Gebärde bei der Wandlung

Römischer Ritus ist nüchtern und undramatisch

Rom, (ZENIT.org) Edward McNamara LC | 570 klicks

P. Edward McNamara, Professor für Liturgie am Päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“ in Rom, beantwortet Leserfragen.

Frage: Muss der Priester die Hostie bei der Konsekration mit beiden Händen erheben? In unserer Kirche hebt der Priester die Hostie lediglich mit einer Hand und in eher lässiger Weise nach oben. Das bringt mich fast zum Weinen, weil ich mich nicht des Gedankens erwehren kann, dass man hierdurch die Gemeinde lehrt, es an Ehrfurcht mangeln zu lassen. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir hierzu Ihre Gedanken mitteilen könnten. -- K.S., Frankfurt, Deutschland

P. Edward McNamara: Die Grundordnung des Römischen Messbuchs bietet keine detaillierte Beschreibung dieses Ritus an. Auch legen die im Messbuch befindlichen Rubriken und im Zusammenhang mit der Wandlung stehenden liturgischen Normen nicht ausdrücklich fest, dass der Priester die Hostie in beiden Händen zu halten hat. Wir finden dort folgende Bestimmungen:

„1. In den folgenden Texten werden die Herrenworte klar und deutlich vorgetragen, wie es ihr Charakter verlangt.“

„2. Er nimmt das Brot, erhebt es ein wenig über dem Altar und fährt fort:“

„3. Er verneigt sich ein wenig (außer wenn er dem Volk zugewandt steht) [und spricht „Nehmet und esset alle davon“ usw.]“

„4. Er zeigt der Gemeinde die konsekrierte Hostie; dann legt er sie in die Hostienschale und macht eine Kniebeuge.“

„5. Er fährt fort: [„Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch.“]“

„6. Er nimmt den Kelch, erhebt ihn ein wenig über dem Altar und fährt fort:“

„7. Er verneigt sich ein wenig (außer wenn er dem Volk zugewandt steht) [und spricht „Nehmet und trinket alle daraus“ usw.]“

„8. Er zeigt der Gemeinde den Kelch; dann stellt er ihn auf das Korporale und macht eine Kniebeuge.“

Wenn wir uns auf eine minimalistische Interpretation der Rubriken verlegen würden, müssten wir also feststellen, dass es keine strikte Regel gibt, wonach die Hostie in beiden Händen zu halten wäre.

Aber, selbst wenn die liturgischen Normen des ordentlichen Ritus nicht mehr jede Gebärde im Detail beschreiben, so setzen sie doch für gewöhnlich voraus, dass jene Dinge, die über lange Zeit Praxis waren, dauerhaft bestehen bleiben. In diesem Sinne haben wir allen Anlass anzunehmen, dass der Gesetzgeber mit der einfachen Anweisung „er nimmt das Brot“ davon ausgeht, dass der Priester es, wie in der außerordentlichen Form des Römischen Ritus vorgeschrieben, in beide Hände nehmen wird.

Dies ist sicher die natürlichste Vorgehensweise und die überwältigende Mehrheit aller Priester in der Welt hält sich daran. Wenn man die Hostie und den Kelch in beiden Händen hält, kann man diesen Ritus mit größerer Feierlichkeit, Ehrfurcht und Sammlung vollziehen. Wie von unserem Leser angedeutet, kann das Hochhalten der Hostie mit einer Hand den Eindruck einer gewissen Nonchalance erwecken, mit der der Priester der Eucharistie begegnet.

Andererseits ist diese Vorgehensweise völlig gerechtfertigt, sofern beim Priester eine körperliche Behinderung vorliegt, wie das bei Papst Johannes Paul II. der Fall war. Als er seine beiden Hände nicht mehr völlig unter Kontrolle hatte, hielt er die Hostie mit einer Hand erhoben. In solch einem Fall wird jeder Mangel an Ästhetik durch die Andacht, mit der der Priester diesen Dienst weiterhin erfüllt, um die Gläubigen zu erbauen und ihnen Speise zu geben, mehr als wett gemacht.

Schließlich ist es auch wichtig, sich in Erinnerung zu rufen, dass wir es vor allem mit einem Einsetzungsbericht und Konsekrationsworten zu tun haben, die die Heilsereignisse gegenwärtig setzen, und nicht etwa mit einer Geschichte, bei der Mimik und dramatischen Gebärden ein Rolle spielen. Deshalb begehen Priester einen Fehler, wenn sie der Liturgie dramatische Gebärden hinzufügen, die nicht in den Rubriken aufgeführt sind und für die es keine Grundlage in der traditionellen Praxis der Kirche gibt.

Einige Dinge, die sich Eingang in die Liturgie verschafften, wie z.B. das Brechen der Hostie bei der Wiederholung der Einsetzungsworte des Herrn, wurden von der Instruktion „Redemptionis Sacramentum“ ausdrücklich verboten.

Andere Missbräuche werden nicht besonders erwähnt, obwohl sie der gleichen Logik gehorchen, die zu dem genannten Verbot geführt hat. Zum Beispiel haben sich einige Priester angewöhnt, bei den Worten „Nehmet und esset alle davon“ mit der Hostie und dem Kelch eine Geste zu vollziehen, als würden sie sie den Gläubigen darreichen. Wenn man von den Rubriken ausgeht, ist das Hinzufügen einer solch dramatischen Gebärde ungerechtfertigt und außerdem eher ablenkend.

Vor allem aber neigt diese Handlungsweise dazu, die Ordnung zu durchbrechen, die die Kirche verfügt hat, indem sie die vierfache Handlungsweise Christi beim Letzten Abendmahl auf vier verschiedene Momente der Eucharistiefeier verteilt hat. Diese vier Momente werden kurz und knapp von Peter J. Elliott (mittlerweile Bischof) in seinem „Ceremonies of the Modern Roman Rite“ (Fußnote 59) beschrieben:

„(1) Die Gabenbereitung (Er nahm), (2) das Hochgebet (Er sagte Dank) und daraufhin (3) die Brechung (Er brach) und schließlich (4) die Kommunion (Er reichte).“

Aus diesem Grund können wir meiner Meinung nach behaupten, dass die für den Römischen Ritus charakteristische Nüchternheit und undramatische Art sowohl theologisch als auch pastoral wohl begründet sind.

Übersetzt von P. Thomas Fox, LC, aus dem englischen Originalartikel Both Hands at Elevation of Host