Geheimarchiv des Vatikans in den Kapitolinischen Museen

Dokumente über das Massaker an den Armeniern

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ROM, Mittwoch, 6. Juli 2011 (ZENIT.org).- Das Geheimarchiv des Vatikans wird Inhalt einer Ausstellung im Februar 2012 in den kapitolinischen Museen sein, genannt „Lux in Arcana“. Für das Pontifikat von Pius XII. wird man noch einige Jahre warten müssen, bevor es für die Forscher freigegeben wird, aber es werden bereits wichtige Dokumente über das Massaker an den Armeniern ausgestellt.

Die Ausstellung wurde am Dienstagmorgen im Vatikan von Kardinalstattssekretär Tarcisio Bertone, dem Bibliotheksarchivar der heiligen römischen Kirche, Kardinal Raffaele Farina, Msgr. Sergio Pagano, Präfekt des Vatikanischen Geheimarchivs, dem römischen Bürgermeister Gianni Alemanno, dem Leiter der Kulturpolitik und des geschichtlichen Zentrums von Rom, Dino Gasperini, und dem Vorsitzenden der Kulturgüter der Stadt Rom, Umberto Broccoli, vorgestellt.

Es werden einige hundert Dokumente des Geheimarchivs zwischen dem VIII. und dem XX. Jahrhundert ausgestellt. Unter anderem werden die Briefe der Mitglieder des englischen Parlaments an Clemens VII. bezüglich der Hochzeit von Heinrich VIII. (1530), die Akte des Prozesses gegen Galileo Galilei (XVII. Jahrhundert), die Bulle zur Absetzung von Friedrich Barbarossa und die Dokumente zu Beginn des Zweiten Weltkrieges zu sehen sein.

Während der Pressevorstellung des Ereignisses legte Kardinal Bertone Wert darauf, die Wichtigkeit der Tatsache zu unterstreichen, dass die Ausstellung außerhalb des Vatikans beim Campidoglio, im Herzen Roms, organisiert wird.

„Noch einmal haben wir erlebt, gestand der Kardinal, wie man durch die Bemühungen und im gemeinsamen Streben wächst, verschiedene Gesichtspunkte zusammenzubringen: Der Dialog, das Austauschen von Erfahrungen, das wissenschaftliche Gespräch verbessern immer die Ziele, zu denen man mit verschiedenen Absichten strebt“.

Für den vatikanischen Staatssekretär ist die Ausstellung „ein Kulturprojekt höchsten Niveaus“, wobei die „arcana“ des Titels „nicht als arcana imperii zu verstehen sind, also als „Geheimnisse der Regierung“, sondern als Geheimnisse des Archives, das seiner Natur gemäß aus sorfältig und wachsam seine Schätze schützt“.

Kardinal Farina unterstrich seinerseits, dass die päpstlichen Dokumente und die anderen antiken Texte aus dem Leben der Kirche anlässlich dieser Ausstellung zum ersten Mal außerhalb des Vatikans zu sehen seine werden und dass das vatikanische Geheimarchiv sich damit „ohne Angst zeigt, im Gegenteil stolz ist auf einen Dienst an der Kirche und der Kultur über vier Jahrhunderte unermüdlicher Arbeit des Schutzes, der Zensur, der Pflege, des Fortschritts durch immer bessere Nachforschung“.

„Es erweist sich als ein Kulturbereich, als faszinierender Aufruf zur Erinnerung an unsere Vergangenheit, die Vergangenheit der Kirche, der Imperien, der Reiche, der Grafschaften und Republiken“, fügte er hinzu.

Das Ziel ist, das Niveau des Wissens über die stereotype Leere hinaus anzuheben, zu der, wenn ich mich nicht irre, vieles der sogenannten heutigen Massenkultur führt“.

Msgr. Pagano hingegen unterstrich, dass die Ausstellung Licht auf eine verehrungswürdige Institution und seine Aktivität werfen will, daher der Titel „Lux in Arcana“.

„Mit Ausnahme der Forscher, die regelmäßig das vatikanische Geheimarchiv besuchen, stellt es für die Mehrheit der Menschen etwas „Geheimnisvolles“ (arcanum) dar, eine mysteriöse, weil unbekannte Realität; ohne die pseudo-geschichtlichen Romane zu erwähnen, die es in letzter Zeit über das Geheimarchiv gab“, sagte er.

Der Bischof kündigte dann zweierlei an: auf der einen Seite, dass es wenigstens 4 Jahre dauern wird, die Dokumente über das Pontifikat von Pius XII. zu veröffentlichen, und die Art, mit der Papst Pacelli auf die Schrecken der Shoa antwortete, auf der anderen Seite die Veröffentlichung einer Sammlung von Dokumenten und Zeugnissen über das Massaker an den Armeniern am Ende des Ersten Weltkrieges in der Türkei und über die Verbrechen, die an schwangeren Frauen begangen wurden.

„Ich kann meine Freude nicht verbergen, eine Ausstellung darüber vorzustellen, die ich als geschichtlich und einzigartig in der Welt bezeichne, und die über Jahre, wenn nicht Jahrhunderte, von vielen Intellektuellen und Historikern erhofft wurde“, gestand er, und er sei „stolz, die Ehre zu haben, sie in den Kapitolinischen Museen beherbergen zu dürfen“, „einem Ort in Rom, der auf die Päpste verweist, auf ihre hervorragende Arbeit der Erhaltung und der Förderung der Kultur Europas und der Welt“.

„Im vatikanischen Geheimarchiv finden wir die Wurzeln unserer Identität und unserer Kultur“, unterstrich  Bürgermeister Alemanno. In den über 70 Regal-Kilometern des Archivs können wir den Menschen in seinen verschiedenen Ausdrucksweisen, seinen Siegen und Enttäuschungen und in seinen Niederlagen betrachten“.

[Übersetzung aus dem Italienischen von Josef Stolz]