Geburtskirche: Fratres werden mit Medikamenten versorgt, doch es ist trotzdem ein "langsames Sterben"

Leitartikel der Tageszeitung Ha´aretz fordert "Zugeständnisse für Bethlehem"

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BETHLEHEM, 15. April 2002 (ZENIT.org-FIDES).- Die Geburtskirche und die angrenzenden Klöster befinden sich seit nunmehr 13 Tagen unter israelischer Belagerung. Es wurde nicht nur die Licht- und Wasserversorgung unterbrochen, sondern seit einigen Tagen sind auch die Lebensmittelvorräte zu Ende und seit Samstag fehlte es zusätzlich an Medikamenten.



Der Obere des Franziskanerkonvents in Bethlehem ist zuckerkrank und braucht deshalb regelmäßig Insulin. Der Kustos im Heiligen Land, Pater Giovanni Battistelli, hatte die israelische Regierung mit Nachdruck um die Erlaubnis für einen Besuch im Konvent gebeten, welche ihm von den zuständigen Behörden jedoch verweigert wurde. Am Sonntagnachmittag lieferten israelische Soldaten schließlich an der Pforte des Gästehauses "Casa Nova" Medikamente für Diabetiker und zwei Kästen Wasser ab. Es fehlt weiterhin an Lebensmitteln.

Seit dem 2. April sind in dem Gebäudekomplex auch 200 palästinensische Kämpfer eingeschlossen. Die sich im Kloster befindlichen Fratres bitten weiterhin um eine friedliche und für beide Seiten akzeptable Lösung und wollen selbst bis zum Ende bei der Heiligen Stätte verweilen. Am Samstag wurde einer der Palästinenser von israelischen Soldaten erschossen. Es gibt keine unabhängigen Berichte über den Verlauf dieses Zwischenfalls. Nach Angaben der israelischen Armee hatte sich der Palästinenser in Schießposition begeben. Nachdem er verletzt worden war, wurde der Palästinenser in die Kirche gebracht, wo er schließlich starb.

Der Sprecher der Kustodie, P. David Jäger, erklärte gegenüber Fides: "Wie es auch immer zu diesem Mord gekommen sein mag, es ist auf jeden Fall schrecklich, dass es an dem Ort, an dem Christus geboren ist, zu Blutvergießen kommt."

Die israelischen Streitkräfte scheinen auch einen psychologischen Krieg führen zu wollen, die von einigen als "langsames Sterben" der in der Geburtskirche Eingeschlossenen bezeichnet wird. Mit großen Lautsprechern werden die Palästinenser immer wieder zur Kapitulation aufgefordert.

Ein israelischer Reservist erklärte gegenüber der BBC: "Wir versuchen auf verschiedene Weise Druck auszuüben, indem wir Bomben in der Nähe der Basilika zünden, ... auf die Dächer der Kirche schießen ... Doch ich kann nicht alles sagen".

Unterdessen bittet auch die israelische Öffentlichkeit den Regierungschef Scharon um eine Geste der Großherzigkeit gegenüber Bethlehem. Am Sonntag wurde auch in einem Leitartikel der israelischen Tageszeitung von Scharon ein "Zugeständnis" gefordert.

"Die Tatsache, dass palästinensische Kämpfer sich unberechtigterweise der Heiligen Stätte bemächtigt haben, befreit Israel nicht von seiner Verantwortung für das Wohl und die Sicherheit der Kirche und der für die Anlage verantwortlichen Ordensleute. Millionen von gläubigen Christen verfolgen die Entwicklung der Situation ..."

"Dieses Wochenende", heißt es im Leitartikel der Tageszeitung Ha´aretz weiter, "haben die Franziskaner in Rom die jüdischen Gemeinden auf der ganzen Welt gebeten, die israelische Regierung zur Wiederherstellung der Strom- und Wasserversorgung für die Mitbrüder in Bethlehem zu bewegen. Die Kirche verwies dabei auch auf die Franziskaner, die zahlreiche Juden vor der vor der Verfolgung gerettet haben. Gleichzeitig wurde auch die Besorgnis um die zukünftigen weltweiten Beziehungen zwischen Christen und Juden zum Ausdruck gebracht."

Mit Bezug auf die von verschiedenen Seiten unterbreiteten Lösungsvorschläge (Entwaffnung der Palästinenser, Überführung in den Gazastreifen mit internationalen Garantien) schreibt der Autor des Artikels abschließend: "Wenn man auch die Vorschläge ... für nicht akzeptabel hält, so ist doch offensichtlich, dass die Schäden, die Israel durch eine weitere Belagerung dieses Ortes entstehen, jeglichen taktischen Gewinn übertreffen, der aus der Gefangennahme von einigen Dutzend Palästinensern entstehen könnte, die sich dort verschanzt halten. Ein Zugeständnis für Bethlehem wäre wahrscheinlich eine viel wirksamere Geste."