Gehorsam gegenüber der Wahrheit und Denken schließen einander nicht aus

Benedikt XVI. an die Internationale Theologenkommission

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ROM, 5. Dezember 2008 (ZENIT.org).- Für die Theologie bestehte die grundlegende Frage in der Wahrheit des Glaubens, einer Wahrheit, die jedoch nicht auf die Mühe des Denkens verzichten wolle. Dies betonte Papst Benedikt XVI. am heutigen Vormittag in seiner Ansprache an die Internationale Theologenkommission, die anlässlich ihrer diesjährigen Vollversammlung zur Audienz empfangen wurde.

Der Papst setzte sich auch mit der Problematik des natürlichen Sittengesetzes auseinander, das Gegenstand eines zu verabschiedenden Dokuments der Kommission sein wird. Das Dokument steht unter dem Thema „Auf der Suche nach einer universalen Ethik: Ein neuer Blick auf das natürliche Sittengesetz".

In seiner Ansprache hob der Heilige Vater hervor, dass es zwischen dem Gehorsam gegenüber der Wahrheit und der Forschung sowie dem Denken keinen Widerspruch gebe. Die Arbeit der Theologen sei oft dazu berufen, in einer „globalen Gesellschaft" wie der heutigen vollzogen zu werden. So würden die Theologen oft von der öffentlichen Meinung gebeten, den Dialog zwischen den Religionen und Kulturen zu fördern und einen Beitrag „zur Entwicklung einer Ethik zu leisten, deren Grundkoordinaten im Frieden, in der Gerechtigkeit und in der Verteidigung der natürlichen Umwelt bestehen".

Eine Theologie jedoch, die sich auf diese edlen Ziele beschränke, verlöre nicht nur ihre Identität, sondern auch die Grundlage dieser Güter selbst. „Die erste Priorität der Theologie ist, wie ihr Name besagt, von Gott zu sprechen, Gott zu denken."

Unverzichtbare und wesentliche Charakteristik einer Theologie sei demzufolge die Frage nach der Wahrheit des Glaubens. In der Arbeit der Theologie, so fügte der Papst in freier Rede hinzu, sei der Glaube nicht nur nicht der Vernunft entgegengesetzt, sondern, mehr noch, er „öffnet die Augen der Vernunft, weitet unseren Horizont und gestattet es uns, die notwendigen Antworten auf die Herausforderungen der verschiedenen Zeiten zu finden".

Andererseits bedeute der Gehorsam gegenüber der Wahrheit keinen Verzicht auf die Forschung und die Mühe des Denkens. Die Unruhe des Denkens, die im Leben der Gläubigen zweifellos nie ganz befriedet werden könne, da sie sich auf dem Weg der Suche und der Vertiefung der Wahrheit befänden, werde dennoch zu einer Unruhe, „die sie auf der Pilgerreise des Denkens hin zu Gott begleitet und anregt und so fruchtbar sein wird".

Der Heilige Vater betonte, dass von einem objektiven Gesichtspunkt her, „die Wahrheit die Offenbarung Gottes in Christus Jesus ist, was als Antwort den Gehorsam im Glauben in Gemeinschaft mit der Kirche und ihrem Lehramt erfordert".

Wenn die Theologie auf dieses Weise ihre Identität wiedererlange, so werde auch die Methodenfrage erhellt. Die Methode der Theologie dürfe sich nicht nur auf der Grundlage von Kriterien und Normen herausbilden, die allen Wissenschaften gemeinsam sind. Sie müsse vielmehr vor allem die Prinzipien und Normen beachten, die der Offenbarung und dem Glauben in seiner personalen und kirchlichen Dimension entstammen.

Subjektiv gesehen, müsse erkannt werden, dass die grundsätzliche Tugend des Theologen darin bestehe, den Gehorsam gegenüber dem Glauben und die Demut des Glaubens zu suchen, der unsere Augen öffne. Durch diese Demut werde der Theologe zum „Mitarbeiter der Wahrheit". Auf diese Weise käme es nicht dazu, dass der Theologe von sich selbst spreche. „Im Innern geläutert, durch den Gehorsam gegenüber der Wahrheit, wird er hingegen dazu gelangen, dass die Wahrheit selbst - der Herr - durch den Theologen und die Theologie zur Sprache kommt."

Gleichzeit werde es dem Theologen auf diese Weise gelingen, dass durch ihn die Wahrheit der Welt überbracht werden könne.

Zur Problematik des natürlichen Sittengesetzes und der universalen Ethik erklärte der Papst, dass das Naturrecht „die wahre Garantie darstellt, die einem jeden geboten ist, um frei und in seiner Würde als Person geachtet zu leben". Gleichzeitig diene das Naturrecht zur Verteidigung vor jeglicher ideologischen Manipulation sowie vor jeglicher Unterdrückung, zu der es dem „Gesetz des Stärkeren" folgend kommen würde.

Aus diesem Grund ist es für Benedikt XVI. im heutigen Kontext notwendig, „in der Kultur und in der Zivilgesellschaft sowie in der Politik die notwendigen Bedingungen für ein volles Bewusstsein des unverzichtbaren Wertes des natürlichen Sittengesetzes zu schaffen".