Gebet des älter werdenden Menschen

Das heutige Mittwochsgebet stammt von Teresa von Avila

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 515 klicks

Teresa von Avila wurde als Teresa Sanchez de Cepeda y Ahumada am 28. März 1515 in Avila, Spanien, geboren und verstarb am 4. Oktober 1582 in Alba de Tormes bei Salamanca. Sie war eine Karmelitin und Mystikerin und wird in der katholischen Kirche als Heilige und Kirchenlehrerin verehrt, ihr Ordensname ist Teresa von Jesus. Oft wird sie die „große Teresa“ genannt, um sie von der heiligen Theresia vom Kinde Jesus (von Lisieux) zu unterscheiden, die man auch die „kleine Therese“ nennt. Nach dem Tod ihrer Mutter, 1528, vertiefte sich Teresa in die Lektüre der damals üblichen Ritterromane, die schon ihre Mutter gelesen hatte, wurde sich ihrer natürlichen Vorzüge bewusst, pflegte erste Freundschaften und geriet in eine religiöse Krise. Als 1531 ihre (Halb)-Schwester heiratete, brachte der Vater die Sechzehnjährige zur weiteren Erziehung in das Kloster der AugustinerinnenSanta María de la Gracia in Ávila, das sie aus gesundheitlichen Gründen nach 18 Monaten wieder verlassen musste. Auf dem Weg zur Genesung bei ihrer Schwester fielen ihr bei ihrem Onkel väterlicherseits Pedro Sánchez de Cepeda einige Bücher in die Hand, darunter auch die Briefe des Kirchenvaters Hieronymus, die für ihre Berufswahl wichtig wurden. Bei der Entscheidung für das Kloster spielte eine echte Christusbeziehung eine Rolle. Am 2. November 1535 trat Teresa gegen den Willen ihres Vaters in den Karmel von der Menschwerdung (Santa María de la Encarnación) in Ávila ein. Am 2. November 1536 wurde sie eingekleidet und am 3. November 1537 legte sie ihr Ordensprofess ab.

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Oh Herr, Du weißt besser als ich, dass ich von Tag
zu Tag älter und eines Tages alt sein werde.

Bewahre mich vor der Einbildung,
bei jeder Gelegenheit und zu jedem Thema
etwas sagen zu müssen.

Erlöse mich von der großen Leidenschaft, 
die Angelegenheiten anderer ordnen zu wollen.

Lehre mich, nachdenklich (aber nicht grüblerisch),
hilfreich (aber nicht diktatorisch) zu sein.

Bewahre mich vor der Aufzählung endloser
Einzelheiten und verleihe mir Schwingen, 
zur Pointe zu gelangen.

Lehre mich schweigen über meine Krankheiten
und Beschwerden. Sie nehmen zu, 
und die Lust, sie zu 
beschreiben, wächst von Jahr zu Jahr.

Ich wage nicht, die Gabe zu erflehen, 
mir die Krankheitsschilderungen anderer
mit Freude anzuhören, aber lehre mich, 
sie geduldig zu ertragen.

Lehre mich die wunderbare Weisheit, 
dass ich mich irren kann.
Erhalte mich so liebenswert wie möglich.

Lehre mich, an anderen Menschen unerwartete
Talente zu entdecken, und verleihe mir o Herr,
die schöne Gabe, sie auch zu erwähnen.