Gebet und Umkehr: Die Botschaft von Jean-Marie Vianney, Pfarrer von Ars

Von Erzbischof DDr. Edmond Farhat*

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ROM, 16. Juni 2009 (ZENIT.org).- Am 19 Juni 2008 wird der Heilige Vater Benedikt XVI. anlässlich des 150. Todestages von Jean-Marie Vianney, Pfarrer von Ars, im Petersdom ein „Priester-Jahr" eröffnen. Mit Gedanken, Meditationen und Betrachtungen vor dem Allerheiligsten wird die Gestalt von Jean-Marie Vianney dem heutigen Priester wieder als Modell und Vorbild vorgestellt werden.

Die erste Reaktion könnte sein: Wie und was hat der Dorfpfarrer eines kleinen Ortes namens Ars in Südfrankreich heute noch mit der Sendung, den Herausforderungen und dem Eifer der Priester in unserer Zeit zu tun? Er war kein Theologe. Er konnte kein Latein. Ja, man wollte ihn nicht einmal im Priesterseminar aufnehmen.

Als er geweiht wurde, vertraute ihm sein Bischof die kleinste Pfarrei der Diözese an - sie hatte kaum 250 Einwohner. Und in diesem kleinen Ort sollte er sein ganzes Leben verbringen.

Sein Ruf als guter Beichtvater und Beter verbreitete sich aber dennoch in ganz Frankreich. Nach seinem Tod haben ihn die Priester der ganzen Weltkirche als ihren geistlichen Meister betrachtet.

Aber verlangen die Herausforderungen der Priester, die Pastoral der Kirche, die Anforderungen der Zeit heute nicht eine ganz neue Art von Verkündigung? Man muss oder will aktiver sein oder scheinen, wissenschaftlicher, dialogbereiter und dialektischer im Reden und Argumentieren. Der Priester will sich heute vor allem „liberal" zeigen: Ökumene und Dialog sollen seine ersten Ziele sein. Hören und Sprechenlassen sind ihm wichtiger als zu lehren und Unterweisung anzubieten. Wie kann also eine so „demütige" Figur wie der heilige Pfarrer von Ars ein Vorbild für die neuen Priestern sein?

Die Antwort kann nur aus dem Evangelium kommen: Als die Jünger Jesus fragten: „Warum konnten denn wir den Dämon nicht austreiben?", antwortete dieser: „Diese Art (von Dämonen) kann nur durch Gebet ausgetrieben werden." Das ist wahrscheinlich das Herz der Botschaft von Ars.

Unsere Wissenschaft, unser guter Wille, unsere Gesellschaft, unsere Kirche, unsere Pastoral, unsere Universitäten und Schulen sind alle sehr gut ausgerüstet, engagiert und aktiv in der heutigen Welt. Wie Christi Jünger können auch wir uns fragen: Warum sind die „Dämonen der Welt" heute nicht nur taub, sondern auch aggressiv? Und warum bleiben sie gegen Gott und seinen Messias „Sieger"? Die Antwort Jesu ist noch immer aktuell! „Diese Art von Dämonen kann aber nur durch Gebet und Fasten ausgetrieben werden" (Mt 17,21). Vielleicht gibt es in unseren Aktivitäten, in unserer Mission nicht genug Platz für das Beten und das Fasten. Das Geheimnis, um Gott zu suchen und zu finden, besteht in mehr Platz für das Gebet, in mehr Raum für Betrachtung und Meditation. Und darin, sich  wie der Zöllner an die Brust zu schlagen und zu sagen: „Gott sei mir Sünder gnädig" (vgl. Lk 18,9-14).

Sich vor Gott an die Brust schlagen und ihn um Verzeihung bitten bedeutet, Gott und seine Gnade suchen, durch das Wort und die Sakramente. Heute mehr denn je zuvor benötigen unsere Welt, unsere Zeit und unsere Kultur Gott - den Gott Jesu Christi. Dieser Gott kann nur in der Ruhe und in der Betrachtung, in der Umkehr und im Gebet gesucht und gefunden werden.

Die Menschen brauchen Zeichen: „Gib uns ein Zeichen", sagten sie zu Jesus. Das Zeichen ist Christus selbst. Christus lebt in der Welt durch die Kirche. Um ihn zu finden, muss man umkehren. Die Buße ist der erste Schritt der Umkehr.

Die Buße und das Gebet waren die „Waffen" des Pfarrers von Ars gegen die Dämonen. Er hat gewonnen. Deswegen ist er immer aktuell, und deswegen sind wir daran interessiert, ihn nicht nur zu kennen, sondern ihm auch nachzufolgen.

Wenn ein Priester, jung oder alt, von Jean-Marie Vianney sprechen hört, denkt er an Umkehr durch Buße und Gebet. Wenn der Name Ars im priesterlichen Bereich genannt wird, bedeutet er Ausstrahlen von Ruhe, Freude der Demut, Treue zum Kirchlichen und Eifer für den Dienst der Sakramente. Das ist für mich die Botschaft und die Aktualität von Jean-Marie Vianney, Pfarrer von Ars.



* Der Autor war bis März 2009 Apostolischer Nuntius in Österreich (vgl. Interview