Geburt nur noch nach Qualitätskontrolle?: Kommentar der Abteilung Ehe und Familie der Diözese Linz zur umstrittenen OGH-Erkenntnis zur Unterhaltspflicht eines Frauenarztes

| 539 klicks

LINZ, 14. Juli 2006 (ZENIT.org).- Der Oberste Gerichtshof, die oberste Instanz in Zivil- und Strafsachen und damit das oberste Organ der ordentlichen Gerichtsbarkeit in Österreich, hat einen Frauenarzt dazu verurteil, den Unterhaltsaufwand für ein behinderte Kind zu leisten, da dieser die werdende Mutter unzureichend über die Anzeichen eines drohenden Down-Syndroms des Kindes aufgeklärt haben soll.



Zu dieser OGH-Erkenntnis veröffentlichte die Ehe- und Familienabteilung der Diözese Linz (www.beziehungleben.at) am heutigen Donnerstag folgende Stellungnahme

* * *



Ärzte/Ärztinnen und in der Folge werdende Mütter/Eltern geraten noch mehr unter Druck, wenn die Argumentation des Obersten Gerichtshofes Schule macht, befürchten Berater von BEZIEHUNGLEBEN.AT, der Partner-, Ehe-, Familien- und Lebensberatung der Diözese Linz.

Nach diesem Erkenntnis erscheint jede/r Gynäkologe/in praktisch verpflichtet, einer Schwangeren drastisch vor Augen zu führen, welche Formen geistiger und/oder körperlicher Behinderung drohen. Es reicht nicht, auf die Möglichkeit einer Anomalie hinzuweisen und an eine Spezialklinik zu überweisen.

Im vorliegenden Fall geht es um die gesamten Unterhaltskosten für ein inzwischen bereits 9-jähriges Mädchen mit Down-Syndrom, die dem behandelnden Arzt angelastet werden sollen.

Es braucht nicht viel Phantasie, um sich die kommende Welt auszumalen: Bei so genannten "Risikoschwangerschaften" – in Deutschland zählen bereits zwei Drittel aller Schwangerschaften dazu – kann sich eine Frau erst dann "verantwortlich" auf ein Kind einstellen, wenn vorher alles abgeklärt ist, was auch nur mit geringer Wahrscheinlichkeit auf eine Behinderung weisen könnte, weil sie sonst "Gefahr laufe, die Geburt eines geistig und körperlich behinderten Kindes nicht mehr verhindern zu können".

Frauenärzte werden zu "Polizisten", die "fehlerhaftes Menschenmaterial" rechtzeitig erkennen und eindeutig diagnostizieren müssen.

Versicherungsanstalten werden sich diese Sichtweise bald zynisch zu Eigen machen. Sie rechnen vor, welchen Schaden behinderte Menschen verursachen und machen die Eltern dafür verantwortlich, "solche" Kinder tunlichst zu vermeiden, sprich: rechtzeitig abzutreiben.

Für Menschen mit Down-Syndrom etwa heißt das: Deinen Eltern ist ein Fehler unterlaufen, als sie dich bekommen haben. Und: Du solltest eigentlich nicht leben!

Neben einer Pathologisierung (als Krankheit erklären) von Schwangerschaft, führt diese Sichtweise zu einer weiteren Aussonderung von – eigentlich zu "vermeidenden" – Menschen mit Behinderung.

Dagegen setzt BEZIEHUNGLEBEN.AT auf eine umfassende Beratung von Frauen und Paaren in allen oberösterreichischen Landesteilen (zentrale Anmeldung über 0732/773676): Hier soll in Zusammenarbeit mit Frauenärzten mit Augenmaß gefunden werden, wie viel an medizinischen Untersuchungen sinnvoll erscheint. Die Frauen/Paare werden dabei begleitet, mit den heutigen Möglichkeiten nach ihrer eigenen Verantwortlichkeit umzugehen.

Für weitere Informationen:
Mag. Rolf Sauer, Leiter von BEZIEHUNGLEBEN.AT
Tel. 0732/7610-3510, 0676/8776 3510

[Von der Pressestelle der Diözese Linz veröffentlichtes Original]