Gaudete: Freuet euch

Wahre Freude in Christus, die uns keine Macht der Welt entreißen kann

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VATIKANSTADT, 16. Dezember 2012 (ZENIT.org). – Gedanken von Joseph Kardinal Ratzinger/Papst Benedikt XVI. zum Sonntag „Gaudete":

„Freuet euch, und noch einmal sage ich: Freuet euch.“ Das Wort von der Freude ist ein Grundbegriff des Christentums überhaupt, das ja seinem Wesen nach „Evangelium“, frohe Botschaft ist und sein will. Und doch die Welt ist gerade hier am Evangelium, an Christus irregeworden, und sie zieht aus der Kirche aus im Namen der Freude, die dem Menschen vom Christentum abgeschnitten werde mit all seinen endlosen Forderungen und Verboten. Und allerdings, das ist wahr. Die Freude Christi ist ganz so leicht zu sehen wie die banale Lust, die aus irgendeinem vergnügen kommt. Dennoch wäre es falsch, die Worte „Freuet euch im Herrn so auszulegen, als ob es hieße „Freuet euch, aber im Herrn“, wie wenn damit im Nebensatz wieder rückgängig gemacht werden sollte, was vorher gesagt worden war. Es heißt einfach: „Freuet euch im Herrn“, weil der Apostel ganz offensichtlich glaubt, dass alle wirkliche Freude im Herrn einbeschlossen ist und dass es außer ihm gar keine wirkliche Freude geben kann.

Und es bleibt ja auch wahr, dass in der Tat alle Freude, die neben ihm oder gegen ihn geschieht, nicht genügt, sondern den Menschen immer weiter in einen Strudel hineintreibt, dessen er schließlich wahrhaftig selbst nicht mehr froh sein kann.

So soll uns hier gesagt werden, dass erst mit Christus überhaupt die wirkliche Freude erschienen ist, und dass es in unserem Leben letztlich auf nichts anderes ankommt als darauf, Christus zu sehen und verstehen zu lernen, den Gott der Gnade, das Licht und die Freude der Welt. Dann erst wird unsere Freude wahrhaft sein, wenn sie nicht mehr in Dingen beruht, die man uns wegreißen und zerschlagen kann, sondern wenn sie in innersten Tiefe unseres Daseins gründet, die keine Macht der Welt uns zu entreißen vermag. Und jeder äußere Verlust sollte uns zu einer Hinführung auf dieses Innerste werden und uns reifen machen für unser wahres Leben.

[Joseph Kardinal Ratzinger, Mitarbeiter der Wahrheit, Naumann, Würzburg 1990, S. 413f]