Geburtsstunde des Barock

Ausstellung Zeichner in Rom in der Pinakothek der Moderne in Rom

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Von Nicki Schaepen*

TÜBINGEN, 31. Januar 2012 (ZENIT.org). - Unter dem Titel „Zeichner in Rom“ präsentiert die Pinakothek der Moderne vom 02. Februar bis zum 13. Mai 2012 an die 150 Blätter verschiedenster Künstler von 1550 bis 1700. Die zum Teil noch nie gezeigten Werke stammen aus den Beständen der Graphischen Sammlung München und vermitteln einen Eindruck von der Früh- bis zur Hochzeit des römischen Barock, der durch seine geglückte Synthese der Kunststile von Florenz und Venedig gewissermaßen zum Angelpunkt künstlerischen Schaffens dieser Zeit geworden ist.

Die durch das Konzil von Trient ausgehenden theologischen Stimuli sorgten im Ausgang des 16. Jahrhunderts für ein unvergleichliches Erblühen des Kunstschaffens in Rom. Es war die Geburtsstunde der Kunst des Barock. Eine durch etliche künstlerische Richtungen inspirierte Epoche, mit vielen Übergängen und Zwischenformen, der es gelang, das in der Renaissance entwickelte klassische Hochideal aufzugreifen, dasselbe aber mit einer bis dahin ungekannten lebens- und alltagsnahen Wärme zu durchwirken. So verbanden sich gewissermaßen Ideal und Realität in einer dramatischen Weise, welche die Rezipienten der Kunstwerke zu einer höchst emovativen Identifikation mit den Darstellungsgegenständen führen konnte.

Die Internationalität der in Rom arbeitenden Künstler sorgte für eine Versöhnung und Synthese der bislang sich feindlich gegenüberstehenden Schulen von Florenz und Venedig. War in Florenz insbesondere durch Giorgio Vasari die Theorie des Disegno in der Folge Michelangelos zu einem Höhepunkt gelangt, stand in Venedig das Colore im Mittelpunkt. Fern von beiden Metropolen entwickelte sich die Lombardei zu einer Keimzelle einer neuen, dramatischen Ausdrucksweise, die sich vor allem im Frühwerk der Carracci-Brüder kundtut und auch durch den ihnen folgenden Michelangelo Merisi da Caravaggio zu einem bedeutenden Motor der neuen Kunstrichtung werden sollte.

Die Zeichnung, darin war man sich einig, ist jenes Medium, in dem der Künstler am unmittelbarsten seine schöpferische Potenz kundtut. Hier zeigt sich seine durch den Heiligen Geist gefügte Inspiration, die Qualität seiner Fähigkeiten unverhüllt. Seine Meisterschaft offenbart sich durch wenige Striche in ihrer ganzen Größe oder aber der Künstler enthüllt sein Mittelmaß. Das Medium dient ihm zum Entwurf von Gemälden oder von Reproduktionsgraphik, zu allgemeinen Studienzwecken oder wird zum begehrten Sammelobjekt.

Die Ausstellung in der Pinakothek der Moderne widmet sich vor diesem Hintergrund nun den graphischen Werken dieser Epoche, die sie bis zu ihrer Hochphase ausdehnt. Es handelt sich um Zeichnungen in der ganzen technischen Breite dieses Wortes. Werke von Annibale Carracci, Pietro da Cortona, Gianlorenzo Berninin, Carlo Maratta, Claude Lorrain, Johann Heinrich Schönfeld u.a. sind zu bewundern. Nähere Informationen finden hier.

*Nicki Schaepen, 1977 in Hechingen geboren, studierte Kunstgeschichte und neuere Geschichte an der Humboldt-Universität in Berlin und der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen und schloss sein Studium mit einer Arbeit über Anton van Dycks Selbstbildnis mit der Sonnenblume ab. Im Jahr 2007 trat er in das Bischöfliche Theologenkonvikt in Tübingen ein, wo er zurzeit seine Priesterausbildung vollendet, in deren Rahmen er sich auch für längere Zeit in Rom aufhielt.