Gedicht zum Sonntag - #PauseforPeace - Eine Pause für den Frieden

"Ich weiß von solchen" von Hermann Hesse (1877-1962)

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 349 klicks

In manchen Seelen wohnt so tief die Kindheit,
dass sie den Zauber niemals ganz durchbrechen,
sie leben hin in traumgefüllter Blindheit
und lernen nie des Tages Sprache sprechen.

Weh ihnen, wenn ein Unheil sie erschreckt
und plötzlich hell zur Wirklichkeit erweckt!
Aus Traum gescheucht und kindlichem Vertrauen
starren sie hilflos in des Lebens Grauen.

Ich weiß von solchen, die der Krieg erst weckte,
da sie des Lebens Mitte überschritten,
und die seither am Leben wie erschreckte
Traumwandler zitternd und geängstigt litten.

Es scheint: in diesen Hoffnungslosen sucht
die Menschheit ihrer blutgetränkten Erden,
sucht ihrer Grausamkeit und Seelenflucht
erschauernd und beschämt bewusst zu werden.

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Der Päpstliche Kulturrat lädt anlässlich des Endspiels der Fußball-WM zu einer „Pause für den Frieden“ ein, um für das Ende des Blutvergießens in der Welt zu beten. Wer sich an der Aktion beteiligen möchte, kann am Sonntag einen Moment der Ruhe einlegen. Auf Facebook kann die Aktion unter #PauseforPeace verfolgt werden.

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Hermann Hesse (1877-1962) wurde am 2. Juli 1877 in Calw im Schwarzwald geboren. Nach einem mehrmonatigem Aufenthalt in einem evangelischen Seminar entschloss er sich zu einer Mechanikerlehre, bis er schließlich eine Buchhändlerlehre absolvierte. Er veröffentlichte erste Schriften und unternahm zwei Reisen nach Italien. Nach seiner Heirat lebte er am Bodensee in Gaienhofen. 1912 zog er nach Bern um, weitere Wohnsitzwechsel folgten. 1922 veröffentlichte er „Siddartha“. 1927 erschien „Der Steppenwolf“, 1943 „Das Glasperlenspiel“. 1946 wurde Hesse der Nobelpreis für Literatur verliehen. Hermann Hesse starb am 9. August 1962.