Gebärden und liturgische Kleidung am Karfreitag

Die Haltung der Demut - Schmerz und Trauer der Kirche kommen zum Ausdruck

Rom, (ZENIT.org) Edward McNamara LC | 401 klicks

P. Edward McNamara, Professor für Liturgie am Päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“ in Rom, beantwortet Leserfragen zur Karfreitagsliturgie.

Fragen: Meine Frage bezieht sich auf die Karfreitagsliturgie. Im Messbuch liest man folgende Anweisung: „Der Priester und seine Assistenz legen rote Gewänder an, wie sie für die Messfeier gebraucht werden. Sie ziehen zum Altar, verneigen sich vor ihm und werfen sich nieder oder knien“. „Paschalis Sollemnitatis“, der Rundbrief „Über die Feier von Ostern und ihre Vorbereitung“ (Gottesdienstkongregation, 1988) gibt folgende Anweisung: „Der Priester und seine Assistenz verneigen sich vor dem Altar und werfen sich dann auf ihr Angesicht nieder. Dieser Ritus, der dem Karfreitag eigen ist, soll unbedingt beibehalten werden, da er sowohl die Haltung der Demut, die dem ‚irdischen Menschen‘ geziemt, als auch den Schmerz und die Trauer der Kirche ausdrückt.“

Beide Anweisungen scheinen einander zu widersprechen. Finden Sie sie widersprüchlich? Wenn das der Fall sein sollte, welche hätte dann den Vorrang? -- M.E., New York.

Warum ist es vorgeschrieben, bei der Karfreitagsliturgie eine Kasel [ärmelloses Messgewand] und nicht einen Rauchmantel zu tragen? -- J.C., Rochester, New York

P. Edward McNamara: Der erwähnte Rundbrief geht unter Nr. 5 auf die erste Frage ein:

„In Anbetracht dessen und unter Berücksichtigung von Erfahrungen, die gemacht wurden, schien es der Gottesdienstkongregation gut und angebracht, verschiedene theologische und pastorale Elemente in Erinnerung zu rufen und auf verschiedene Vorschriften hinzuweisen, die für die Heilige Woche erlassen wurden. Alles andere, was in den liturgischen Büchern über die Österliche Bußzeit, die Heilige Woche, die drei Österlichen Tage und die Osterzeit gesagt ist, bleibt gleichfalls in Kraft, es sei denn, dass es in diesem Dokument neu interpretiert wird.“

„Alles das wird kraft dieses Dokumentes neu eingeschärft, damit die großen Geheimnisse unserer Erlösung besser gefeiert werden und alle Christgläubigen mit größerem Gewinn daran teilnehmen können.“

Auf den ersten Blick scheint es hier einen Widerspruch zu geben, insofern als das Messbuch ein Knien zur Wahl stellt, der Rundbrief aber nur vom Niederwerfen spricht.

In der entsprechenden Rubrik des Lateinischen Messbuchs (2002) wird das Knien auch zur Wahl gestellt, jedoch „pro opportunitate“ (wenn dies angemessen erscheint).

Ich würde daher meinen, dass der Rundbrief der Aussage des Messbuchs nicht widerspricht, sondern dass hervorgehoben werden soll, dass die beiden zur Wahl stehenden Möglichkeiten nicht gleichrangig sind und dass vom liturgischen und symbolischen Standpunkt aus die bevorzugte Gebärde derzeit das Niederwerfen ist.

Die Alternative, sich hinzuknien, wird aus guten Gründen beibehalten, da für keine geringe Anzahl von Priestern ein Niederwerfen etwas schwierig, vielleicht sogar gefährlich sein könnte. In diesem Zusammenhang könnte das Hinlegen und Aufstehen ohne Anmut erscheinen und vom eigentlichen Anlass ablenken.

Was den Gebrauch der Kasel angeht: Vor der Reform des Römischen Messbuchs war in der Karfreitagsliturgie eine komplexe Serie von Riten und Umkleidevorschriften zu beachten.

Während der Eingangsprozession, den Gebeten und der Verkündigung der Passion trug der Priester eine Albe mit einer schwarzen Stola. Für die Großen Fürbitten zog er einen schwarzen Rauchmantel an, legte aber für die Kreuzverehrung den Rauchmantel wieder ab. Zur Kommunionfeier tauschte er die schwarze Stola mit einer violettfarbenen aus und trug bei der Austeilung der Kommunion eine violette Kasel.

Bei der Reform des Ritus entschied man sich an Stelle der schwarzen und violetten Farbe für Rot. Zugleich wurde der Ritus vereinfacht, indem man für die ganze Feier lediglich eine Form von Gewand, die Kasel, vorsah. Der Priester zieht die Kasel nur aus, um kniend das Kreuz zu verehren (hierzu darf er auch seine Schuhe ausziehen).

Die Wahl fiel wahrscheinlich deshalb auf die Kasel, weil sie sich für die Austeilung der Kommunion besser eignet, vielleicht aber auch aus praktischen Gründen, denn viele ärmere Pfarreien würden sich schwertun, einen roten Rauchmantel zu kaufen, der dann vielleicht nur ein- oder zweimal im Jahr benutzt würde.

Übersetzt von P. Thomas Fox, LC, aus dem englischen Artikel http://www.zenit.org/en/articles/prostration-and-vestments-on-good-friday