Gaza: ein Gefängnis unter freiem Himmel

So der Vorsitzende von Caritas Jerusalem, Pfarrer Raed Abusahlia

Rom, (Fides) | 428 klicks

„Das Ausmaß der Armut, das ich in Gaza gesehen habe ist erschreckend. Der ganze Gazastreifen ist ein Gefängnis unter freiem Himmel, das zwischen dem Meer, dem Embargo Israels und nun auch dem Embargo Ägyptens eingeschlossen ist“, so der Vorsitzende von Caritas Jerusalem, Pfarrer Raed Abusahlia, über seine Eindrücke nach dem Besuch einer von ihm geleiteten Delegation der Caritas in dem von der muslimischen Hamas regierten Gazastreifen. Sein Bericht ist alarmierend: Das von Israel auferlegte Embargo ist für die Einwohner extrem belastend, von denen ein Drittel unterhalb der Armutsgrenze lebt. Auch die unterirdischen Tunnel, die das Gebiet mit Ägypten verbanden – und in denen Waren jeder Art transportiert wurden, die oft auch für die Kassen der Hamas erträglich waren – wurden nun auf Anweisung der ägyptischen Regierung gesperrt, die auch den Grenzübergang in Rafah schließen ließ. „Die Küsten des Gazastreifens“, so Pfarrer Raed „sind bereits heute eine ökologische Katastrophe, wo von einem Moment zum anderen Infektionen und Epidemien ausbrechen können. Die Fische sind alle tot, und die Fischer könnten wegen des Embargos nicht im offenen Meer fischen. Es gibt kaum Treibstoff, die Stromversorgung bleibt oft über Stunden hinweg unterbrochen, was auch zu einer Notlage in den Krankenhäusern führt.“

Der Gazastreifen – gegen den seit 2007 ein israelisches Embargo verhängt wurde – ist 41 Kilometer lang und zwischen 6 und 12 Kilometer breit. Dort wohnen 1,7 Millionen Menschen. Die Caritasdelegation unter Leitung von Pfarrer Raed überreichte dem örtlichen Gesundheitsministerium große Mengen an Medikamenten, die an die einheimischen Gesundheitseinrichtungen verteilt werden sollen. Ein Teil der Medikamente wurde direkt an das anglikanische Krankenhaus geliefert. Während ihres Aufenthalts im Gazastreifen besuchten die Delegierten von Caritas Jerusalem auch Einrichtungen der örtlichen Caritaszentrale: ein Ärztezentrum, das die Flüchtlingscamps betreut, und eine mobile Klinik mit 18 Mitarbeitern; das Zentrum für Prothesen für Kriegsbehinderte (das mit der Caritas zusammenarbeitet), die Einrichtungen, die psychologischen Beistand für traumatisierte Kinder leisten, freiwillige Helfer, die Lebensmittel und Zuschüsse an Familien verteilen, deren Wohnungen bei militärischen Operationen zerstört wurden.

„Angesichts der alltäglichen Not“, so Pfarrer Raid zum Fidesdienst, „sind die Initiativen der Christen, ihrer Pfarreien und deren internationalen Hilfswerke in vielsagendes und geschätztes Signal, das von der Solidarität mit der ganzen Bevölkerung zeugt“. Im Übrigen konnten die Delegierten auch die Auswirkungen der sozialen Kontrolle der seit sieben Jahren regierenden muslimischen Hamas-Regierung beobachten. „Wenn man auf den Straßen unterwegs ist fragt man sich: Handelt es sich hier um den Staat Palästina oder um das Emirat Gaza?“, so Pfarrer Raed Abushalia. „Und als Palästinenser wünsche ich mir, dass die Spaltung so rasch wie möglich überwunden wird. Und vor allem, dass das Embargo aufgehoben wird. Denn dieses Volk hat es verdient, zu leben“.

(Quelle: Fidesdienst, 17/07/2013)