Gefahr der Schließung der christlichen Schulen in Gaza

Ein neues Gesetz führt ab nächstem Schuljahr die Trennung zwischen Jungen und Mädchen in den Schulen ein

Jerusalem, (Lateinisches Patriarchat) | 502 klicks

In Gaza wird mit einem neuen Gesetz beabsichtigt, ab nächstem Schuljahr die Trennung zwischen Jungen und Mädchen in den Schulen einzuführen. Fünf christliche Schulen, von denen drei katholisch sind, sind von der Schließung bedroht (und zusätzlich noch die von den Vereinten Nationen verwalteten Schulen). Der Lateinischer Patriarch von Jerusalem macht sich über diese neuen Perspektiven Sorgen und beabsichtigt daher, die wichtigsten Führer der Hamas einschließlich des Bildungsministers zu treffen, um „eine Lösung im Interesse der Schüler zu finden.”

Im Gaza-Streifen gibt es bereits jetzt schon an öffentlichen Schulen ab dem neunten Lebensjahr keine gemischten Klassen. Von dem neuen Gesetz sind somit direkt die Privatschulen betroffen, die im Gaza-Streifen gemischte Klassen unterhalten. 1.500 Schüler befinden sich an den drei katholischen Schulen im Gaza-Streifen. Eine Schule gehört zu den Rosenkranzschwestern, während die anderen beiden zum Lateinischen Patriarchat gehören.

Beim Patriarchen “löst diese Entscheidung echte Besorgnis aus”. Auf materieller Ebene stelle dies ein Raum- und Organisations- und Lehrerproblem dar. “Neben dem entstehenden Raumproblem, müssten unsere Schulen mehr Personal einstellen. Dafür verfügen wir aber nicht über ausreichende Mittel”, sagte der Patriarch. Dazu muss man wissen, dass es Männern und Frauen nicht erlaubt ist, Schülern des anderen Geschlechts zu unterrichten, wenn sie älter als zehn Jahre sind. Erzbischof Fouad Twal hält es nicht für sehr wahrscheinlich, dass man “in diese Richtung” gehen wird und man „ zu keinem Einvernehmen kommen wird“.

Der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Erzbischof  Fouad Twal, hofft, die Sache mit den Ministern des Gaza-Streifens (einschließlich des Bildungsministers) zu besprechen. “Diese Entscheidung wurde nicht von einer höheren Behörde getroffen, sondern von einem Berater. Deshalb werde ich mich baldmöglichst zusammen mit dem Direktor der palästinensischen Schulen (Pfarrer Faysal Hijazen) nach Gaza begeben, um zusammen mit den Führern der Hamas eine Lösung im Interesse der Schüler zu finden “.

Der Wert der Schule

Bildung ist eine der  Prioritäten in der Diözese des Heiligen Landes. Auf der einen Seite sind die katholische Schulen ein Mittel, die Christen in der Region darin zu unterstützen, in der Region zu bleiben. Auf der anderen Seite möchte die Kirche mittels ihrer Institutionen den Schülern (dessen überwiegende Mehrheit muslimisch ist) in den Bereichen Bildung, Kultur und  Pädagogik dienen. “Die Schulen haben einen sehr großen religiösen und gesellschaftlichen Wert“, betont der Patriarch.

Durch die Schulen und die Präsenz der Schüler – Jungen und Mädchen – entsteht eine echte Kommunikation mit den Eltern. Dank dieser  konnten wir Freundschaften zu vielen Familien in Gaza aufbauen, sowohl zu muslimischen als auch zu christlichen, die der Fatah oder der Hamas nahestehen,“ so der Patriarch, und er fügt hinzu: “Wir glauben an die Bedeutung der Bildung in den Schulen, wo man lernt, sich auch dem anderen zu öffnen. Indem die Kinder in der Schule zusammen lernen und spielen , erlernen sie die Tugend des Dialogs für die Zukunft “.

Christophe Lafontaine 

(Quelle: Lateinisches Patriarchat von Jerusalem, 21/06/2013)