Gambit - Der Masterplan

Filmrezension

Berlin, (ZENIT.orgtextezumfilm) Dr. José García | 439 klicks

Regie:Michael Hoffman nach einem Drehbuch von Joel und Ethan Coen; Darsteller:Colin Firth, Cameron Diaz, Alan Rickman, Stanley Tucci, Tom Courtenay, Cloris Leachman; Land, Jahr:USA 2012; Laufzeit:99 MinutenGenre:Komödien/Liebeskomödien; Publikum:ab 12 Jahren

Die an Henry Mancini angelehnte Eingangsmusik und der Zeichentrick-Vorspann des Spielfilms von Michael Hoffman „Gambit – Der Masterplan“ spielen unzweideutig auf „Der Rosarote Panther“ (Blake Edwards, 1963) an. Allerdings geht es in Hoffmans Gaunerkomödie nicht um den Raub eines (rosarot schimmernden) Diamanten, sondern um Kunstfälschung. Der gebildete, zurückhaltende Kunstexperte Harry Deane (Colin Firth) arbeitet bei einem exzentrischen und arroganten Geschäftsmann, der ihn dauernd demütigt. Lord Lionel Shahbandar (Alan Rickman) erwarb vor Jahren bei einer Kunstauktion Monets „Heuschober in der Morgendämmerung“, als er einen japanischen Mitbieter überlisten konnte. Seitdem befindet sich Lord Shahbandar auf der Suche nach Monets zweitem, als verschollen geltendem Gemälde aus dieser Serie, „Heuschober in der Abenddämmerung“. 

Shahbandars Sammlerleidenschaft will sich nun Harry zu Nutze machen, um sich endlich an seinem diktatorischen Chef zu rächen. Harrys „Masterplan“: Zusammen mit seinem Freund, dem Kunstfälscher Major Wingate (Tom Courtenay), der den berühmten Monet in Harrys Auftrag gemalt hat, reist er nach Texas auf der Suche nach einem attraktiven Lockvogel, der als Besitzerin des Bildes auftreten soll. Die Wahl fällt auch die Rodeolady PJ Puznowksi (Cameron Diaz), die als Belohnung für ihre Mitarbeit eine halbe Million Pfund erhalten soll. Alles läuft nach Plan: Lord Shahbandar sieht „zufällig“ ein Foto mit dem Monet, PJ und ihrer Großmutter in der Zeitung, holt PJ nach London und zahlt ihr, ohne zu zögern, die geforderten zwölf Millionen Pfund. Die reibungslose Ausführung des Plans läuft sich allerdings nur in Harrys Fantasie ab. In der Wirklichkeit stellt sich alles als viel komplizierter heraus. Denn Shahbandar lässt sich nicht so einfach von der Echtheit des Gemäldes überzeugen und lässt den deutschen Kunstexperten Martin Zaidenweber (Stanley Tucci) den Monet überprüfen. Die Lage wird noch komplizierter deshalb, weil sich Shahbandar längst in PJ Puznowksi verliebt hat. Harry Deane muss nun improvisieren.

Das Drehbuch zu „Gambit – Der Masterplan“ stammt von Joel und Ethan Coen, die eine so herrliche Parodie auf die Filmindustrie wie „Barton Fink“ (1991), einen Thriller mit unbändiger Komik wie den mit dem Drehbuch-Oscar ausgezeichneten „Fargo“ (1996) oder auch einen schwarzhumorigen Grusel-Neowestern mit grotesken Pointen wie „No Country for Old Men“ (2007) gedreht haben, der drei Oscars (Bester Film, Drehbuch und Regie) gewann. Allerdings haben die Coen-Brüder auch mit „Ein (un)möglicher Härtefall“ (2003) eine Parodie ins Kino gebracht, die sich zu sehr auf ein genretypisches Drehbuch verließ und letztlich nicht überzeugen konnte. Und der bisher einzige Ausflug des Brüder-Regieduos ins Remake-Fach „Ladykillers“ (2004) bot zwar Situationskomik, pointierte Dialogen und komische Einfällen. Die Spannung des Originals konnte sich in ihrer Neuinterpretation von „Ladykillers“ jedoch nicht einstellen. Nun dient ihnen ein Film aus den sechziger Jahren („Gambit“, deutscher Titel: „Das Mädchen aus der Cherry-Bar“) als Vorlage für ihr Drehbuch, und das Ergebnis ist weitgehend ebenso enttäuschend.

Zwar gelingen Regisseur Michael Hoffman an eigenen Stellen eine Situationskomik, die an die besten Filme der Coen-Brüder erinnert. Auch der graue Kunstexperte Harry Deane, der auf einmal kriminelle Energie entwickelt, sich dabei aber ziemlich ungeschickt anstellt, gemahnt etwa an die tollpatschigen Verbrecher von „Fargo“. Obwohl „Gambit – Der Masterplan“ mit zeitgenössischer Oberfläche flott inszeniert ist, wirkt der Film mit seiner Handlung und seinem Slapstick und dem teilweise albernen Humor wie eine Gaunerkomödie aus den sechziger Jahren im Stil von „Der Rosarote Panther“. Die geschickte Eröffnungs-Strategie, die der aus dem Schachspiel entnommene Begriff „Gambit“ nahelegt, gelingt zwar den Drehbuchautoren. Allerdings machen sie und der Regisseur im Laufe der Handlung viel zu wenig daraus. „Gambit – Der Masterplan“ verliert immer mehr an Fahrt, bis er zu einem durchschnittlich spannenden Krimi wird.

Vor dem vollständigen Schiffsbruch retten „Gambit – Der Masterplan“ jedoch die schauspielerischen Leistungen der Darsteller. Die vom Drehbuchautorenduo gezeichneten und von den Schauspielern mit offensichtlichem Spaß verkörperten Charaktere besitzen solche karikaturhafte Züge, dass sie wiederum überaus komisch wirken. Colin Firth wechselt mit schlafwandlerischer Sicherheit vom britischen Gentleman, wie es im Buche steht, zum genervten und zappelig handelnden Kleinkriminellen. Alan Rickman genießt förmlich die Rolle des zynischen Milliardärs und diktatorischen Arbeitgebers. Bei Cameron Diaz ist sich der Zuschauer allerdings in keinem Augenblick sicher, ob sie einfach dem von ihr erwarteten Klischee entspricht oder eher in ihrer Rolle als vulgäres Cowgirl einfach über Gebühr chargiert. Dadurch entwickelt sich „Gambit – Der Masterplan“ bei allem Klamauk dank der augenfällig überzeichneten Figuren zu einer zwar oberflächlichen, aber durchaus kurzweiligen Gaunerkomödie.