Gehört das Kloster Corvey bald zum UNESCO-Welterbe?

Entscheidung im Juni

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 186 klicks

Die Bundesrepublik Deutschland hat im Februar 2013 die Bewerbung für das Karolingische Westwerk und die Civitas Corvey in Höxter für die Welterbeliste der UNESCO eingereicht. Im Juni dieses Jahres wird sich entscheiden, ob die 981 Stätten in 160 Ländern umfassende Liste des UNESCO-Weltkulturerbes um das 822 gegründete Benediktinerkloster erweitert wird.

Das Kloster Corvey entwickelte sich im 9. und 10. Jahrhundert zu einem bedeutenden geistigen, kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum. Die mittelalterliche Bibliothek und das Scriptorium legen beredtes Zeugnis davon ab. Dem Benediktinerkloster kam deshalb eine wichtige Rolle in der Vermittlung des christlichen Glaubens im Norden Europas zu. In bauhistorischer Hinsicht hat Corvey eine einzigartige Bedeutung: Es besitzt das einzige fast vollständig erhaltene Westwerk aus karolingischer Zeit weltweit.

Politisch war Corvey als Reichs- und Fürstabtei und später als Fürstbistum im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation einflussreich. Der Kaisersaal ist nur eines der Beispiele in der Innenausstattung des Klosters, die dessen durchaus auch repräsentativen Charakter verdeutlichen.

Nach einer wechselhaften Geschichte gelangte das Kloster schließlich im Zuge der Säkularisation in Privatbesitz. Seit 1834 ist es im Eigentum der Herzoglichen Familie von Ratibor, den Fürsten von Corvey.

Einen bedeutenden Gast hatte das Kloster im 19. Jahrhundert. Der Dichter August Hoffmann von Fallersleben (1798-1874) verbrachte seinen Lebensabend in Corvey. Er kümmerte sich um die bedeutenden Bibliotheksbestände und legte einen Buchschatz der Barock- und Biedermeierzeit an. Zu seinen Anschaffungen zählten Einzelwerke, aber auch Pracht- und Ansichtenbände. Die Klosterbibliothek war im Laufe des Dreißigjährigen Krieges fast vollständig zerstört worden. Nur 2.500 Bände sind davon heute erhalten und befinden sich in der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek in Paderborn. In der Barockzeit war die Bibliothek wieder aufgebaut, während der Säkularisation jedoch erneut aufgelöst worden. Im Rahmen des Projekts „1.000 Jahre Wissen“ konnten nun Wissenschaftler der Paderborner Universität den ursprünglichen Bestand der Klosterbibliothek rekonstruieren. Einige Werke sind auf der Internetplattform „Nova Corbeia“ in digitalisierter Form konsultierbar.

Der Entscheidung der UNESCO über Corvey, die sie während der Tagung vom 15. bis zum 25. Juni 2014 in Goha (Katar) fällen wird, liegen grundlegende Kriterien zugrunde, die das Kloster Corvey erfüllen muss, um der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes hinzugefügt werden zu können: Einzigartigkeit, Authentizität (historische Echtheit) und die Integrität (Unversehrtheit) der Stätte. Insgesamt müssen zehn UNESCO-Kriterien erfüllt werden, damit eine Stätte unter den in der Welterbekonvention von 1972 definierten Begriff „Welterbe“ subsumiert werden kann. Maßgeblich ist die herausragende universelle Bedeutung des Kulturguts aus historischen, künstlerischen oder wissenschaftlichen Gründen, wie es auf der Homepage der UNESCO heißt.