Gedicht zum Sonntag - "Vergesset nicht es ist unsre gemeinsame Welt" - Für Frieden unter den Menschen

"Gemeinsam" von Rose Ausländer (1901-1988)

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 541 klicks

Vergesset nicht
Freunde
wir reisen gemeinsam

besteigen Berge
pflücken Himbeeren
lassen uns tragen
von den vier Winden

Vergesset nicht
es ist unsre
gemeinsame Welt
die ungeteilte
ach die geteilte

die uns aufblühen läßt
die uns vernichtet
diese zerrissene
ungeteilte Erde
auf der wir
gemeinsam reisen

***

Rose Ausländer (1901-1988) wurde am 11. Mai 1901 in Czernowitz in Österreich-Ungarn geboren. Rosalie Beatrice Scherzer, so ihr Mädchenname, wuchs in einer liberal-jüdischen Umgebung auf. Ihre Familie musste 1916 ihre Heimatstadt verlassen und floh zunächst nach Budapest, dann nach Wien, wo Ausländer ein Studium der Literatur und Philosophie begann. 1921 verließ sie gemeinsam mit ihrem Studienfreund Ignaz Ausländer, den sie 1923 in New York heiratete, Österreich und wanderte in die USA aus. 1931 kehrte Rose Ausländer mit ihrem neuen Partner, Helios Hecht, nach Czernowitz zurück. Sie veröffentlichte Gedichte und Aufsätze und arbeitete als Übersetzerin aus dem Jiddischen und Englischen. 1939 erschien Rose Ausländers erster Gedichtband, der den Titel „Der Regenbogen“ trug. 1939 entschloss sie sich aus politischen Gründen, erneut in die USA zurückzukehren, musste aber im selben Jahr wieder nach Czernowitz zurückkehren, um sich dort um ihre kranke Mutter zu kümmern. Im Juni 1940 wurde Rose Ausländer wegen angeblicher Spionagetätigkeit verhaftet. Vor der Judenverfolgung, die 1941 in Rumänien begann, brachte sie sich in einem Kellerversteck in Sicherheit. 1944 konnte Ausländer Rumänien endgültig verlassen und begab sich erneut nach New York. Hier beeinflusste sie vor allem Paul Celan (1920-1970), den sie 1957 kennengelernt hatte. 1967 gab Rose Ausländer ihren zweiten Gedichtband, „Blinder Sommer“, heraus, für den sie eine Auszeichnung erhielt. Rose Ausländer starb am 3. Januar 1988 in Düsseldorf.