieht, darf es nicht riskieren, als eine Art Clown zu erscheinen, der ‚beruflich‘ eine Rolle spielt. Vielmehr muss er – um ein Bild zu benutzen, das Origenes, einem von Ambrosius besonders geschätzten Schriftsteller, teuer ist – wie der geliebte Jünger sein, der sein Haupt an das Herz des Meisters gelegt und dort die Art zu denken, zu sprechen, zu handeln erlernt hat. Der wahre Jünger ist schließlich der, der das Evangelium auf die glaubwürdigste und wirksamste Weise verkündigt.“

Bischof Ambrosius sei es nie müde geworden zu bekräftigen: „Omnia Christus est nobis! – Für uns ist Christus alles!“ Und wie der Apostel Johannes sei dieser Hirte, der für die Verbreitung der „Lectio divina“ im Westen verantwortlich ist, auch heute noch „ein wahrer Zeuge des Herrn“.

Eine Anleitung zur Lektüre der Heiligen Schrift im Sinn der Lectio divina bot Papst Benedikt XVI., als er im vergangenen Jahr den Jugendlichen der Stadt Rom begegnete (vgl. Über die Schriftlesung).

Nachdem der Papst damals betont hatte, dass die Bibel „wirklich als Wort Gottes gelesen“ werden müsse, „indem man in ein Gespräch mit Gott eintritt“, erklärte er, dass die Heilige Schrift „in die Gemeinschaft der Familie Gottes“ einführe. Deshalb sei es wichtig, sie auch „in Begleitung von Menschen zu lesen, zusammen mit denjenigen, mit denen man auf dem Weg ist“. Und er fügte hinzu: „Es ist wichtig, sich von den großen Meistern der ‚Lectio divinia‘ helfen zu lassen.“ Schließlich bekräftigte er noch, dass es vonnöten sei, die Schrift, „in der großen Gemeinschaft des pilgernden Volkes Gottes, das heißt der Kirche, zu lesen“.

Die großen Katechesen der Generalaudienzen hat der Heilige Vater bisher in drei Zyklen eingeteilt. Der erste Zyklus über die Psalmen bestand in einer Fortsetzung der noch von Johannes Paul II. begonnen Katechesenreihe. Der zweite Zyklus beschäftigte sich mit den Aposteln und den großen Gestalten der frühen Kirche. Im jetzigen dritten Zyklus führt Benedikt XVI. den Gläubigen Leben und Lehre der bedeutendsten Kirchenväter vor Augen.