Gedanken zum Fest von Papst Benedikt XVI.

2. Februar: Uraltes gemeinsames Fest der Kirche des Ostens und des Westens

Rom, (ZENIT.org) | 1119 klicks

Im Alltag tritt heute kaum noch in Erscheinung, dass wir am 2. Februar ein uraltes gemeinsames Fest der Kirchen des Ostens und des Westens feiern, das ehedem bei uns im bäuerlichen Jahr eine große Rolle spielte: Darstellung des Herrn (oder auch Maria Lichtmess). Es ist ein Fest, in dem sich mehrere geschichtliche Ströme vereint haben, sodass es in verschiedenen Farben leuchtet.

Sein unmittelbarer Anlass ist die Erinnerung daran, dass Maria und Joseph Jesus am vierzigsten Tag nach der Geburt in den Tempel zu Jerusalem brachten, um das vorgeschriebene Reinigungsopfer darzubringen. Die Liturgie hat aus den von Lukas geschilderten Szene vor allem einen Zug herausgegriffen: Die Begegnung zwischen dem Kind Jesus und dem greisen Simeon; so erhielt das Fest im griechischen Raum den Namen Hypapanti: Begegnung.In diesem Miteinander von Kind und Greis sieht die Kirche das Zusammentreffen zwischen der vergehenden heidnischen Welt und dem neuen Beginn in Christus, zwischen der versinkenden Zahl des Alten Bundes und der neuen Zeit der Kirche der Völker dargestellt.

Was hier ausgesagt wird, ist mehr als der ewige Kreislauf des Stirb und Werde; es ist mehr als der Trost, dass dem Abtreten einer Generation immer wieder eine neue mit neuen Ideen und Hoffnungen folgt. Wäre es so, dann wäre dies Kind keine Hoffnung für Simeon, sondern nur für sich selbst. Aber es ist mehr, es ist Hoffnung für jeden, weil es eine Hoffnung über den Tod hinaus ist.

Damit berühren wir nun den zweiten Schwerpunkt, den die Liturgie diesem Tag gegeben hat. Sie knüpft an das Wort Simeons an, der dieses Kind „Licht zur Erleuchtung der Heiden“ nennt. Im Anschluss an dieses Wort wurde der Tag zu einem fest der Lichter gestaltet. Das warme der Kerzen soll sinnfälliger Ausdruck sein für das größere Licht, das über alle Zeiten hin von der Gestalt Jesu ausgeht.

Joseph Kardinal Ratzinger, Mitarbeiter der Wahrheit, Naumann, Würzburg 1990, S. 45