Gefährliches Liebäugeln: Russe fragt sich, warum der Westen in den Sozialismus verliebt ist

Was Christen in der Öffentlichkeit tun sollten

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Von Edward Pentin

ROM, 6. Juli 2012 (ZENIT.org). - Der russische Lebensrechtler Alexey Komov ist einer von vielen Bürgern der ehemals sowjetisch kontrollierten Länder, die überrascht und enttäuscht sind zu sehen, dass der Westen infolge der weltweiten Wirtschaftslage wieder anfängt, mit dem Sozialismus zu liebäugeln.

Sowohl die Unterstützung der Obamaregierung als auch die Befürwortung anderer sozialistisch angehauchter Programme und politischer Parteien sieht er als einen störenden und irrationalen Trend.

Bei seinem Besuch in Rom zur Eröffnungskonferenz des römischen Büros des „Dignitatis Humanae Institute“ (Institut für Menschenwürde) am 29. Juni, betonte Komov, dass Sozialismus „in der Weltgeschichte nie funktioniert“ habe und, dass er es „wirklich verblüffend“ finde, solche Sympathien für eine Ideologie zu sehen, die im 20. Jahrhundert „im Namen sozialer Reformen und des Fortschritts“ so viel Leid verursacht habe.

In einem Gespräch mit ZENIT erinnerte Komov an die geschätzten 100 Millionen Menschen, die in der Sowjetunion „im Namen der sozialen Reformen bzw. der Revolution“ ums Leben kamen. Dazu gehören die Angehörigen des verfolgten Adels, die getötet oder zur Emigration gezwungen wurden, die 200.000 Priester und Ordensleute, die ihr Leben verloren oder in die Gulags geschickt wurden, die Zehntausende von ermordeten Kasachen, und die „hundertprozentige“ Zerstörung der gesellschaftlichen Klassen.

Besonders störe ihn, dass viele Länder heute eine „sanftere Version“ von Sozialismus besitzen. „Wir beobachten dies in der Politik Obamas in den Vereinigten Staaten oder Zapateros in Spanien, aber auch in anderen Ländern“, so Komov. „Alle sind sie von den selben sozialistischen Ideen inspiriert, eine sanftere Version zwar, aber die Quelle bleibt die selbe“.

Von Beruf ein Marketing Manager, ehemaliger Ratgeber des Metropoliten Ilarion von Wolokolamsk, Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, ist Komov heute der russische Repräsentant am „World Congress of Families“, der wahrscheinlich größten Organisation zur Verteidigung der traditionellen Familie.

Komow erklärt, dass er die sozialistischen Neigungen der Regierung Obamas besonders störend finde, und weist darauf hin, eines der Vorbilder von Präsident Obama und seiner Außenministerin Hillary Clinton sei Saul Alinsky, ein neomarxistischer Schriftsteller, der sein erstes Buch keinem anderen als dem Teufel widmete, den er als ersten erfolgreichen Revolutionär sah, dem es gelungen sei, „das unterdrückende Regime Gottes“ umzustürzen (Alinskys genaue Worte sind: „Und wir wollen auch nicht versäumen, einen wenigstens flüchtigen Dank auch dem allerersten Radikalen zu zollen: laut unserer Legenden, Mythen und Geschichten… der allererste Radikale, der gegen das Establishment rebellierte und dabei so erfolgreich war, dass er am Ende ein eigenes Königreich gewann: Luzifer“).

Komov glaubt, dass man nur „tief genug nach den ideologischen Wurzeln dieser sozialistischen Bewegungen graben“ müsse, um darin einen „satanischen Ursprung“ zu finden. Und obwohl heute eine sanftere Version vorherrscht, sei diese noch immer „sehr gefährlich“. „Ich möchte all diese Menschen, die von sozialistischen Ideen fasziniert sind, warnen, dass diese in der Menschheitsgeschichte noch nie funktioniert haben -- nie“.

Die traditionelle Kleinfamilie sei ein besonderer Feind des Sozialismus, meint Komov, denn sie sei die Basisinstitution, welche Werte aufbewahrt und an die nächste Generation weitergibt. „Wenn der Staat das Leben der Individuen von der Geburt bis zum Tod beherrschen will, muss er die Familie zerstören, weil die Familie vom Staat unabhängig ist“, argumentiert Komov. „In den Worten von Marx und Engels ist die Familie eine repressive, bourgeoise Institution, die zerstört werden muss; sie mussten ihre patriarchale Macht genau wie die des Christentums bekämpfen, weil dies die Haupthindernisse zur Verwirklichung der gesellschaftlichen Revolution sind“.

Komov glaubt weiterhin, die Vermischung der Lehren von Marx mit denen Freuds habe zur „Sex-and-Drugs“ Revolution der 1960er Jahre geführt, die wiederum so abwegige Ideologien hervorgerufen habe wie radikalen Feminismus und Ökologismus.

In seiner Rede wies Komov darauf hin, dass die russische Bevölkerung in den letzten 20 Jahren um fast 10 Millionen Menschen abgenommen habe, was zum Teil den hohen Abtreibungsraten und einer zunehmend hedonistischen Kultur zuzuschreiben sei. Aber kann man dafür den Sozialismus verantwortlich machen, wenn der russische Kommunismus doch schon vor zwanzig Jahren zusammengebrochen ist? „Es handelt sich um ein Weltphänomen“, bemerkt Komov und fügt hinzu, es bestehe „ein klarer Zusammenhang mit der zunehmenden Entfremdung vom christlichen Glauben“ und dem Aufschwung einer Kultur, die Selbsterfüllung über persönliche Opferbereitschaft stellt.

Komov, der versucht, diese Themen mittels der „Stiftung für Familie und Demographie“, ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, die von zwei in Russland wohlbekannten orthodoxen Priestern -- Dmitry Smirnov and Maxim Obukhov -- geleitet wird, sagt, er arbeite auch eng mit der Katholischen Kirche zusammen.

„Wir sollten enger zusammenarbeiten“, meint Komov, „da wir dieselben säkularen Angriffe auf Dinge erleben, die unseren Herzen lieb sind“.

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Die Konferenz des Dignitatis Humanae Institute über „die Rolle der Christen in der Öffentlichkeit“ zog eine lange Reihe von Sprechern an, darunter den italienischen Politiker Professor Rocco Buttiglione und die slowakische Europaabgeordnete Anna Záborská.

Rocco Buttiglione sprach auf der Konferenz über die Wichtigkeit der Wahrheit und echter Toleranz in der Politik.

Der italienische Politiker betonte, wie ein liebevoller Vater manchmal seinen Kindern etwas verweigern müsse, so müsse auch ein Politiker „der sein Volk liebt, die Wahrheit sagen und manchmal auch ‚Nein‘ sagen“; er müsse „den Menschen aber auch erklären, warum das, was sie wollen, falsch ist“. Dabei müsse er auch bereit sein, „zu riskieren, eine Wahl zu verlieren“, fuhr Buttiglione fort. Es sei „besser, eine Wahl zu verlieren, als den Menschen schlechte Ware zu verkaufen, um die Wahl zu gewinnen“.

[Übersetzung des englischen Originals von Alexander Wagensommer]